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Wie viel heiße Luft muss noch raus? |
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Freitag, 17. Oktober 2008 |
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Seite 1 von 3 Zwei Wochen sind vergangen nach Verfassen meines jüngsten Artikels, in
dem ich mich mit der Instabilität des europäischen Finanzsystems
beschäftigt hatte. Dem auf dem Fuße folgenden, so schnell und heftig
nicht erwarteten „Fast-Zusammenbruch“ konnte ich nur aus der südlichen
Ferne mitverfolgen.
Die arabischen Ölförder-Emirate liegen im schweren Dunst abgefackelten
Öls, das nicht abgenommen wird. Vor Rotterdam liegt eine große Menge an
Öl-Tankern, deren Ladung nicht gelöscht werden kann, weil die Lager
voll sind. Und der Irak produziert am Limit seiner Möglichkeiten. Ich
komme darauf zurück.
Die mittlerweile in Europa geschnürten Rettungspakete für die
Finanzindustrie übersteigen das Volumen des amerikanischen
TARP-Programms um Längen. Allein in Deutschland sollen Mittel bereit
gestellt werden, die an dessen Volumen heran reichen. Und dabei kommt
das deutsche BIP lediglich auf rund ein Drittel des US-amerikanischen.
Dies legt nahe, dass die Finanz-Probleme in Europa wohl noch größer sind als in den USA. Und untermauert, nebenbei gesagt, die relative Stärke des Greenback gegen „unseren“ Brüsseler Bürokraten-Euro.
Die Assets des deutschen Bankensystems belaufen sich fast 8 Bill. Euro.
Wenn die Kreditmärkte weiter aus dem Ruder laufen und eine Rezession
Formen annimmt, ist es gut möglich, dass die vorgesehen Rettungsmittel
von bis zu 500 Mrd. Euro nicht reichen werden, um Bank-Insolvenzen zu
verhindern. Diese 6,25 Prozent an Hilfsmitteln, bezogen auf die Assets,
sind nicht viel, wenn man sich die weiter unten angestellten
Überlegungen zur „heißen Buchwert-Luft“ anschaut. Der Anteil des
deutschen am globalen BIP liegt bei gut sieben Prozent.
Nachdem man in Europa lange glauben wollte, dass man sich von
den USA abkoppeln könne, werden nun alle von der Wirklichkeit
eingeholt. Allerorten ist jetzt von Null-Wachstum bis leichter
Rezession die Rede. Meiner Meinung nach ist das so wenig zutreffend wie
die völlig überzogenen Wachstumsprognosen noch aus der ersten
Jahreshälfte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diejenigen, die sich
als Wirtschaftsweise oder sonst als kompetent in den Medien
produzieren, wirklich an das glauben, was sie sagen.
Nouriel Roubini, einer der wenigen Volkswirte, die die
eingetretene Entwicklung richtig vorhergesagt haben, sagte vor einigen
Tagen in einem Interview mit Bloomberg: „Wir werden von der Schwere der
Rezession und dem Volumen der Finanzverluste überrascht.“ Er geht davon
aus, dass die Rezession 18 bis 24 Monate dauern
wird. In deren Verlauf wird die US-Arbeitslosenquote von jetzt 6,1 auf
neun Prozent steigen. Die Hauspreise in den USA werden um weitere 15
Prozent fallen - per Juli sind sie im Vergleich zum Vorjahr schon um 16
Prozent gesunken. Und die Verluste der US-Finanzindustrie werden näher
bei drei Bill. Dollar als bei seiner ursprünglichen Schätzung von eins
bis zwei Bill. Dollar liegen, sagte er.
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