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Dienstag, 5. Februar 2008 |
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Seite 1 von 8 von Lukas Hässig
Marcel Ospel wird sich nicht mehr lange an der Spitze der UBS halten können. Chronik einer Karriere mit ungutem Ende.
Dieser Artikel ist in "Das Magazin" vom 2. Februar 07 erschienen. (Copyright@Das Magazin)
Graue Wolken über Zürich, durchs Fenster dringt Tramlärm von der Bahnhofstrasse. Im Besprechungszimmer hängen schmucklose Gemälde an den Wänden. Die grosse UBS, vor deren Toren die Reichen dieser Welt Schlange stehen, gibt sich bescheiden. Geräuschlos geht eine Seitentür auf, und ein hochgewachsener Mann in dunkelblauem Anzug tritt ein. Marcel Ospel, Präsident dieses helvetischen Finanzimperiums, Schirmherr über Abermilliarden an Vermögen aus allen Kontinenten, strahlt an diesem kühlen Morgen wenig Majestätisches aus. Nach einer flüchtigen Begrüssung setzt er sich, fixiert aus schmalen Augen das Gegenüber und wartet auf die Fragen.
Das Treffen fand im Juli 2005 statt, und Marcel Ospel machte Aussagen, die vor dem Hintergrund der heutigen UBS-Verluste anders klingen als damals. Beobachter hatten die explosionsartig gewachsene Bilanz der Grossbank längst thematisiert. Hatten sich die Schweizer früher dreissigmal verschuldet, so war dieser Faktor auf fünfzig hochgeschossen. Man stelle sich einen Kleinsparer vor, der mit 20 000 Franken Erspartem ein Millionenhaus erwirbt.Auf die Frage, ob die UBS zu einer Spekulationsmaschine geworden sei, hob Ospel in warmem Baslerdeutsch an: «Wir würden doch nicht von Aufsichtsbehörden und Rating-Agenturen für unsere Vorsicht ausgezeichnet, wenn wir eine übermässig risikobelastete Bilanz hätten. Die prüfen das regelmässig im Detail. Wir wollen keine hohen finanziellen Risiken nehmen.» Und: «Unsere Führungsmannschaft, die das Unternehmen die letzten Jahre geleitet hat, ist unisono hoch risiko-avers. Dafür sind wir bekannt im Markt. Wer immer etwas anderes kolportiert, schaut die Dinge nicht im richtigen Licht an.»
Doch die wenigen Kritiker hatten den Finger früh auf den wunden Punkt gelegt. Während sich Ospel selbst als vorsichtigen Bankier bezeichnete, riskierte die UBS unter seiner Führung fast 50 Milliarden Franken in Hypotheken-Wertpapiere für minderbemittelte US-Hausbesitzer. Das ist beinahe gleich viel wie das gesamte UBS-Eigenkapital. Was die Bank der Superreichen in diesem Massenmarkt zu suchen hatte, bleibt rätselhaft. Ein paar Milliarden Wetteinsatz zu verlieren, mag zum Spiel der Branche gehören; sonst würden in guten Jahren keine hohen Gewinne und Hyperboni anfallen, und die Bank würde im Konkurrenzvergleich an Terrain verlieren. Doch in Ospels Dimension wird es ernst. 16 Milliarden Franken hat seine Bank bisher verspielt, und sie sitzt immer noch auf über 30 Milliarden Franken Subprime-Sondermüll. Derzeit werfen die Anleger die UBS-Aktien günstig auf den Markt. Von einem Höchststand von 80 Franken vor wenigen Monaten ist der Kurs kurzzeitig auf 40 eingebrochen, der Wert des Unternehmens wurde von über 150 Milliarden Franken auf 80 Milliarden fast halbiert. Scheinbar aus heiterem Himmel ist die UBS zum Sanierungsfall geworden.
Banken mit dem Wert einer UBS sind nicht mehr vor Übernahmen gefeit, wie das Beispiel der niederländischen ABN Amro zeigte, die heute einem ausländischen Bankenkonsortium gehört. Nun muss Marcel Ospel um sein Überleben kämpfen. In einer Umfrage des englischen Finanzdienstes Breakingviews.com votierten Mitte Januar zwei Drittel für einen raschen Abgang Ospels. Die Kritik am Wirtschaftslenker, der am 8. Februar 58 Jahre alt wird und noch vor wenigen Monaten gegen alle Vorwürfe immun war, gehört heute fast schon zum guten Ton auf dem Finanzplatz Schweiz. «Wenn man nichts von diesen Papieren versteht, lässt man am besten die Finger davon», polterte Nicolas Pictet vom gleichnamigen Genfer Ins-titut vor den Medien. Ulrich Grete, bis vor Kurzem für den AHV-Fonds zuständig und ein ehemaliger UBS-Spitzenmanager, sagte dem «Tages-Anzeiger»: «Aus schweizerischer Sicht ist es hochpeinlich, dass eine bisher hervorragend wirtschaftende Grossbank in eine derartige Krise hineinmarschiert ist.»
Anekdoten aus hitzigen UBS-Verwaltungsrats-Sitzungen machen in Zürcher Finanzkreisen die Runde. Multimilliardär und Spitzensegler Ernesto Bertarelli soll mit dem Grossbank-Präsidenten hart ins Gericht gegangen sein. Wann er seinen Risk-Officer zum letzten Mal getroffen habe, wollte Bertarelli von Ospel offenbar wissen. Fiat-Chef Sergio Marchionne, ebenfalls UBS-Verwaltungsrat, soll nach einem Schlagabtausch anerkennend zu Bertarelli gesagt haben: «You’re a pain in the ass!» Dass Bertarelli Ospel zusetzt, scheint nicht abwegig. Nach dem Verkauf seines Familienunternehmens Serono im Herbst 2006 dürfte der Genfer einen Teil des Milliardenerlöses in UBS-Anlagevehikel investiert haben, umgekehrt sponsert die Grossbank das Alinghi-Segelteam mit Millionenbeträgen.
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