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Mittwoch, 21. Mai 2008
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Pladöyer für die Wiedereinführung des Trennbankensystems in den USA
Seite 2
von Artur P. Schmidt 

Der aktuelle Versuch von Grossbanken ihre wahren Verluste aus der Hypothekenkrise zu verschleiern, erinnern stark an die Versuche des gestrauchelten Energiegiganten Enron seine faulen Bilanzen zu frisieren. Clever ist dies nicht, denn die einzige Strategie aus dem aktuellen Dilemma zu entkommen ist eine ehrliche Aufstellung aller Verbindlichkeiten.

Dass etwas mit den Bilanzen nicht stimmen kann, zeigen nicht nur die Kapitalerhöhungen und ausländische Fremdinvestoren die vielen Grossbanken zur Hilfe kommen mussten, sondern auch die inflationstreibenden Aktivitäten der amerikanischen Notenbank, die durch ihre Zinspolitik nicht die Ursachen, sondern nur die Symptome einer krankhaften Blase bekämpft. Das Ignorieren von faulen Schulden und das Verschieben der Verluste in die Zukunft war einer der Hauptgründe für den Niedergang der japanischen Ökonomie in den 90er Jahren. Basel II, welches Banken erlaubt, ihre eigenen Risiko-Modelle zu fahren anstatt auf die externe Bewertung der Kreditwürdigkeit zu vertrauen, hat in den letzten Wochen grundlegend versagt. Der Konkurs von Bear Stearns hat aufgezeigt, dass es nicht ausreicht regulative Anforderungen zu erfüllen um zu überleben, Es scheint offensichtlich, dass viele Banken und Hypothekenfirmen versuchen sich durch Finanzmanipulationen, noch einige Monate länger über Wasser zu halten. Doch hätte es so weit kommen müssen?

Die im Zuge des US-Immobilienbooms gewährten Kredite wurden gebündelt und auf dem Verbriefungsmarkt gehandelt (Asset Backed Securities). Dabei sind vielfach sehr komplexe Produkte entstanden, deren Risikostruktur von den Banken absichtlich intransparent gehalten wurde. Es zeigte sich jedoch, dass die Handelbarkeit und Streuung von Kreditrisiken offenbar nur dann die Stabilität des Finanzsystems verbessert, wenn die unterliegenden Qualitätsstandards hoch und transparent sind. Das Universalbankensystem hat jedoch hier nicht zu einer erhöhten Transparenz, sondern zur Verschleierung der wahren Verhältnisse beigetragen. Es entsteht der Eindruck, dass die heute betroffenen Banken entweder selbst kaum über eine realistische Einschätzung der Risiken verfügen oder aber notwendige Informationen nur sehr zögerlich bereitstellen. Es fehlt heute nicht nur an leistungsfähigen Frühwarnsystemen in Form von Lenkungs-Cockpits (siehe www.bankingcockpit.com), sondern vor allem an einer Regulierung der Marktteilnehmer, wie sie das frühere Trennbankensystem in den USA ermöglichte. Wie bei der Asienkrise 1997/98 im asiatischen Raum ist auch die aktuelle Krise 2007/2008 auf maßlose Investitionen, exzessiver Kreditaufnahme (Carry Trades in Fremdwährung), hohe Handelsbilanzdefizite und einer fehlenden Finanzmarktstruktur in den USA zurückzuführen.

Deshalb muss das Glass Steagall Act, welches eine Trennung von Investmentbanken und Geschäftsbanken vorsah wieder eingeführt werden. Dessen Aushebelung durch Bill Clinton im Jahre 1999 hat das immense Leverage bei Finanzprodukten der letzten Jahre und somit den Housing-Bubble erst ermöglicht. Das Aufheben des Gesetzes führte dazu, dass die Hedge Fond Industrie sowie der Hypothekenmarkt für kaum kreditwürdige Schuldner völlig außer Kontrolle geriet. Die Aufgabe des Trennbankensystems führte jedoch nicht nur zum Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes sondern vor allem zur so genannten Finanzialisierung, d.h. zu einer völlig neuen Form des Kapitalismus, in dem die Banken versucht haben den Rest der Ökonomie zu dominieren. Die Aufgabe des Trennbankensystems in den USA legte hierbei den Grundstein für Finanzmanipulationen und die Erhöhung des Risikos durch Hebelprodukte durch die Investmentbanker.



 
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