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Mittwoch, 7. Januar 2009
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Orakelmania im Treibsand
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Konjunktur und Börsen im Gleichlauf? Ich zweifle ...


Die Standardprophezeiung hierzu lautet, dass die Konjunktur irgendwann in der zweiten Hälfte 2009 ihren Boden finden und wieder langsam wachsen wird. Neben dem „verbraten“ der zum Jahresultimo im Zuge des Window Dressing ungewöhnlich stark angeschwollenen Cashbestände bei den institutionellen Anlegern ein weiterer Grund, der den Aktien und Rohstoffen zu einem guten Start ins Jahr verholfen hat. Denn der findige Schlauberger erinnert sich nun, dass doch die Aktienmärkte immer ein halbes bis dreiviertel Jahr vor einer konjunkturellen Wende wieder anziehen (oder vor einer Rezession fallen). Sagt die Faustregel. Und solche Faustregeln sind eine feine Sache, weil man sich das Nachdenken spart ... und das wird gerne angenommen. Selbst in dieser extrem ungewöhnlichen Situation könnte man bei manchen Auguren meinen, denken mache dick. Denn immerhin traf diese Regel in den letzten Fällen nicht zu. Denken Sie nur an den Herbst 2007: Die Signale waren mächtig, doch die Ignoranz war mächtiger.

Nein, ich glaube nicht, dass dieses Szenario so eintrifft. Ich meine zwar, dass die immense Intensität des Abstiegs dahingehend positiv ist, dass Politiker und Unternehmenslenker ernsthafter und konsequenter Maßnahmen ergreifen, als sie es bei einer normalen Rezession täten, in denen aufgrund des seichten Niedergangs meist der Ernst der Lage verkannt wird und nötige Maßnahmen verschleppt werden. Ich meine aber auch, dass die Eigendynamik dieses Abschwungs so intensiv ist, dass diese Maßnahmen zunächst nur dazu taugen, die Fallgeschwindigkeit der Konjunktur zu lindern, nicht aber, sie zu stoppen. Dass wir im dritten oder vierten Quartal 2009 bereits wieder Wachstum sehen werden, halte ich auf Basis dessen, was wir heute wissen, für illusorisch. Aber:

Das bedeutet keineswegs, dass die Aktien und Rohstoffe bis dahin einfach nonstop weiter fallen und die Staatsanleihen im Kurs weiter steigen, sprich deren Renditen immer weiter in die Richtung laufen, die Sie auf dem Sparbuch als Zinsen bekommen. Der Crash am Aktien- und Rohstoffmarkt hat bereits über ein Jahr Rezession vorweg genommen. Natürlich waren die Kurse zuvor in Anbetracht der Lage zu hoch, ich habe mir dazu monatelang den Mund fusselig geredet (und kaum einer wollte mir glauben). Nun aber meine ich, dass die Kurse in vielen (nicht in allen) Bereichen mit Blick auf die Lage zu tief stehen. Die Konjunktur säuft zügig, aber nicht senkrecht ab, keine Frage. Die Kurse aber waren senkrecht gefallen. Um wieder zueinander zu finden, müssten Rohstoffe und Aktien sich entweder erholen oder aber auf der Stelle treten, bis die Konjunktur sie im Zuge ihres Abstiegs einholt.

Sentiment: Jetzt mit extra viel Bär!

Dieses Bild einer Annäherung sehen wir nun bereits seit Ende November. Die Frage ist nun, wie es weitergeht. Ist nach oben noch was drin? Ich meine ja. (Hinweis: Meinen heißt nicht wissen). Und zwar dann, wenn die Aktien nun die anstehenden Quartalsbilanzen und Konjunkturdaten, die allesamt grauenvoll sein werden, ohne einen echten, neuen Baisseimpuls überstehen. Das halte ich deshalb zumindest für denkbar, weil nun mittlerweile jeder den Ernst der Lage kapiert hat. Sogar Bankanalysten tönen aktuell mehrheitlich in Moll. Und das will wirklich was heißen.

Die Stimmung ist dermaßen einheitlich bearish, dass man sich schlicht fragen muss, woher die großen Verkäufe kommen könnten, um die Rohstoffe und Aktien wirklich noch massiv unter Druck zu setzen. Zumindest auf Sicht der kommenden Wochen. Hinzu kommt der sehr hohe Barbestand der Institutionellen einerseits und die Blase der Anleihen andererseits. Es muss gar nicht mal eine bullishe Stimmung aufkommen, um zu bewirken, dass sich die Erholung fortsetzt. Es würde reichen, wenn kein neuer, großer Impuls nach unten auftritt. Dann würden immer mehr große Adressen gezwungen, ihr Kapital einzusetzen, immer mehr Unentwegte müssten ihre Baissepositionen eindecken und immer mehr Anleger würden aus dem Anleihemarkt fliehen und nach anderen Anlagemöglichkeiten suchen.



 
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