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Mittwoch, 7. Januar 2009 |
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Für diejenigen, die mich noch nicht so lange kennen: Ich
bin KEIN Dauerbulle. Im Gegenteil. Ich war der „Perma-Bär“ 2007, der
gegen alle Anfeindungen vor einem „Dicken Ende“ der Aktienhausse
warnte. Und darüber hinaus rufe ich mit dieser Kolumne keine Trendwende
nach oben aus. Dies sei für diejenigen noch einmal betont, die in
solchen Artikeln immer nur das herauslesen, was sie lesen wollen. Ich
denke durchaus, dass die Aktienmärkte noch neue Tiefs erreichen, wie
tief es auch immer gehen mag. Da ist allerhand Potenzial vorhanden. Ich
will nur aufzeigen, dass ich mir sehr wohl vorstellen kann, dass die
simple Rechnung „Konjunktur, Aktien, Rohstoffe bis Sommer runter und
dann gemeinsam wieder rauf“ sehr leicht daneben gehen kann. Und dadurch
all diejenigen, die nun gemütlich auf ihren Puts sitzen und gar nicht
daran denken, hier Stopps einzuziehen oder gar zeitweise
Gegenbewegungen mitzunehmen, erst dann recht bekommen könnten, wenn
ihre Puts bereits ausgeknockt oder wertlos verfallen sind. KÖNNTEN! Ob
es so kommt, bedarf nun einmal intensiver Beobachtung der Märkte.
Billiger bekommen Sie Gewinne momentan nun einmal nicht! Oder doch?
Kommt
es so? Oder anders? Wer weiß! Da auch die Börsen immer nur einen Fuß
vor den anderen setzen und zu keiner Zeit, auch nicht in friedlichen
Phasen, erkennbar ist, wo die nächste, genickbrechende Fallgrube
lauert, neigen gerade in diesen Tagen viele dazu, sich guten alten
Statistiken zuzuwenden, die ihnen ein klares Bild der Zukunft herbei
zaubern sollen. Dabei sind die Ankerpunkte der Beobachtungen derart
hoch wissenschaftlich, dass ich mir nicht verkneifen kann, sie Ihnen
näher zu bringen. Vielleicht finden Sie ja eine Statistik, die Ihnen
zusagt? Immerhin spart man sich dann die permanente Wachsamkeit, das
Nachdenken, hinterfragen. Sie können sich, wenn Sie sich die Ihnen am
meisten zusagende Faustregel ausgesucht haben, gelassen zurücklehnen.
Die Totalverluste werden Ihnen dann ohne jeden Aufwand ihrerseits
präsentiert. Ganz bestimmt!
Das Orakel Ihres Vertrauens
Allseits
beliebt und immer wieder gerne genommen ist hierbei der sogenannte
Superbowl-Indikator. Eine Statistik besagt, dass die Aktienmärkte in
ca. 80% der Fälle ein positives Jahr hatten, wenn ein Team der National
Football Conference NFC den Superbowl gewann und ein schlechtes, wenn
ein Team der American Football Conference AFC den Sieg davon trug. Am
1. Februar ist das Spiel ... wir dürfen gespannt sein. Gut, letztes
Jahr lag der Indikator mal daneben. Die New York Giants haben nämlich
den Superbowl gewonnen. . Die Giants gehören zur NFC – also hätte 2008
ein schönes Börsenjahr werden sollen. Na ja. Aber immerhin –
Trefferquote 80%! Und wenn Sie diese Statistik klug aufbauen, indem Sie
einfach den Zeitraum mit der höchsten Trefferquote heraussuchen,
vielleicht wird die Quote sogar noch höher, haha.
Aber damit
nicht genug, da ist noch mehr. Ganz aktuell ist der 10-Tage-Indikator.
Die Schamanen sagen nämlich, dass sich das Börsenjahr so entwickeln wird,
wie die ersten zehn Tage des Jahres ablaufen. Tja ... dumm nur, dass
man sich da nicht einig ist, ob man da die ersten zehn Kalendertage
oder die ersten zehn Handelstage hernehmen muss. Sei’s drum, ich hatte
vor einem Jahr mal nachgesehen, wie oft der 10 Tage-Indikator in den
letzten 20 Jahren zutraf. Unterteilt nach Kalender- und Handelstagen
traf dieser Indikator einmal in 60% und einmal in 65% der Fälle zu
(2008 nun inklusive). Hm. Ist das eine Basis, um einfach per Mitte
Januar einen Call oder aber einen Put zu kaufen und darauf sitzen zu
bleiben? Und was, wenn der 10 Tage-Indikator dem Superbowl-Indikator
widersprechen wird? Kein Problem, dann nimmt man einfach einen dritten
Indikator als Schiedsrichter. Hier hätte ich noch zu bieten:
Den
Boston Snow-Indikator. Er sagt aus: Wenn an Weihnachten in Boston
Schnee liegt, wird das folgende Jahr für die Aktienmärkte ein Gutes.
Ich meine, im Nordosten lag Weihnachten reichlich Schnee. Oder:
Der Lipstick-Indikator: Er sagt aus, dass eine Rezession droht, wenn die Verbraucher vermehrt zu billigeren Lippenstiften greifen. Ist das so? Ich nutze Lippestifte einfach zu wenig. Oder:
Der Minirock-Indikator: In einem Jahr, in dem kurze Röcke Mode sind, pflegen die Kurse
zu steigen. Sind längere Röcke Mode, ist das meist ein schlechtes
Börsenjahr. Ich prüfte heute im aktuellen Versandhauskatalog. Beides
reichlich zu haben. Verwirrend.
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