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Die satanische Frage (Teil II) |
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Dienstag, 8. April 2008 |
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Ein zweiter Aspekt ist, dass Chinesen und Inder im Gegensatz zu den überwältigenden Mehrheit der Amerikaner das Elend sehr wohl kennen ... und auch die Risiken, dort wieder zu landen. Nehmen wir mal die kleine spielsüchtige Gruppe der Neu-Börsianer in Bombay, Shenzen und Shanghai aus. Der Rest wird ähnlich auf dem Teppich bleiben wie wir Europäer in den 50er und 60er Jahren. Man wird sparen, vorsichtig bleiben und die kleinen Schritte genießen ... aber sicherlich nicht, wie sich manch ein US-Analyst das vorstellt, wie wild Kredite aufnehmen, um alles sofort und doppelt und dreifach zu bekommen, was die neue Welt ihm an Segnungen bietet. Zumal ich einfach mal behaupte:
Der Anteil der Menschen, die sich in diesen Regionen vor einer Anschaffung fragen, warum sie das tun wollen und ob der Nutzen hoch genug ist, um sie zu rechtfertigen, liegt wohl noch lange Zeit höher als in den USA oder bei uns. Was manch einer nicht bedenkt ist: Der Reichtum ist neu ... aber Weisheit, Bildung und Verstand sind in Asien zu Hause. Ob man das von den USA – nur in ihrer Gesamtheit natürlich – ebenso behaupten kann?
Asien ist keine Insel
Dennoch, zweifellos wird der Absatz an Konsumgütern in dieser Region wachsen, keine Frage. Aber nicht in dem erhofften Ausmaß ... und es gibt zudem eben trotz des schwachen Dollars nicht die Tendenz, die USA als Lieferanten besonders zu bevorzugen. Aber es gibt andererseits noch drei weitere Aspekte, welche die Suppe böse versalzen können und die momentan einfach nicht diskutiert werden:
Warum boomt Asien? Weil sie Waren oder Dienstleistungen herstellen, die in Europa und den USA reißenden Absatz finden. Davon profitieren europäische und US-Unternehmen, die in Asien produzieren oder beraten, aber vor allem die dortigen Firmen. Viele Menschen finden dadurch qualifiziertere und besser bezahlte Arbeit ... und können sich dadurch mehr leisten. Schön. Aber:
Was früher in diesen Ländern nicht hergestellt wurde und teilweise nicht einmal frei zu kaufen war, wird dort nun hergestellt. Aber eben keineswegs nur von europäischen und US-Unternehmen, die dort operieren. Ob Elektronik oder Automobile, die dortigen Marken wachsen, verbessern sich und machen den „alten Marken“ der Industriestaaten zusehends harte Konkurrenz. Nicht nur dort, auch in Europa und den USA. Haken Nummer 1 ist also: Auch, wenn die Bürger dort immer mehr konsumieren ... es kann sein, dass Europa und die USA in den nächsten Jahren weniger davon profitieren als sie sich erhoffen.
Der zweite, volkswirtschaftlich eigentlich simpel auf der Hand liegende, potenzielle Haken ist die Basis all dessen. Richtig ist zwar, dass der Binnenkonsum in den Boomstaaten zügig steigt. Aber die Basis und das Rückgrat des Aufstiegs war ja der rapide steigende Absatz von Gütern in die USA.
Doch dort klemmt die Nachfrage jetzt und der schwache Dollar erschwert gewinnbringende Exporte aus Asien in die USA zusätzlich. So, und jetzt muss man sich überlegen: Kann die Binnennachfrage einen Rückgang der US-Exporte ausbügeln? Möglich. Aber um weiteres Wachstum im Konsum in China oder Indien zu erzielen, müsste diese Binnennachfrage diese Einbußen ja klar überkompensieren. Kann sie das?
Das ist eben fraglich, denn das steigende Einkommen der Konsumenten ist eben genau davon abhängig – dass der Absatz dieser Unternehmen wächst. Wird nicht mehr verkauft, dann steigen die Gewinne nicht. Steigen die Gewinne nicht, steigen die Gehälter nicht. Steigen die Gehälter nicht, wird nicht mehr verkauft. Und der Kreis ist geschlossen.
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