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Seite 1 von 3 von Mark Dittli
Risikokapital strömt in junge Internet-Gesellschaften – Ein Fixstern namens Google – Publikumsöffnung als Ausstieg nicht mehr attraktiv?
In der Luft über dem Silicon Valley schwingt der Aufbruch. Der Highway 101 in Palo Alto ist rund um die Uhr verstopft; Businessjets röhren durch den kalifornischen Himmel. Baukräne recken ihren Hals. Fünfzig Kilometer weiter nördlich, in SoMa, dem angesagtesten Stadtteil von San Francisco, herrscht ähnlich berauschende Betriebsamkeit. Die Schlange im Starbucks an der Ecke Brannan und Fourth Street reicht morgens um neun bis auf die Strasse. Junge Menschen, in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen, strömen in die zu Bürolofts umfunktionierten ehemaligen Lagerhäuser der Gegend und werden sich zwölf Stunden später im gleichen Outfit an unzähligen Partys tummeln. Kaum vorstellbar, dass die Nachbarschaft südlich der Market Street – South of Market, SoMa – vor fünf Jahren, in der Zeit nach dem Kollaps der Technologieblase, eine kommerzielle Wüste war und arbeitslose Computeringenieure ihre Tage mit Frisbeespiel im Park verbrachten. Zu verdanken hat SoMa ihre Renaissance Leuten wie Barney Pell. «Es ist wieder eine tolle Zeit, Unternehmer zu sein», grinst der Gründer des Internet-Start-ups Powerset. In und um San Francisco herrscht Hochstimmung. Web 2.0 heisst die Welle dieses Mal, die Schlagworte der Stunde sind Community, User-generated Content und Demokratisierung des Internets (vgl. Textkasten). Aus Spielerei ist längst Geschäft geworden; 455Mio. $ investierten amerikanische Risikokapitalgeber 2006 gemäss VentureOne in den neun Monaten bis September 2006 in junge Internet-Gesellschaften. Das ist fast doppelt so viel wie im ganzen Jahr 2005. Chad Hurley, Ko-Gründer von Youtube, referierte am diesjährigen World Economic Forum über «Wie Web 2.0 die Zukunft formen wird» – und durfte unter den Mächtigen der Welt in Davos den Ritterschlag für sich und seine unkonventionellen Mitstreiter in Empfang nehmen. Geboren am 19. August 2004 Wenn der Web-2.0-Bewegung ein Geburtstag zugeordnet werden kann, dann ist es der 19. August 2004. Damals gelangte der Suchmaschinenbetreiber Google an die Börse und riss Wallstreet aus der Internet-Lethargie. Erstmals konnten Investoren in Googles Büchern sehen, wie viel Geld im Web mit der richtigen Idee zu verdienen ist. In der Zwischenzeit hat sich der Aktienkurs des Konzerns versechsfacht, die Marktkapitalisierung ist auf 154 Mrd. $ gewachsen (vgl. Textkasten). Aushängeschilder von Web 2.0 sind Namen wie Myspace, Youtube, Digg oder Facebook geworden. Die Webseiten erlauben es ihren Millionen von Benutzern, Bekanntschaftsnetze aufzubauen, Musik und Videos mit der «Gemeinschaft» zu teilen und andere Besucher auf interessante Blogs und Neuheiten aufmerksam zu machen. Auf Youtube werden heute täglich weit über 100 Mio. Videos abgespielt. Diese Popularität war Google so viel wert, dass der Konzern im Oktober 1,7 Mrd. $ springen liess, um Youtube zu schlucken. Der von Rupert Murdoch kontrollierte Medienriese News Corp bezahlte im Juni 2005 über 580 Mio. $ für Myspace und hofft so, dem Niedergang der «alten» Medienkultur zu entgehen. Den meisten Jungunternehmen ist gemeinsam: Ihre Haupteinnahmequelle ist Internet-Werbung. Die Bedeutung von Google für die Hunderte von Web-2.0-Gesellschaften kann nicht überschätzt werden. Der 1998 gegründete Konzern machte die Webwerbung als Geschäftsmodell salonfähig. Es erstaunt daher kaum, dass ein Grossteil aller Jungunternehmen im Silicon Valley entweder darauf abzielt, sich eines Tages von Google, Yahoo oder Microsoft übernehmen zu lassen – oder selbst zur nächsten Google zu werden.
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