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Meine Nicht-Prognose 2009 |
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Dienstag, 30. Dezember 2008 |
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Seite 1 von 4 Schon komisch, das. Manch einem meiner Kollegen möchte ich zum
Jahresende kameradschaftlich die Hand reichen, aber kaum jemand vermag
einzuschlagen. Die einen haben keine Hand frei, weil sie beide
brauchen, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen und ihre
angebliche Weitsicht und grandiosen Erfolge allen mitzuteilen, die es
bislang nicht interessierte. Andere wiederum haben sich im
Jahresverlauf nicht als Kollegen, sondern als Scharlatane entpuppt und
benötigen alle Hände, um Leute zu verklagen, die sich öffentlich
darüber äußern, welche Verluste sie mit diesen unfehlbaren
Börsenlegenden erlitten haben. Bitte ... dann eben nicht.
Da ich niemand über den Tisch gezogen habe und meine Performance
(bezogen nicht auf die einzelnen Trades, wie man es allgemein tut um
nach „mehr“ auszusehen, sondern ebenso wie z.B. bei einem Fonds auf das
gesamte Vermögen) jeden Freitag aktualisiert auf meiner Internetseite
für jedermann einsehbar ist, schüttle ich mir kurz selbst die Hand,
greife zur Kaffeetasse, kratze mich am Kopf und nutze die gewonnene
Zeit, um zu überlegen, ob ich nicht auch mal was vorhersagen soll. Es
passt doch gerade so nett.
Also zunächst einmal weissage ich,
dass erneut 90% aller Prognosen daneben liegen werden.
Standard-Weissagung ist momentan ein weiterer Abstieg der Aktienmärkte
im ersten Halbjahr, danach Wende nach oben und dezenter Anstieg. Öl
runter auf 20, 10 oder umsonst, je nach Grad des Fiebers, das das
Orakel erwischt hat, Gold auf 1.000, 1.500 oder mehr (nach belieben und
zum aussuchen) und bei Euro/Dollar ein konsequentes „weiß nicht“. Ich
prophezeie hiermit, dass es anders kommt. Gut, gell? Damit habe ich
schon mal die Wahrscheinlichkeit auf meiner Seite.
Über die schiere Blödsinnigkeit von Prognosen
Aber
Spaß beiseite, Sie wissen, was ich von Prognosen halte. Die Börse ist
ein extrem vielschichtiges Spiel, bei dem jedes einzelne Asset von den
anderen abhängig ist. Ein Spiel, bei dem darüber hinaus externe
Faktoren wie Konjunkturentwicklung, Leitzinsen, politische Lage, die
Konsumentenstimmung, firmeninterne Veränderungen, ja sogar das Wetter
nicht vorhersehbare Impulse generieren. Hinzu kommt das entscheidende
Element der Stimmung unter den Investoren, befeuert durch Emotionen wie
Gier, Angst oder Verunsicherung ... und das ist ein Element, das sehr
instabil ist und das fragile Gleichgewicht zwischen Käufern und
Verkäufern bisweilen nur Stunden, bisweilen aber auch für Wochen
verändern kann, sodass auch völlig irrational anmutende Kursbewegungen
erstaunlich lange vorhalten können. Ich meine:
Millionen
Menschen weltweit, ob kleine Anleger mit ein paar Tausend Euro oder
Fondsmanager, die Milliarden verwalten, entscheiden jeden Tag aufs
Neue, was zu tun ist. Nicht zuletzt davon beeinflusst, was seit dem
Vortag passiert ist. Und diese ihre Entscheidungen bewirken erneut
Kursbewegungen, die selbst wiederum neue Fakten schaffen und andere
Akteure zum Handeln bringen. Selbst wenn man in die Köpfe all dieser
Marktteilnehmer auf einmal blicken könnte, man würde dort keine
Entscheidungen entdecken können, die über den Moment hinausgehen. Denn
alle ticken so wie Sie und ich: Wir alle müssen und wollen erst einmal
sehen, was Sache ist, bevor wir eine Transaktion durchführen. Und genau
diese der Entscheidung zugrunde liegende Lage unterliegt permanenter
Veränderung. Was dazu führt, dass niemand mit einer einigermaßen
tauglichen Trefferquote vorhersagen kann, wo der Dax, das Gold, der
Euro/Dollar-Kurs oder der Ölpreis heute in einer Woche steht. Aber die
Entwicklung bis Ende 2009, die soll man vorhersagen können? Meine Güte!
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