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Seite 1 von 3 von Justus Bender und Maren SoehringDie Intuition wird gern unterschätzt. Der Psychologe Gerd Gigerenzer möchte das ändern. Er sagt: Wir entscheiden oft besser, wenn wir weniger wissen. Aber können wir unserem Gefühl wirklich vertrauen?
ZEIT Campus: Guten Morgen, Professor Gigerenzer, wie stehen eigentlich Ihre Aktien? Gerd Gigerenzer: Meine Aktien? ZEIT Campus: Sie haben doch 50 000 Euro in riskante Internetaktien investiert – um Ihre Theorie über die Intuition zu beweisen. Gigerenzer: Richtig, das war das lukrativste Experiment meines Lebens. Meine Kollegen und ich hatten eine Liste mit 300 Internetaktien. Damit gingen wir in München auf die Straße und fragten 180 Passanten, von welchen Unternehmen sie schon einmal gehört hätten. Von den zehn bekanntesten Firmen kaufte ich Aktien. ZEIT Campus: Und? Gigerenzer: Der Wert meines Portfolios stieg in einem halben Jahr um 47 Prozent. Er lag weit über der Entwicklung des Marktes und der großen Investmentfonds. Dabei sagten die meisten Passanten, dass sie sich mit Aktien überhaupt nicht auskennen. ZEIT Campus: Ein Glückstreffer also? Gigerenzer: Keineswegs. Wir haben das Experiment einige Male wiederholt und mehrere Portfolios mit der gleichen Methode zusammengestellt. Sie haben alle ebenso gute Ergebnisse erzielt wie die großen Fondsgesellschaften. ZEIT Campus: Das Bauchgefühl von Passanten schlägt das Fachwissen der Finanzexperten. Wie kann das sein? Gigerenzer: Viele Investmentbanker wissen zu viel. Sie schaffen es nicht, aus der Fülle an Informationen die relevanten herauszufiltern. Hat ein Laie die Wahl zwischen zwei Aktien, liegt seine Erfolgsquote bei 50 Prozent: Er entscheidet zufällig und ohne nachzudenken. Finanzberater hingegen kamen in einer schwedischen Studie nur auf 40 Prozent. Das heißt: Sie entschieden im Schnitt schlechter als der Zufall. Unsere Passanten wussten wenig genug, um intuitiv zwischen den starken und schwachen Unternehmen zu unterscheiden. Sie haben unbewusst richtig gelegen. ZEIT Campus: Aber für eine gute Entscheidung braucht man auch Verstand, oder nicht? Gigerenzer: Ja, und den Mut, sich selbst zu vertrauen. Bildlich gesprochen geht es um ein Dreieck aus Kopf, Bauch und Herz. Sagen wir, das Dreieck symbolisiert den menschlichen Willen, dann gibt es zwei wichtige Faktoren, die ihn bestimmen können: Ratio oder Intuition. Und der Mut hilft uns, zwischen beiden den richtigen Weg zu wählen.
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