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Kondratieff und der Crash PDF Drucken E-Mail
Montag, 6. Oktober 2008
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Kondratieff und der Crash
Seite 2


Doch irgendwann nach zwei Jahrzehnten ist das neue technologische System erschlossen: Jeder Betrieb hat seine Dampfmaschine, das Eisenbahnnetz ist weitgehend fertig, Investitionen in dasselbe rentieren sich immer weniger.

Die Kreditnachfrage wächst langsamer, und am Ende tendiert der Zinssatz gegen null: Das war vor der Börsenhausse 1929 in New York so, während und nach dem Gründerkrach von 1873, auch 1974 und in den 1820ern bei der Spekulation mit Rohstoffen.

Und es ist auch jetzt nach der Jahrtausendwende so: Der Produktivitätsschub durch die Informationstechnik ist ausgelaufen, es steigt der Druck auf Preise und Margen. Was tut ein Anleger in dieser Lage? Da sich feste Anlagen wegen der tiefen Zinsen nicht lohnen, fließt das Geld in Spekulation.

Die Preise von Aktien, Rohstoffen oder Immobilien steigen also nicht deshalb, weil diese plötzlich so viel mehr wert geworden wären, sondern sie sind unrealistisch aufgeblasen, weil es in der realen Wirtschaft keine lohnenden Investitionen mehr gibt. Die Zinsen nun stiegen zuletzt nur, weil sich die Banken wegen der Kreditkrise untereinander kein Geld mehr leihen.

Wie geht es weiter? Kondratieff schrieb, dass die Märkte von morgen durch knappe Produktionsfaktoren entstehen. In einer Zeit, als Transport der größte Flaschenhals für die Wirtschaft war, musste also die Eisenbahn ausgebaut werden. Vor dem Eisenbahnbau brauchte ein Unternehmer drei Wochen mit dem Pferd von New York nach Chicago, danach nur drei Tage - er hatte zweieinhalb Wochen gewonnen, in denen er etwas Zusätzliches arbeiten konnte. Das - und nicht das Geld für Schienen und Fahrkarten - war der Wachstumseffekt.

In der künftigen Informationsgesellschaft wird der Wohlstand davon abhängen, wie effizient die Wissensarbeiter zusammenwirken - es gibt keine Maschine mehr, die unsere Gedanken produktiver macht. Die neue Hardware - Gentechnik, Nanotechnologie in der Medizintechnik, andere materielle Gesundheitsinvestitionen - ist nur das dienende Drumherum; wirklich knapp ist intelligente, unstrukturierte, kooperative Informationsarbeit und deren produktive Lebensarbeitszeit. Anders gesagt: Knapp sind gebildete Menschen und ihre Problemlösungswertschöpfung. Die gewinnträchtigste Investition ist deshalb heute die Investition in Menschen.

Erik Händeler ist Zukunftsforscher und Autor mehrerer Bücher über Kondratieff und die Theorie der langen Wellen (www.kondratieff.biz).

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