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Und der Böse ist: Der Spekulant! PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 10. Juni 2008
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Und der Böse ist: Der Spekulant!
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Ich hatte mal geschrieben, dass der Ölpreis so lange weiter steigen wird, bis er den Märkten richtig weh tut. Offenbar sind wir mittlerweile in dieser roten Zone angelangt.
 
Jetzt will Saudi Arabien eine Sondersitzung der OPEC einberufen, um etwas gegen die Preisspirale zu tun.

Ben Bernanke hat gestern darauf hingewiesen, dass die Fed langfristig nicht tatenlos zusehen werde, wie die hohen Energiepreise die Risken einer Inflation erhöhen. Seine Worte wurden in Richtung Zinserhöhungen interpretiert, vielleicht sogar noch in diesem Jahr (wahrscheinlich nach der US-Präsidentschaftswahl). Das stützte den Dollar und schwächte im gleichen Atemzug den Ölpreis.
 
Hier finden sich nun fundamentale Gesichtspunkte, die unter Umständen geeignet sind, die Ölpreisrally zu beenden. Steigende Zinsen in den USA werden dabei nicht nur den Dollar stützen, sondern auch das Wirtschaftswachstum in den USA schwächen. Ein schwächeres Wachstum in den USA wird auch das Weltwirtschaftswachstum beeinträchtigen, so dass der Anstieg der Nachfrage nach Öl langsamer werden würde.

Die Medien haben den Schuldigen gefunden

In den Medien, sogar den seriöseren, liest man mittlerweile überall, dass die Spekulanten den Ölpreis antreiben. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Es ist eine dieser Halbwahrheiten, um einen Schuldigen zu finden, den man an den Pranger stellen kann. Dort wird er dann mit faulem Obst beschmissen und alle sind zufrieden. Die bösen, bösen Spekulanten....
 
Dass wir alle weltweit - wider besseren Wissens - in den letzten Jahren nicht gerade sparsam mit Öl und Energie umgegangen sind: wen interessiert es. Dass auch wir als Verbraucher es in den Händen haben, durch unseren Konsum zum Beispiel die Automobilindustrie zu beeinflussen: geschenkt.
 
Einfacher ist es zu sagen: Die Spekulanten sind schuld. Denn so bleibt das eigene Gewissen samt neuer Weste rein und unschuldig. Der Schuldige wird anschließend gesteinigt und das richtende Volk setzt sich befriedigt in seine Nobelkarossen und cruised davon. Schaut man sich die Absatzzahlen der letzten Jahre bis 2006 an, so waren es gerade die Spritschlucker, die ein überdurchschnittliches Umsatzplus verzeichneten.

66,7 Liter auf 100 km

Gerade als Börsianer erinnern wir uns, dass es bei Porsche in den letzten Jahren der Cayenne war, der den Umsatz getrieben hat und auch die Aktien zu Höhenflügen animierte. Ein Auto, das auf 270 km/h getreten mal eben 66,7 Liter verbraucht (weil es so unglaublich klingt, hier die Quelle).
Und dabei ist der Cayenne nur die exzessive Spitze des Eisberges. Verbrauchsarme Autos standen generell nicht auf der Wunschliste der Deutschen an erster Stelle.
 
Erst jetzt, bei immer weiter steigenden Benzinpreisen, werden die Menschen umdenken. Aber stopp, zuvor erst einmal noch die Spekulanten beschimpfen.

Die bösen Absicherungsgeschäfte

Worüber kaum jemand schreibt: Ein gewichtiger Teil des Geldes, das den Ölpreis treibt, dürfte der Notwendigkeit der weltweiten Unternehmen geschuldet sein, sich gegen den steigenden Ölpreis abzusichern. Um das zu tun, müssen diese über diverse Konstrukte den Ölpreis am besten gehebelt kaufen. So kann man mit einer kleinen Summe viel Gewinn machen, wenn der Ölpreis steigt. Dieser Gewinn wird dann dazu verwendet, die sinkenden Gewinnmargen, den ein solches Unternehmen durch einen steigenden Ölpreis erleidet, auszugleichen.
 
Sollte der Ölpreis allerdings fallen, machen diese Unternehmen zwar im Öl einen Verlust, dafür aber wieder mehr Gewinn an anderer Stelle (durch die niedrigere Energiekosten).
 
Positionen, die im Markt bleiben - komme, was wolle

Im Gegensatz zu den Spekulanten sind es aus oben genannten Gründen eben diese Unternehmen, die ihre „Long-Positionen“ nicht verkaufen, wenn der Markt einbricht. Mit anderen Worten, diese Absicherungen sind eine gewichtige Basis des aktuellen Anstiegs im Ölpreis. Das dicke, fette Fundament, das nur sehr schwer einzureißen ist...



 
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