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Die satanische Frage (Teil I) PDF Drucken E-Mail
Montag, 7. April 2008
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Die satanische Frage (Teil I)
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Im Mittelalter wurden Gottesdienste nur auf Latein zelebriert, eine Übersetzung der Bibel ins Deutsche gab es nicht. Nicht, dass es nicht möglich gewesen wäre. Aber die fremde Sprache schaffte Ehrfurcht, Distanz und verhinderte, dass man hätte überprüfen können, ob der Klerus einem nicht Unfug erzählt. Auf diese Weise brachte man die Gläubigen dazu, zu schlucken, was sie schlucken sollten. 

Kreuzzüge oder Ablasshandel waren Ausflüsse dieser Strategie ... und nicht nur sie. Heute, sollte man meinen, wäre dergleichen nicht mehr möglich. Schließlich sind wir gebildet, können uns leicht und schnell über alles informieren und können so ganz genau ermessen, was richtig ist und was nicht. Hört, hört.

Ich habe mich nun hingesetzt und werde Ihnen in zwei Teilen meine Sicht der wirtschaftlichen Lage darlegen weil ich Tag für Tag sehe, dass auch heutzutage spielend leicht Unsinn erzählt und geglaubt werden kann. Heute tragen die Unantastbaren Krawatte statt Talar und sprechen nicht Latein, sondern werfen mit Fachausdrücken um sich. Bailout, Subprime, Private Equity, BRIC, Mortgage Risk-Ratio, Discount Rate ... (mein Tipp für das Unwort 2008: Bailout). Aber das Ziel scheint das selbe: Wer die komischsten Ausdrücke kennt und imstande ist, in vorgeblichem Deutsch Dinge zu formulieren, die niemand versteht, muss sehr klug sein. Auf die Knie, Gesindel!

Hinterfragen? Zu anstrengend

Und was die hörende und nicht selten hörige Gemeinde angeht, sieht die Lage heute sogar schlimmer aus als von 500 und mehr Jahren. Denn damals konnte man schnell mal den Kopf verlieren, wenn man die falschen Fragen stellte – so man denn überhaupt wusste, was es zu fragen galt. Heute könnte man ... aber die Mehrheit sitzt trotz Internet und tonnenweise leicht verfügbarer Fachliteratur träge im Sessel und wirft das Ersparte von Jahrezehnten denen in den Rachen, welche die lautesten Sprüche klopfen oder am wichtigsten daherkommen.

Damals wusste man nicht, was man vielleicht gewollt hätte, weil man nicht einmal wusste, was man nicht wusste. Und die, die wollten, konnten nicht. Heute könnte jedermann ... aber nahezu jeder ist zu bequem dazu. Es ist zu anstrengend oder unbequem, heute oft genug die „satanische Frage“ zu stellen: „Warum?“

Auf der anderen Seite ist die moralische Verfassung dieser Welt in den letzten Jahrhunderten nicht gerade besser geworden. Scharlatane, Beutelschneider, Hochstapler gibt es heute genauso viele wie früher. Nur erreichen sie durch den technischen Fortschritt heute viel mehr Opfer. Die einen wollen nur Ihr Geld. Die anderen wollen zuerst Ihre Wählerstimme und dann Ihr Geld. Schön, dass manch Dinge sich nie ändern ...



 
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