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Die satanische Frage (Teil I) PDF Drucken E-Mail
Montag, 7. April 2008
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Die satanische Frage (Teil I)
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Ich fange mit der Ursache allen Übels, den USA an und werde mich im zweiten Teil morgen dann mit den Wechselwirkungen zu Europa und Asien befassen. Aber vorangehen muss die Lagebestimmung am Brandherd.

Sind die Grundvoraussetzungen für die Wende erfüllt?

Damit die Aktienmärkte wieder dauerhaft steigen können, müssen sich die Gewinnperspektiven für die Unternehmen verbessern. Sicherlich werden zeitweise auch höhere Kurs/Gewinn-Verhältnisse akzeptiert. Aber das geschieht nur in der festen Hoffnung, dass die Gewinne entsprechend „nachziehen“ werden. Wird diese Erwartung aber enttäuscht, sprich die Gewinne steigen nicht, werden die Aktienkurse bald wieder zurückfallen. Wenn wir nun also eine Trendwende erhoffen – und das übrigens beim Dow Jones gerade mal 10% unterhalb der bisherigen Allzeithochs, grotesk genug – müssen wir uns fragen, warum die Unternehmensgewinne wieder bzw. weiter steigen sollten. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten oder eine Kombination aus beiden:

Entweder die Umsätze steigen an, sprich man verkauft mehr seiner Waren, oder die Produktionskosten sinken, d.h. Arbeits- und Rohstoffkosten sinken. Optimal wäre natürlich, wenn beides geschähe. Ist das so?

Nein. Im Gegenteil, beide Bereiche sind momentan negativ. Zwar suggerieren die reinen Einzelhandelsdaten, dass der Konsum in den USA immer noch wächst. Aber diese Daten werden ja in Dollar gemessen. Berücksicht man die Preissteigerungen, sprich die Inflation, stellt man fest, dass die umgesetzte Gütermenge keineswegs wächst, sondern zuletzt sogar zu schrumpfen begann.

Was aber nicht zur Schlussfolgerung führen kann, dass steigende Preise gleich steigende Gewinnmargen für die Unternehmen sind, denn die Steigerung der Lohnkosten, die immer noch zwischen 3,5 und 4% liegt und die zugleich weit stärker anziehenden Rohstoffpreise sind ja mit der Grund, weshalb die Preise der Güter steigen.

(Nebenbei bemerkt: Ich stopfe hier ausnahmsweise nicht noch zusätzlich die entsprechenden Grafiken mit hinein, sonst wird es zu lang. Die Belege meiner Aussagen zu einzelnen Konjunkturdaten können Sie ja problemlos unter www.markt-daten.de oder www.economagic.com und vergleichbaren Informationsseiten finden.)

So betrachtet ist also die Erwartung auf weiter steigende Unternehmensgewinne ziemlich ambitioniert. Doch nun hofft man auf zwei Aspekte, um diesen Kreis zu durchbrechen. Zum einen der Export in die riesige Boomregion Asien, zum anderen, dass sich die US-Bürger einfach noch weiter verschulden. Zuerst zum zweiten Punkt:

Mehr „Fun“ ... ganz mit ohne Geld?

Lag die US-Sparquote in den 90er Jahren noch im Schnitt um 4-5%, liegt sie seit mehreren Jahren bei Null, war öfter sogar negativ. D.h. die US-Bürger geben sowieso schon seit Jahren mehr aus als sie haben und verfügen über ungewöhnlich niedrige Reserven. Wäre das anders, wäre die Kreditaufnahme nicht stetig weiter gestiegen. In 2007 ist die Verschuldung pro Nase, ob Neugeborgenes oder 100jähriger Greis, in den USA um ca. 500 Dollar weiter gestiegen. Nur in 2007 – und obwohl es seit August an den Kreditmärkten ungemütlich wurde. Zugleich ist das Realeinkommen – d.h. Lohnsteigerungen abzüglich Inflationsrate – in 2007 gefallen. Und das, obwohl die dazu herangezogenen offiziellen US-Inflationsdaten nun wirklich nicht zu hoch angesetzt sind.

Aus der Substanz kann also nichts mehr kommen. Soll der Konsum also anspringen, dann nur, indem die Schuldenlast noch erhöht wird. Aber: Wer nimmt denn ausgerechnet jetzt neue Kredite auf, ohne die alten los zu sein (denn das wäre ja erforderlich), wenn die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung so hoch ist wie seit Jahren nicht?

Um das Gefühl der Bürger zu messen, sind Aktienkurse wenig geeignet. 90% der Menschen haben damit nichts zu tun. Und viele derer, vor allem natürlich die ganz großen Adressen, die heute die Aktien nach oben pushen, haben keinen blassen Schimmer, welche Probleme der normale Bürger hat, über die Runden zu kommen. Da bieten die Daten zur Verbraucherstimmung ein besseren Anhalt. Und da stehen wir – von einem einzelnen Monat in 2003 abgesehen – auf dem tiefsten Stand seit ca. 15 Jahren.



 
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