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Um seinen Verpflichtungen nachzukommen, kam Maximilian (Habsburg) 1508 auf die Idee, die Unternehmenssteuern zu erhöhen. Tatsächlich zahlten die grossen Unternehmen nur minimale Steuer. Der reichste Mann Deutschlands, Jakob Fugger, führte zum Beispiel pro Jahr kaum 1000 Gulden an den Fiskus ab. Nur hatte Seine Majestät eines übersehen; Sie verfügte weder über die Macht noch über die Fähigkeit, die weit verzweigten Geschäfte der grossen Handelsgesellschaften exakt einzuschätzen und dadurch ihre Steuerschuld festzustellen. So endete auch dieses Vorhaben des Herrschers wie so viele andere auch mit einer Niederlage. Gewitzt, wie die Kaufleute waren, traten sie nicht selbst gegen die Steuerpläne des Königs auf. Sie schickten vielmehr die Reichsstädte und befreundete Adelige ins Gefecht. Die Steuerquote für Grossunternehmen sank in den letzten Jahren kontinuierlich, während sie für Privatpersonen, direkt oder indirekt, ständig erhöht wurden. Ohne Zweifel waren die Fugger zu diesem Zeitpunkt bereits in den Rang einer europäischen Grossmacht aufgerückt, und mancher scharfsichtige Politiker fragte sich, ob denn das Handelshaus noch der Habsburger Monarchie diene oder ob nicht in Wirklichkeit längst Jakob Fugger der Machthaber und Kaiser Maximilian sein Erfüllungsgehilfe sei. Während aber alle Welt das politische Geschick und den immensen Reichtum der Fugger bewunderte, stand die Firma in Wahrheit vor einem tödlichen Abgrund. Niemand ausser Jakob Fugger selbst wusste, wie zerbrechlich seine wirtschaftliche Macht war und wie vergänglich sein Reichtum. Die Firma lief Gefahr, an ihrem eigenen Erfolg zu ersticken. Obwohl Jakob dafür bekannt war, nie ein Geschäft zu riskieren, das keinen ausreichenden Gewinn versprach, reichten doch die selbstverdienten Erträge bei weitem nicht aus, die stürmische Expansion des Unternehmens zu finanzieren. Das Eigenkapital betrug 1509 nur etwas ein Zehntel des Umsatzes. Ein solches Missverhältnis war damals lebensgefährlich. Heute ranken sich die Gerüchte einerseits um die Hypotheken-Giganten der USA, Fannie Mae und Freddie Mac und andererseits um J.P. Morgan, welche in riesige Derivat-Spekulationen im Zinsen- und Edelmetallbereich involviert sein soll. Aber auch die Hilfe für japanische und deutsche Banken durch staatliche Finanzinstitute (Bad Bank) zeigen Aehnlichkeiten zu damaligen Verhältnissen auf. Schon seit langem arbeitete Jakob Fugger mit Fremdkapital, und zwar vorzugsweise mit schwarzem Geld. Dazu gehörten insbesondere hohe kirchliche Würdenträger, denen das kanonische Zinsverbot alle Einkünfte aus Kapitalvermögen strikt untersagte. Dass dieselbe Firma auch noch für die Kirche den Ablasshandel organisierte, kann weiter nicht verwundern. Ganz im Stile eines Versicherungskonzerns für Seelenfragen liess der Papst damals so genannte Ablassbriefe anbieten. Gegen Zahlung einer Gebühr konnte sich der Gläubige von den Qualen des Fegefeuers loskaufen. Das war den Theologen denn doch zu viel. Viele murrten und Martin Luther machte Ernst. Am 31. Oktober 1517 schickte er einen Brief an den Erzbischof von Magdeburg und Mainz mit seinen berühmten 95 Thesen. Ob er diese auch öffentlich an die Eingangstür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte, ist bis heute umstritten. Die Spaltung der christlichen Kirche hatte hier ihren Ursprung. Als der Mönch am 10. Dezember 1520 einige Bücher über Kirchenrecht öffentlich verbrannte, war das eine offene Kampfansage an Rom, der auch prompt der päpstliche Bann gegen Luther folgte. Jakob Fugger beförderte also mit seinen Ablassgeschäften indirekt die geschichtsträchtige Kirchenspaltung. Aber nicht nur die Fugger sondern auch andere Kaufmannsfamilien waren in dieser Zeit überaus aktiv, unter anderen die Welser, die Hochstetter und die Medicis. Letztere brachten es sogar fertig, dass Giovanni de Medici zum Papst Leo X gekürt wurde. Der zweitälteste Sohn Lorenzos des Prächtigen war bereits im frühen Alter von 19 Jahren Kardinal und bisher eher durch kostspielige Hobbys und einen aussergewöhnlichen Verschleiss an hübschen Mädchen aufgefallen als durch übergrosse Frömmigkeit. Die Verknüpfung von Religion und Weltpolitik zeigte sich gerade im Irak-Krieg, als beide Parteien mit Gott in den Krieg zogen. Ob Islamistenführer oder Fernsehprediger, die politischen Führer bedienen sich ungeniert bei den Religionen, um den moralischen Freipass für kriegerische Handlungen zu erhalten. Diese Zeitepoche war aber nicht nur durch Globalisierung, Ausbeutung, Kirchenspaltung und Marktmonopole geprägt, sondern auch durch die Verbreitung des Buchdrucks. Die von Johannes Gutenberg und anderen erfundene Technik trat nicht zuletzt dank dem weit verzweigten Netz der Handelskonzerne seinen Siegeszug an, ähnlich wie heute E-Mail und Internet. Die darauf folgende Zeit war geprägt durch Bauernaufstände, Pleiten der grossen Handelskonzerne und Staatsbankrotte: Spanien 1557 und 1575, Frankreich 1560. Ob wir eine ähnliche Entwicklung durchmachen werden, steht noch in den Sternen. Ein grosser Unterschied besteht aber zur damaligen Zeit, und das ist unser Geld. Während damals mit Gold und Silber bezahlt wurde, ist Geld heute mit Staatskrediten gedeckt. Einzig der US$ hat eine Sonderstellung, da praktisch alle Rohstoff-Geschäfte in dieser Währung abgerechnet werden (müssen). Da aber jetzt die Staatsschulden der USA schneller wachsen als die Wirtschaft, kommt das Gold wieder zu neuer Beachtung. Dabei sollte trotz der momentanen Edelmetall-Euphorie nicht vergessen werden, dass die Zentralbanken jederzeit wieder Gold auf den Markt werfen können, um den Preis zu drücken. Langfristig ist aber Gold und Silber ein klarer Kauf, obwohl noch einige Turbulenzen auf dem Weg nach oben bevorstehen werden. Hansruedi Ramsauer (Trackback)
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