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Die satanische Frage (Teil I) PDF Drucken E-Mail
Montag, 7. April 2008
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Die satanische Frage (Teil I)
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Diejenigen, um die es mir heute und morgen geht, wollen, dass Sie sich keine Sorgen machen, sondern weiter Ihr Geld an den Börsen investieren. Sie sollen darüber hinaus Dinge kaufen, die Sie nur brauchen, wenn man Ihnen vorher eingeimpft hat, dass es so ist (oder einfach, weil ihr Nachbar es vor Ihnen haben könnte). Und Sie sollen gefälligst die einmalige Chance nutzen, sich endlich einmal etwas jetzt zu gönnen und dann zu winzigen Zinsen später bequem zurück zu zahlen. Man will doch nur – uneigennützig, selbst die Krawatten sind geliehen – nur ihr Bestes. Und es gilt, durch das Trommelfeuer an wichtig klingenden Sprüchen, zu verhindern, dass die Ameisen der Menschheit (also die Minderheit von 99,9%) die satanische Frage stellt: „Warum?“

Aktienmarkt vollzieht die Trendwende? Warum?

Ich habe am Montag damit begonnen, für meinen Börsendienst wieder Puts einzusammeln, nachdem die Mehrzahl der anderen Anleger seit mehreren Wochen fleißig Aktien einsammelt, um die große Wende nicht zu verpassen.

Jede einzelne Gegenreaktion nach oben im Zuge von Abwärtstrends basiert genau darauf: Auf der Hoffnung, nun werde alles zügig wieder so wie vorher. Sprich rosa. In den meisten Fällen geht das daneben und der Abwärtstrend setzt sich fort. Ein einziges Mal nur – wenn eben der Trend wirklich bricht – haut das hin. Und das meist dann, wenn man so oft „daneben gehofft“ hat, dass die resignierte Mehrheit dann nicht dabei ist. Von einem solchen Szenario sind wir noch meilenweit entfernt. Die letztwöchigen Erhebungen von cognitrend auf Bloomberg zeigten den zweithöchsten Anteil an Bullen in den letzten 12 Monaten. Und ein anderer Stimmungs-Messdienst sieht die Börsen nun schon in der zweiten Aufschwungphase. Wenn man glaubt, dass wir nun ganz unmittelbar vor einer neuen Phase starken Gewinnwachstums der Unternehmen stehen, sollte man sich natürlich nun sputen, auch noch schnell auf den Zug aufzuspringen. Stehen wir?

Nicht wenige glauben genau das. Und damit handeln sie nach dem Motto „wenn man einer Gefahr gelassen genug gegenüber tritt, bekommt die Gefahr angst und läuft davon“. In früheren Jahrtausenden war diese Gruppe schon fast ausgestorben (z.B. weil sich solche Gefahren in Form von Schlangen, Tigern etc. manifestierte und nicht davonlief). Heute, die Phase 2000-2003 soll als Vorlage dienen, stirbt nur das deswegen eingesetzte Ersparte aus. Die menschlichen Protagonisten hingegen überleben und dürfen beim nächsten Mal erneut hereinfallen.

Ich will Ihnen meine Gründe dafür darlegen, warum ich nicht Calls kaufe und so der Masse hinterherlaufe, sondern davon ausgehe, dass die große Wende eben nicht unmittelbar vor der Tür steht, sondern sich viele Häuserblocks weiter versteckt. Es ist das Ergebnis einer simplen, bösen Frage: Warum?

Tja ... gute Frage

Warum soll denn - wenn überhaupt - nur eine ganz leichte und kurze Rezession kommen und dann gleich alles wieder im Lot sein? Warum hat man das 1991/92 und 2000-2003 auch erzählt, damals daneben gelegen und heute soll es wahr werden? Ich habe nur deshalb einiges von meinen Volkswirtschaftslehre-Vorlesungen mitbekommen, weil einige meiner Kommilitonen mich mit ihrem Geplauder dauernd geweckt hatten. Aber selbst dieses Wissen reicht leicht um festzustellen, dass hier wie eh und je das Anlegervolk in trügerischer Sicherheit gewogen werden soll, um so die eigenen Interessen schamlos durchsetzen zu können. Dazu werden Kurvenverläufe studiert, anhand der Charts Beispiele aus der Vergangenheit gesucht, mit schlauen Fachbegriffen kokettiert ... aber niemand scheint sich damit zu belasten, fernab von irgendwelchen Monatsdaten und Tabellen zu fragen: Was tut sich denn gerade da draußen in der Welt ... und was hat das zu bedeuten?

Ich habe nun genug Börsenjahre hinter mir um einzusehen, dass man den Endpunkt eines kurzfristigen Kursschubes – egal in welche Richtung - im Voraus nicht bestimmen kann. Daher kann ich keineswegs ermessen, ob das momentane Hoffnungsrennen der Aktienmärkte bereits diese Woche versickert oder erst gegen Ende des Monats. Auch, ob der Dax heute sein Zwischenhoch sah oder sogar bis 7.200 laufen wird – ich weiß es nicht. Daher beginne ich bereits jetzt, wieder erste Puts einzusammeln und setze dies fort, solange ich weiter feststelle, dass die Antwort auf ein „warum soll denn alles wieder im Lot sein?“ lautet: Tja. Gute Frage ....



 
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