| Wie Anleger ticken |
| Mittwoch, 24. Oktober 2007 | |
Wenn es ums Geld geht, dann lernt man seine Freunde kennen heisst ein bekanntes Sprichwort. Noch präziser müsste es aber heissen, wenn es ums Geld geht, lernt man sich selbst kennen. Denn tatsächlich handeln wir beim Thema Geld nicht so rational, wie wir glauben. Davor sind auch intelligente Menschen nicht gefeit. Sir Isaac Newton ist einer der bekanntesten Versager unter den Genies – er verlor 1720 ein Vermögen an der Börse. Dass Theorie und Praxis auseinander klaffen zeigt sich auch bei einem Aushängeschild der Wirtschaftswissenschaften. In den 50er-Jahren überlegte ein junger Oekonom, wie viel Geld er für seine Altersversorgung jeweils in Aktien und festverzinslichen Anleihen anlegen solle. Als Experte für lineare Programmierung wusste er, dass er die historischen Kovarianzen der beiden Anlageformen hätte kalkulieren und auf dieser Basis ein effizientes Limit hätte setzen sollen. Stattdessen hat er sich den Kummer vorgestellt, wenn der Aktienmarkt explodieren würde und er nicht dabei wäre (Gier) – oder er in den Keller sacken würde und er alles in Aktien angelegt hätte (Angst). Er wollte seine zukünftige Reue minimieren und hat seine Renten und Aktien zu je 50 Prozent aufgeteilt. Der Wissenschaftler hiess Harry M. Markowitz und erhielt 1990 den Nobelpreis für die moderne Portfolio-Theorie. Was für Nobelpreisträger gilt, gilt auch für fast alle anderen Anleger. Ein paar Beispiele… Theorie Sie kalkulieren sorgfältig die Wahrscheinlichkeiten von Erfolg und Misserfolg. Praxis Die von Ihrem Cousin empfohlene Aktie war eine „todsichere Sache“ – bis Sie beide völlig entsetzt waren, als der Kurs auf null abstürzte. Theorie Sie wissen genau, wie risikobereit Sie sind. Praxis Als die Kurse stiegen, haben Sie gesagt, Sie hätten eine hohe Risikotoleranz. Als sie wieder fielen, hat sich Ihre Risikotoleranz ganz plötzlich verflüchtigt. Theorie Sie nutzen sehr effizient alle verfügbaren Informationen, um Ihr Vermögen zu mehren. Praxis Sie haben Aktien von Enron und WorldCom besessen, jedoch nie das Kleingedruckte in den Geschäftsberichten gelesen – und so die Alarmsignale verpasst. Kurz gesagt ist das Anlegerhirn weit davon entfernt, der verlässliche, effiziente und logische Apparat zu sein, für den wir es gerne halten würden. Dies hat den Wirtschaftsjournalisten Jason Zweig dazu bewogen, ein Buch zu schreiben. Gier. Neuroökonomie: Wie wir ticken, wenn es ums Geld gehtJason Zweig im Interview: In meinem Berufsleben als Finanzjournalist habe ich über die Jahre Hunderte Geldmanager aus der ganzen Welt interviewt. Und dabei ist eines sehr deutlich geworden: Wenn sie schlechte Ergebnisse erzielen, ist der Markt schuld. Wenn sie gut abschneiden, liegt es am eigenen Können - glauben sie zumindest. Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1922Geschrieben von: Jörg Friedrich Artikel kommentierenAkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze |