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Ethanolboom lässt Brasiliens Wirtschaft erblühen PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 6. Juni 2007
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Ethanolboom lässt Brasiliens Wirtschaft erblühen
Seite 2
von Alexander Busch

Normalerweise würde man jemanden wie Àureo Luiz de Castro nicht ernst nehmen. Das letzte Projekt des Immobilienmaklers aus Rio de Janeiro war eine Ferienhausanlage, doch jetzt plant der bullige Unternehmer mit Glatze, der gerne eine Golduhr zum hellen Tropenanzug trägt, das ganz grosse Ding: Für 8 Mrd. $ will er mit ausländischen Investoren in abgelegenen Regionen 24 Ethanolfabriken bauen.

Vorverträge für die Felder, auf denen künftig Zuckerrohr wachsen soll, habe er. Bald könne er zusammen mit Grosskonzernen wie Petrobras und der nordamerikanischen Sempra Energy 4,8 Mrd. Liter Ethanol exportieren. Damit wäre der umtriebige Makler auf einen Schlag der grösste Ethanolproduzent in Brasilien – viermal grösser als Cosan, der führende Zucker und Alkoholexporteur der Welt. Castro würde mehr Ethanol ins Ausland verkaufen als alle brasilianischen Produzenten im vergangenen Jahr.

Internationales Interesse

«Eine ziemlich unwahrscheinliche Geschichte », heisst es unter Branchenkennern in São Paulo. Umso erstaunlicher ist, dass Áureo Luiz Castro in der Presse bereits als «Alkoholscheich» gefeiert wird. Dabei beträgt das eingetragene Kapital seiner Gesellschaft lediglich 350 €, wie die angesehene Zeitung «Folha de São Paulo» herausgefunden hat.

Doch in der brasilianischen Alkoholbranche ist nichts mehr normal. Seit die USA und andere Industrieländer verkündet haben, dass sie Ethanol dem Benzin beimischen wollen, um den Kohlendioxidausstoss und die Ölabhängigkeit zu reduzieren, hat in Brasilien ein Bonanza ohnegleichen eingesetzt. Es beschränkt sich nicht auf die Zucker- und Alkoholindustrie, die derzeit für 20 Mrd. $ rund 100 neue Destillen und Plantagen baut. Die dadurch ausgelöste Wertschöpfungswelle hat die ganze Wirtschaft erfasst.

Das zur Verfügung stehende Kapital scheint unbegrenzt zu sein. Immer häufiger verkünden ausländische Investoren, dass sie Hunderte Millionen Dollar als Fondsmittel eingesammelt haben oder mit dem eigenen Vermögen in Brasilien nach Investitionsmöglichkeiten Ausschau halten. Darunter sind George Soros, Sun-Microsystems-Gründer Vinod Khosla und die Google-Goldjungen Sergey Brin und Larry Page. Aber auch weniger bekannte Investoren streben im Verbund mit brasilianischen Banken den Eintritt in den Alternativtreibstoffmarkt an.

Die Folge: Das Personal wird knapp. Nicht nur in den Anbaugebieten, wo es inzwischen an Erntekräften, Traktorfahrern und Agraringenieuren mangelt, sondern auch in der Finanzbranche. Vor allem Spezialisten mit Verbindungen zur Zuckerbranche werden händeringend gesucht. Denn persönliche Kontakte sind entscheidend: Fast alle Zuckerunternehmen sind im Besitz von Familiendynastien. Nur Insider wissen, wer verkaufen oder mit wem fusionieren will. «In kaum einer anderen Branche geht es so diskret zu wie im Zuckergeschäft», sagt Agrarexperte Plínio Nastari.



 
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