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Seite 1 von 2 von Franz Schneider
Wenn sich an den Märkten spekulative Übertreibungen zu häufen beginnen, sind
schmerzliche Korrekturen der Exzesse nie zu vermeiden. Das ist so sicher wie das
Amen in der Kirche. Nicht immer erfolgen indes die Korrekturen sofort, manchmal
lassen sie so lange auf sich warten, bis viele Leute gar nicht mehr mit ihnen
rechnen und sich in falscher Sicherheit wiegen.
Dass insbesondere am amerikanischen Wohnimmobilienmarkt (Einfamilienhäuser) die
Übertreibungen gefährlich zugenommen haben, musste informierten Anlegern längst
bekannt sein. Immer wieder war von den Gefahren, die von diesem Markt ausgehen,
gewarnt worden.
Noch selten ist ein Platzen der spekulativen Blase so lange im Voraus
angekündigt worden. Doch nur Wenige haben die Konsequenzen gezogen und
rechtzeitig ihre Engagements reduziert. Für Andere wurde der Markt immer
attraktiver, je offensichtlicher die Übertreibungen wurden. Zu leicht liess sich
rasch viel Geld verdienen. Auch hier wurden die Gefahren unterschätzt – gerade
weil die Korrektur so lange auf sich warten liess. Die Hoffnung, die Korrektur,
die bereits vor zwei Jahren begonnen hat, erfolge einigermassen schmerzlos,
haben sich nicht erfüllt, wie die jüngste Entwicklung zeigt.
Anders als in früheren Krisen, die es im zyklischen Immobiliengeschäft immer
wieder gibt, ist jetzt der Kreis der Betroffenen grösser, und es geht um höhere
Summen, die auf dem Spiel stehen. Beschränkten sich bei der
Savings-&-Loan-Krise von 1990/91 die Folgen noch auf Hauseigentümer und
Banken bzw. deren Aktionäre, so sind jetzt viel mehr Leute direkt und indirekt
betroffen. Es sind Investoren, die beispielsweise über Hedge Funds investiert
sind, oder Versicherte, deren Vorsorgeeinrichtungen in nichttraditionelle
Anlagen diversifiziert haben. Diese Krise ist längst keine amerikanische
Angelegenheit mehr, weil global direkt und indirekt in US-Immobilienpapiere
investiert worden ist.
Spekulative Exzesse
Wie konnte es nur je so weit kommen, fragen sich heute verwundert Investoren,
die sich bisher nur am Rande mit dieser Materie befasst haben. Warum haben die
Probleme am US-Immobilienmarkt noch nie da gewesene Ausmasse angenommen, dass
jetzt selbst etablierte Hypothekeninstitute schliessen müssen und noch
schliessen werden, und immer häufiger die Möglichkeit einer Kreditverknappung
(Credit Crunch) oder einer Bankenkrise nicht mehr ausgeschlossen wird? Warum
wurden in Amerika in den letzten Jahren so leichtfertig Hypotheken an Leute
gesprochen, die offensichtlich nie nur annähernd die Anforderungen erfüllt
haben?
Zwei Stichworte sind zu nennen: Die Entwicklung der Kreditderivate und die
lange sehr tiefen Zinsen. Die Kreditderivate, insbesondere die Collateralized
Debt Obligations – besser unter dem Kürzel CDO bekannt –, haben in den letzten
Jahren das enorme Wachstum des Markts für zweitklassige Hypotheken (Subprime)
erst möglich gemacht. Dank diesen Instrumenten sind in Amerika Leute zu
Hypotheken gekommen, die diese wegen ihrer schwachen Bonität nie von einer Bank
erhalten hätten bzw. deren Zinskonditionen sie sich nie hätten leisten
können.
Über die Mortgage Broker, den meist auf eigene Rechnung bzw. auf Provision
arbeitenden Hypotheken-Vermittlern, ging alles rasch und ohne grössere
Abklärungen. Wie man heute weiss, sind diese Broker meist sehr aggressiv und in
ihren Methoden wenig wählerisch vorgegangen. Selbst Langzeitarbeitslose,
Invalide, allein erziehende Mütter erhielten Kredit, mit dem sie sich ein Heim
erwerben konnten. Für den Broker zählte nur eines: die Unterschrift auf dem
Vertrag und die Provision (rund 3000 $), die er vom Subprime Lender erhielt, das
weitere Schicksal der Kunden kümmerte ihn nicht. Der Subprime Lender vermittelte
die zweitklassigen Kredite an einen Wholesale-Lender, der diese bündelte und an
eine der vielen prominenten Wallstreet- Häuser weiter veräusserte.
Hier erfolgte die Transformation von Hypotheken in handelbare
Investmentvehikel, in Collateralized Debt Obligations (CDO) oder
Mortgage-Backed-Securities (MBS). Es handelt sich hier um verbriefte
Obligationen, welche mit Hypotheken gesichert sind. Diese sind allerdings nicht
erster Qualität (Prime), sondern eben nur Subprime. Die CDO werden nun in
diverse Tranchen mit unterschiedlicher Qualität aufgeteilt. Die jeweils beste
Tranche erhielt ein AAA-Rating, die qualitativ schlechteste möglicherweise nur
CCC.
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