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Montag, 1. September 2003
Beitragsinhalt
Wirtschaft und Politik - Damals und Heute
Seite 2
von Hansruedi Ramsauer

Wie geht es mit der Wirtschaft weiter? Eine Frage, welche sich nicht nur Unternehmer stellen. Unsere Altersvorsorge hängt von der Börsenentwicklung ab, die Politiker sind zu Wirtschaftspolitikern verkümmert, in den Medien nehmen die Finanzmärkte einen immer grösseren Bestandteil ein und Stars und Sternchen der Show- und Sportszene machen Werbung für Anlagefonds.


Da ich davon ausgehe, dass sich alles in ständig wiederholenden Zyklen bewegt, habe ich einen Blick in die Geschichtsbücher geworfen und dabei überraschend viele Parallelen gefunden. Besonders verblüffend präsentiert sich dabei die Zeit um 1500. Schon damals galt die Losung „Geldpolitik= Weltpolitik“ mehr als jemals zuvor oder auch danach, bis heute….?

Christoph Kolumbus läutete Ende des 15. Jahrhunderts die Zeit der Globalisierung ein. Im Namen der spanischen Krone entdeckte er die Bahamas, Kuba, Honduras und Nicaragua. Der Portugiese Vasco da Gama eroberte ungefähr zur gleichen Zeit die Weltmeere. Cabrals stach 1500 in See und sollte im Auftrag Portugals mit seiner Entdeckungsfahrt die Ansprüche Portugals im Orient deutlich machen. Dabei landete er auf Grund eines Navigationsfehlers in Brasilien.

Die Wurzeln des Kolonialismus lagen mit der Gründung der portugiesischen und spanischen Kolonialreiche am Anfang des 16. Jahrhunderts. Als die Seewege erst einmal erforscht waren, richtete sich der Expansionsdrang schnell auf den Welthandel. Portugal gründete in den folgenden Jahren zur Sicherung seiner Rechte Siedlungskolonien im Atlantik, in Afrika, Indien und Brasilien. Spanien eroberte gleich drei grosse Reiche in Lateinamerika. 1519 besiegt Hernan Cortes das mächtige Aztekenreich. Pizarro eroberte später das Inka-Reich. Valdivia nahm Chile ein. Die spanischen Konquistadoren hatten jedoch nur wenig Sinn für die Grösse der Kulturen, auf die sie trafen. Sie zerstörte die Kulturgüter und raubten deren Schätze. Ausserdem beuteten sie die Gold-, Silber- und Edelsteinminen aus.

Heute gibt es keine fremden Länder mehr zu entdecken und die Kolonialisierung spielt sich viel subtiler ab, die Konsequenzen sind aber praktisch identisch. Länder, die mit Rohstoffen gesegnet sind, werden von Diktatoren regiert oder von politischen Unruhen erschüttert. IWF, WTO, Weltbank und andere internationale Organisationen leisten dieser Entwicklung noch Vorschub und geben ihr den nötigen offiziellen Rahmen. Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger, beschreibt in seinem Buch „Die Schatten der Globalisierung“, wie Entwicklungsländer durch Schuldendruck langsam aber sicher enteignet werden.

Selbstverständlich musste dieser Entdeckungs- und Expansionsdrang auch finanziert werden. Dazu kam auch noch die masslose Prunksucht der europäischen Herrscherhäuser und die gegenseitige Kriegsführung. All das konnte auf die Dauer durch Steuern und Abgaben nicht gedeckt werden. Die so aufgerissene Lücke zwischen Finanzbedarf und wirtschaftlicher Kraft weckte den Heisshunger auf Geld. Dieser erst ermöglichte den Financiers ihren grossen Aufstieg. Indem sie das gewünschte Geld zur Verfügung stellten, gewannen sie neben dem finanziellen zunehmend auch politischen Einfluss, der durch die – wiederum zu finanzierenden – Zinsen immer grösser wurde. Die grossen Banker der damaligen Zeit erlebten ihre Blüte.

Da 1971 durch einen Beschluss des amerikanischen Präsidenten Nixon in Bretton Woods das Geld die Golddeckung verlor und der US$ zur Weltreservewährung emporstieg, wurden sämtliche Fesseln, die zu einem ausgeglichenen Staatshaushalt führen, gelöst. Die Finanzierung funktioniert heute per Knopfdruck auf die Notenpresse.

Allen voran die Habsburger machten sich auf den Weg zur ersten Weltmacht begleitet von ständig leeren Kassen. Der Augsburger Kaufmann Lucas Rehm beschrieb das Finanzgebaren Maximilians so „Er war fromm, nicht von hoher Vernunft und stets arm. Er hatte Räte, die waren Lausbuben, die regierten ihn gänzlich. Diese wurden fast alle reich, Maximilian aber arm“. Nur der schlaue Jakob Fugger schaffte es mit einer geschickten Politik seines Konzerns, Einfluss auf den König zu behalten. Mal verweigerte er Kredite, dann wurde wieder etwas gezahlt. Immer waren die Geschäfte verknüpft mit Privilegien, Sicherheiten und grossen Geschäften mit Rüstungsgütern und Verpflegung.

Durch die permanent steigenden Ausgaben waren die Herrschaftshäuser gezwungen ihre Schulden durch die Abtretung von Minen, Münzmonopol und ähnlichen Privilegien zu begleichen. Es kam zu einem schleichenden Ausverkauf der königlichen Besitztümer, die in den Taschen der Handelshäuser landeten. Die Abhängigkeit zwischen Herrscher und Geldgeber wurde dadurch ständig erhöht. Die Fugger und andere operierten über alle nationalen Grenzen und Machtblöcke hinweg. Ueberall, wo Geld zu verdienen war, tauchten ihre Faktoren auf. Und nie dauerte es lange, bis die Fugger zu einem übermächtigen Konkurrenten wurden. Dank ihrer ausgedehnten und hervorragend funktionierenden Handelsorganisation, ihrer erstklassigen Beziehungen und der unerschöpflichen Finanzkraft waren sie schon in den ersten Jahren der neuen Jahrtausendhälfte die grösste Firma Europas. Dabei stärkten sie auch ihre Stellung bei Hofe und bestachen die wichtigsten Finanzbeamten der Herrschaftshäuser

Der Spendenskandal um Helmut Kohl ist bis heute nicht geklärt, Mitterand und Chirac bedienen sich aus „schwarzen Kassen“ und in den USA sponsern die Unternehmen die Wahlkämpfe der Präsidentenkandidaten. Im Gegenzug werden dann gewisse Gefälligkeiten geleistet, Gesetze zu Gunsten der Industrie geändert usw. Aktuell sind zur Zeit vor allem die Vergabe der Aufträge im Irak, bei der vorallem der ehemalige Arbeitgeber des Vizepräsidenten Dick Cheney, Halliburten, begünstigt wird.



 
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