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Vielleicht liegt darin ja auch der Grund der Zunahme psychischer Störungen in der heutigen Zeit: die Attacken aufs Selbstwertgefühl nehmen zu. Selbst Menschen, die nach herkömmlichen Bewertungskriterien "gut dastehen", klagen über eine deutliche Verunsicherung in ihrem Selbstwertempfinden – das hohe Tempo, in dem wir uns alle an sich ständig ändernde Umstände anpassen müssen, spielt hier sicher eine grosse Rolle - in Zeiten der Globalisierung und der Echtzeitkommunikation rund um den Globus ist mancher an der Grenze zur Überforderung. Dies schlägt sich natürlich negativ auf das Selbstwertempfinden nieder.
Die Statusversprechungen der Konsumgüterindustrie kommen da wie gerufen: wenn ich diese Uhr trage und jenes Auto fahre, wenn ich diesen Drink konsumiere und dorthin in den Urlaub fahre, dann bin ich doch wer....für diese vermeintliche Aufwertung sind immer mehr Leute bereit, sich langfristig unfrei zu machen: das Leben auf Pump bringt ja früher oder später eine starke Verminderung der Freiheitsgrade mit sich.
Wir erleben dabei ganz nebenbei, wie eine ganze Gesellschaft der gleichen Dynamik unterliegt wie ein Suchtkranker: um des kurzfristigen Wohlgefühls willen nimmt er eine Hypothek auf die Zukunft auf – zu Lasten seiner langfristigen Gesundheit – die er immer schwerer zurückzahlen kann, je länger er dieses Verhaltensmuster pflegt.
Vielleicht ist es an der Zeit, daß auch Nationalökonomen sich mehr um psychologische Zusammenhänge kümmern, denn nur wenn man diese besser versteht, wird man manches auf den ersten Blick "Irrationale", was in der Wirtschaft heute geschieht, besser einordnen können.
Dr. Bernd Sprenger
www.oberbergkliniken.de
Mehr zu diesem Thema finden Sie im Buch "Im Kern getroffen" von Dr. Bernd Sprenger
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