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Seite 1 von 2 von Patrik Etschmayer
Wenn von den grossen Gefahren für die Weltwirtschaft die Rede ist, wird die
Schuldenkrise in den USA meist nur nebenbei erwähnt. Dabei geht es nicht um die
extreme Staatsverschuldung oder das Aussenhandelsdefizit der Staaten, sondern im
Speziellen um die Verschuldung der Bevölkerung durch Kreditkarten.
Diese Schulden betragen in den USA pro Haushalt ca. 10'000 Dollar, und häufen
sich im gesamten auf die beängstigende Summe von 880 Milliarden Dollar auf.
Dabei handelt es sich nicht nur um hedonistische Konsumausgaben. Seit in den USA
der Sozialabbau betrieben wird, um die Staatsverschuldung zu limitieren (während
die Militärausgaben ständig steigen), müssen immer mehr US-Bürger zum Beispiel
ihre medizinische Versorgung durch Verschuldung finanzieren. Aktuelle
Schätzungen gehen davon aus, das 40 Prozent der US-Bürger jedes Jahr mehr
ausgeben als sie verdienen.
Die Zahlen sind eindeutig, doch die Bankenindustrie hat noch lange nicht
genug. Wer je in den USA war und einen Briefkasten leerte, sah sich garantiert
schon mit fertig ausgefüllten Kreditkarten konfrontiert, mit denen man
eigentlich sofort einkaufen gehen könnte. Was hier vor einigen Monaten fast
einen Skandal verursachte, ist in den USA tägliche Praxis. Pro Jahr werden in
den Staaten etwa vier Milliarden Kreditkarten-Angebote versendet... ca. 12 Stück
für jeden Bewohner der USA vom Säugling bis zum Greis... illegale Einwanderer
mit eingeschlossen.
Es ist klar, dass hier eine riesige Zeitbombe tickt, welche die US-Wirtschaft
und damit zusammen die Weltwirtschaft in den Abgrund reissen könnte. Genau so,
wie bereits die Immobilien-Krise einige Banken fast ins Verderben riss. Es fragt
sich also: Wo bleibt die Politik, welche hier endlich einen Riegel schiebt, hier
endlich die Banken in die Schranken weist?
Dass von Präsident Bush nichts zu erwarten war und ist, sollte jedem klar
sein. In der Tat hat die US-Regierung 2005 ein neues Konkurs-Gesetz erlassen,
dass eigentlich nur dafür gemacht wurde, um die Banken vor ihren eigenen
fahrlässigen Kreditpraktiken zu schützen, indem selbst nach eingereichtem
Konkurs die meisten Kreditkarten-Schulden noch abgezahlt werden müssen.
Dieses von allen Konsumentenorganisationen hart bekämpfte Gesetz wurde von
Bush seit 2001 gefördert. Ob es wohl ein Zufall war, dass damals Bushs grösster
Wahlkampfspender der Kreditkartenriese MBNA gewesen ist? Wohl kaum. Denn wer den
Wahlkampf finanziert, der bestimmt auch die Politik jener mit, die ihre Kampagne
finanziert bekommen haben.
Und es soll niemand sagen, dass sich die Banken nicht den Zeiten anpassen
können. Nachdem George W. Bush sein Möglichstes getan hat, um als schlechtester
Präsident aller Zeiten in die Geschichte einzugehen und die Republikaner
ziemlich übel da stehen, glänzen nun die Demokraten mit Spendenrekorden.
Dabei handelt es sich nicht nur um die Spenden des berühmten kleinen Mannes,
sondern vor allem auch um Banken und Grossunternehmen, die ihren Einfluss auch
unter einem demokratischen Präsidenten oder einer solchen Präsidentin sichern
wollen.
So ist es denn kein Zufall, dass die Wahlkampfkassen sowohl von Hillary
Clinton, als auch ihrem grossen Gegner Barack Obama üppig mit Geldern aus dem
Finanzsektor unterfüttert sind. Die Resultate aus diesem selektiven Sponsoring
sind vor allem NICHT sichtbar. Weder bei der einstigen Kreditgesetz-Kritikerin
Clinton noch bei Obama, der auf soziales Gewissen macht, finden sich
irgendwelche grosse Punkte zum Thema Kreditkarten-Schulden und der ganzen damit
einhergehenden Problematik.
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