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Montag, 3. November 2008
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Teure Überzeugungen
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Es kann durchaus sein, dass die Börsen, ob Aktien-, Devisen- oder Rohstoffmärkte, die Phase der brutalsten Volatilität nun hinter sich haben. Das ist fein. Nicht, dass nun ab sofort ein klar vorzeichenbares Szenario den Weg weisen würde. Aber viel mehr als zuletzt ist an Schwankungsbreite halt kaum vorstellbar.


Aber: Damit ist die Zeit potenzieller Riesenverluste keineswegs vorüber. Vielmehr vermute ich, dass die größten Verluste für die meisten Anleger noch kommen werden. Das ist schlecht.

Dabei meine ich keineswegs, dass die Kurse nun zwingend neue Tiefs erreichen müssten. Auch nicht, dass die Bären nun zu Brei gehauen würden. Schlicht, weil ich es nicht weiß. Ich habe keinen blassen Schimmer, ob wir nun neue Tiefs ausloten ... ob wir nun den Sockel einer V-Formation ausbilden ... ob wir im Zuge einer W-Formation noch mal die bisherigen Tiefs testen und dann befreit nach oben wegfedern ... oder einen Seitwärtstrend etablieren werden, in dem mehr oder weniger extreme, plötzliche Schwankungen den Akteuren ein ums andere Mal das Geld aus der Tasche ziehen. Ich weiß es nicht ... und ich schäme mich dessen nicht einmal. Denn nur, weil ich einen Börsenbrief schreibe, muss ich nicht zwingend hellsehen können. Falsche Fakultät. Ich muss die Lage einschätzen, bewerten, Risiken einstufen und Gelegenheiten nutzen können. Aber nicht hellsehen. Aber eben dies müsste man meiner Ansicht nach schon mindestens können, um jetzt mit vollen Segeln und vollem Depot unterwegs zu sein, denn:

Die Rahmenbedingungen im Novembernebel

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind klar negativ, keine Frage. Aber die Rettungspakete der Regierungen beginnen erste, zaghafte Erfolge zu zeitigen. Die Geldmarktzinsen entspannen sich ein wenig. Auf Dauer? Unklar. Wie weit? Kann man nicht abschätzen. Erst recht nicht, wie sich die Konjunkturpakete, die gerade erst geschnürt werden, auswirken könnten und werden. Und selbst angenommen, man könnte es: Wie stark würde dies dann die Konjunktur stützen, d.h. wie viel weniger als fatal würde dadurch die begonnene Rezessionsphase ausfallen ... wie tief werden die Einschnitte im Konsum, im Arbeitsmarkt, in der Industrie, der Dienstleistung, dem Kreditmarkt sein? Wie deutlich würden die Fußabdrücke der Anleger auf den verlängerten Rücken der Aktiengesellschaften ausfallen?

Davon mal abgesehen beeinflussen die Kursbewegungen der Währungen und Rohstoffe, aber letztlich auch die des Aktienmarktes die kommende Entwicklung der Gesamtlage ja selbst ebenfalls. Und dann ... wäre da ja auch noch die US-Wahl.

Nur, weil Obama einen recht markanten Umfragevorsprung hat, heißt das noch lange nicht, dass er die Wahl wirklich gewinnt. Für hinreichend Spannung werden da schon die einzelne Wertung der 50 US-Staaten und das Rundungsproblem aufgrund des Wahlmänner-Systems sorgen. Und selbst wenn: Nachdem wir nun allgemein hören, dass sich die Marktteilnehmer nunmehr auf einen Sieg Obamas hin an den Börsen positioniert haben ... müssten wir nur noch wissen, in welche Richtung! Wurde durch diese Positionierungen die Rallye gebremst ... oder der Kurseinbruch aufgehalten? Und selbst wenn man es wüsste: Kommt dann nicht danach das Gegenteil zum tragen, nach dem Motto „buy the rumour, sell the fact?“ Und sind das nicht auch nur sehr kurzfristige Positionierungen ohne mittelfristige Relevanz? Immerhin ist die Amtsübernahme des neuen Präsidenten erst im Januar, es steht noch kein Kabinett fest und die Ziele, die nun im Wahlkampf verbreitet wurden, müssen ja erst mal auch wirklich angegangen werden, anstatt prompt nach der Wahl auf dem blutigen Altar der Sachzwänge geopfert zu werden. Sprich: Vielleicht wissen wir Mittwoch früh, wer neuer US-Präsident wird. Aber wir wissen dann noch nicht, was das bringen wird.



 
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