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Dienstag, 3. April 2007
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Umstrittene Aktien bringen hohe Rendite
Seite 2
von Hauke Reimer

Alkohol, Glücksspiel, Rüstung. Investments in moralisch umstrittene Aktien aus Branchen wie Tabak oder Waffen können hohe Erträge bringen. Was ist vertretbar und was nicht?

Bevor Ben Bernanke als neuer Chef der US-Notenbank Fed nominiert wurde, hatte er nur eine Aktie in seinem Depot: Altria, die Mutter des Tabakkonzerns Philip Morris. Henry Blodget, zu Zeiten des Internetbooms Staranalyst der Investmentbank Merrill Lynch, wundert sich darüber in einem Beitrag für das US-Web-Magazin „Slate“: „Warum Bernanke eine Zigarettenaktie hält und was das bedeutet, bleibt ein Geheimnis.“

Vermutlich besaß Bernanke das Marlboro-Papier, weil er damit gerade auch in schweren Börsenzeiten Geld verdienen konnte. Verdienen, nicht verlieren – wie mit Blodgets einstigen Lieblingen: Von Anfang 2000 bis heute legte der Aktienkurs von Altria 270 Prozent zu. Der Internethändler Amazon verlor im gleichen Zeitraum 50 Prozent, die Suchmaschine Yahoo gar 70 Prozent.

„Aktien aus den Branchen Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Rüstung haben in guten wie in schlechten Börsenzeiten stetige Erträge gebracht“, sagt Charles Norton, Fondsmanager des nur in den USA verkauften Vice Fund (Lasterfonds), der sich auf diese vier Branchen konzentriert. „Diese Industrien sind von Natur aus defensiv und schneiden vor allem dann besser ab, wenn die Konjunktur schwächelt und die Börse herumkrebst.“ Wenn Bernankes Vorgänger Alan Greenspan mit seiner düsteren Warnung vor einer Rezession in den USA recht behält, dürften die sündigen Branchen in neuem Glanz erstrahlen, hofft Norton.

Klar. Geraucht wird immer, gesoffen wird gerade in schlechten Zeiten, und die Glücksspiel- und Wettbranche ist von jeher konjunkturunabhängig. Im Prinzip gilt dies auch für die Sexindustrie, doch hier gibt es für den Geschmack der Sündenmanager einfach zu wenig solide Aktien.

Eine Studie der Eastern New Mexico University über 55 Aktien aus den Branchen Tabak, Alkohol und Glücksspiel ergab, dass diese zwischen 1992 und Ende 2002 deutlich besser abschnitten als die Börse insgesamt. Der US-Index S&P 500 schaffte in diesem Zeitraum durchschnittlich 12,4 Prozent Zuwachs – Tabak- und Alkoholaktien stiegen doppelt so stark, und die Papiere der großen Casinobetreiber legten gar mehr als 40 Prozent zu. Auch der erst gegen Ende der Baisse 2002 aufgelegte Vice Fund schlug den S&P 500 deutlich.

Können Anleger es verantworten, in moralisch umstrittene Branchen zu investieren? „Ob man diese Aktien kauft, hängt vom Wertesystem des Einzelnen ab“, sagt der Theologe und ehemalige Benediktinerpater Anselm Bilgri, der heute Manager berät. Nicht akzeptabel seien Investments in Unternehmen, wenn sie „die Unantastbarkeit des Menschenlebens nicht akzeptieren“. Das gelte aber ausdrücklich nicht in Bausch und Bogen für alle Rüstungsaktien.

Vorbehalte gegen bestimmte Branchen hegen trotzdem nicht nur unverbesserliche Puritaner oder durchgeknallte Ökopaxe. Schäden, die manche Branchen direkt oder indirekt anrichten, sind ganz real. Den Herstellern von Markenzigaretten wurde im August 2006 von einem US-Bundesgericht „betrügerisches Verhalten“ bescheinigt, das vom Profitstreben getrieben werde. „Die großen Hersteller von Markenzigaretten haben sich seit über 50 Jahren in einer kriminellen Organisation zusammengefunden“, sagt der Hamburger Wirtschaftsrechts-Professor Michael Adams: „Ziel dieser weltumspannenden Organisation war es, eine objektive Forschung zu den Risiken des Rauchens zu verhindern und die Öffentlichkeit über die Wahrheit der Ursachen von Krankheit und Tod durch Zigarettenrauchen zu täuschen.“ Der Verkauf von „Light-Zigaretten“, seit vergangener Woche verboten, erfüllt nach Adams Ansicht den deutschen Straftatbestand des „gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs“.



 
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