Seit der Ifo-Chef Hans-Werner Sinn in den Tiefen der Bundesbankbilanzen
auf Target 2 gestossen ist, rauchen in den Elfenbeintürmen die Köpfe.
Ist Target 2 gefährlich? Müssen wir uns Sorgen machen? Bricht morgen
das Finanzsystem zusammen?
Alles Quatsch. Die Target 2-Verbindlichkeiten sind das logische Resultat eines Exportweltmeisters.
Bis zum Kollaps von Lehman Brothers liehen sich die Banken benötigtes
Geld am Interbankenmarkt aus. Doch seit dem Herbst 2008 geht dort gar
nichts mehr. Die Finanzinstitute trauen sich gegenseitig nicht mehr
über den Weg. Alle sind sie nun auf die Zentralbanken angewiesen, um
ihre Liquidität zu bewirtschaften. Egal, ob sie nun Geld auslehnen oder
borgen möchten, die Adresse bleibt immer die gleiche: EZB respektive
ihre nationalen Ableger.
Seither sind die Target 2-Salden
explodiert. Die deutschen Banken, wie es sich für ein exportierendes
Land gehört, haben zuviel Liquidität, die sie bei der Bundesbank
deponieren. Von dort fliesst das Geld mittels Target 2 - das
Transaktionssystem der Zentralbanken - in jene Staaten, wo das Geld
benötigt wird. Vereinfacht gesagt hat Target 2 die Funktion des
Interbankenmarktes übernommen.
 (Quelle)
Somit haben wir es nicht mit
einer Explosion der Risiken zu tun, wie Hans-Werner Sinn suggeriert,
sondern mit einer Verlagerung der Risiken. Möchte man diese Risiken zum
Verschwinden bringen, dann muss der Export geschwächt werden, z. Bsp.
durch Erhöhung der Löhne im Exportsektor. Es wäre also ganz einfach,
wenn es nicht der Ideologie der letzten Jahrzehnte zu wider laufen
würde, dass Deutschlands Wohlstand im Export liege. Eine Ideologie, die
auch von vielen Experten mitgetragen wurde, die sich nun entsetzt die
Hände über dem Kopf zusammenschlagen angesichts der Target 2- Bilanzen.
Was für eine Ironie!
Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion
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Geschrieben von: stonefights, am 13-03-2012 15:42 Einer von uns beiden hat das Target-2 System entweder noch nicht im Detail verstanden oder sieht es aus einem anderen Blickwinkel . Für mich als Deutscher ist es ganz einfach: Der südländische europäische Unternehmer kauft für seinen Fuhrpark einen deutschen MAN-Transporter. Nach den Geldflüssen hat der Südländische Unternehmer ein paar digitale Ziffern weniger auf seinem Konto, der deutsche MAN-Konzern ein paar mehr, die südländische "Zentralbank" ein paar digitale Ziffern mehr auf der "Verbindlichkeit"-Seite, die deutsche Bundesbank auf der "Forderung"-Seite. So lange alle glauben, dass digitale Ziffern werthaltig sind und bleiben, kein "Problem". Sobald das System jedoch ans Ende kommt, und das ist bisher jedes Geldsystem, dann geht es an die Ausgleichung der Salden (digitale Ziffern), denn von denen kann man bekanntlich nicht satt werden Leider wird es jedoch den MAN-Transporter dann nicht mehr geben, vielleicht aber schon, nur mit 480.000 km und vielen Beulen Am Ende des Geldsystems wird somit der Südländer sagen, "Nichts geht mehr" oder "Zurück auf Los". Das Target-2 System hat mittlerweile in der Tat eine von vielen grossen Liquiditätsbeschaffungs-Massnahmen innerhalb der EURO-Zone übernommen, jedoch mittlerweile ausschliesslich zu Lasten Deutschlands (also nichtmehr Verbindlichkeiten von ca. 23% durch dt. Anteil am EZB-System beim Kollaps, sondern uneinbringliche Forderungen von 100% - vgl. oben), dass ist der kleine Unterschied, den man bei ihrer sog. "unSINNigen" Diskussion beachten sollte. Wir schieben momentan dem südländischen Anteil des EZB-Systems 100% Kapital über den Tisch, dass er unsere ca. 43% Export (übeerwiegend werthaltige GÜTER !!!) abnimmt. Wehe der Zeit, an der das Proletariat unser System versteht lg, stonefights Geschrieben von: HRR, am 13-03-2012 16:29 @stonefights Das Problem gab es schon als die Target-Konti noch ausgeglichen waren. Damals waren einfach die Banken in Schieflage, sprich die Deutschen Banken finanzierten via Interbanken-Markt die PIGS-Banken. De jure waren damals die Steuerzahler nicht eingebunden, de facto aber schon. Was ich sagen möchte ist folgendes: Das deutsche Problem hat mit der unausgeglichenen Leistungsbilanz zu tun. Die Target-Schieflage ist nur eines der Symptome davon, aber eben nicht die Ursache. Solange Deutschland mehr exportiert, muss es für diese Exporte auch die Kredite finanzieren. China macht das gegenüber USA genau so, um die eigenen Leute an der Werkbank zu halten. Geschrieben von: stonefights, am 13-03-2012 17:04 Ok, mit dieser "Differenzierung" kann ich leben. Danke für die Stellungnahme. Ich störte mich überwiegend an meiner Interpretation ihrer Aussage "...Somit haben wir es nicht mit einer Explosion der Risiken zu tun, wie Hans-Werner Sinn suggeriert, sondern mit einer Verlagerung der Risiken. ...". Ich interpretiere den wirklichen SINN und seine "Risiko-Explosion" nämlich auf den "dt.Steuerzahler", dass der auch beim Kollaps der Geschäftsbanken (vgl. HRE) zahlt, ist wiederum eine andere Geschichte Zahlen = Entdigitialisieren muss es eh jeder Sklave am Ende im immer stetig steigenden Akord dieses Systems ,der nur in der Musik harmonisch wirkt  Geschrieben von: Michael, am 13-03-2012 17:19 Ich sehe das wie HRR, die "Deutschen" finanzieren ihre Exportüberschüsse vor, nachdem der Interbankenmarkt sich in Luft auflöste. Natürlich wären diese Kredite mit einem Zerbrechen des Euro um die Wechselkursänderungen zu korrigieren, sprich abzuschreiben. Davon muß zumindest im Fall Griechenland ausgegangen werden. Womit sich kein Investor nach Griechenland wagen würde. Nur, dass die Peitsche "Sparen" da nicht helfen kann. Natürlich ist Merkels Peitsche richtig. Dazu muß Deutschland die Einkommen erhöhen und zur Besserung der Leistungsfähigkeit der PIGS muss der Euro gegen den (internationalen) Dollar abwerten. Ein ganz schön irres Theater, das uns da serviert wird. Warten wir ab, die Lage im großen Bild ist kristallklar. Die Krisen seit dem Dollar als Weltreservewährung, besonders seit Abschaffung des quasi Goldstandards von Bretton Woods waren auf Fehlbewertungen der Wechselkurse zurückzuführen. Ein Euro aus 66% Weichwährung und 34% deutscher Mark kann nie eine Hartwährung werden. Das Problem ist (leicht) lösbar und es wird gelöst werden. Geschrieben von: nevermore, am 13-03-2012 18:43 Sie haben leider die Problematik überhaupt nicht verstanden. Die Target2-Salden resultieren nicht daher, dass Deutschland Export(vize)weltmeister ist. Deutschland war auch Exportweltmeister, als die Target-Salden Null waren. Die Salden resultieren daraus, sich die Banken in den GIPS-Staaten nicht mehr über das herkömmliche Bankensystem refinanzieren können und deshalb auf die eigenen Zentralbanken angewiesen sind. Das Resultat ist, dass die Exporte nicht mehr wie früher bezahlt werden, sondern im Endeffekt "angeschrieben" - denn die Refinanzierung erfolgt über die Zentralbank mit "Sicherheiten", die keine sind, und die deshalb das herkömmliche Bankensystem auch nicht als Sicherheit akzeptiert. Bitte nochmal nachlesen. Zum Beispiel hier, beim europäischen Steuerzahlerbund. http://deutsch.taxpayers-europe.com/images/stories/pdfneu/target-2--kurzfassung_pluenderung_der_deutschen_bundesbank_22.02.2012_kritik_der_tae.pdf Geschrieben von: HRR, am 14-03-2012 07:37 @nevermore In deinem Link wird die Welt von "früher" als der Interbankenmarkt noch funktionierte falsch dargestellt. Denn damals wurde faktisch auch nur "angeschrieben" und eben nicht bezahlt. Bezahlen kann bekanntlich nur derjenige, der etwas hat. In Europa ist das Deutschland. Weshalb kann Deutschland bezahlen? Weil Deutschland mehr exportiert als importiert. Deutschland ist wegen dem Exportüberschuss Gläubiger wie die PIGS aus dem gleichen Grund Schuldner sind. Ob sich die Schulden nun wie früher im Interbankenmarkt zeigen (und von den Experten bis zur Finanzkrise übersehen wurden) oder ob sie sich im Targetsystem zeigen, ist letztlich völlig egal. Geschrieben von: Abendsonne , am 14-03-2012 22:17 Die gesamte Debatte um die Target2-Salden ist hier dokumentiert: http://www.robertmwuner.de/materialien_euro_literatur_target 2.html Es wäre schön, wenn auf der Höhe der Debatte diskutiert würde - und nicht immer erst wieder von vorn angefangen würde. Über das "UnSinn"-Niveau sind selbst die Kritiker schon lange hinaus. Geschrieben von: Edwin Glaser, am 17-03-2012 11:53 Hallo Abendsonne, dein Link widerspricht deiner Aussage. Da wird lang und breit über die Anzahl von Engeln auf Nadelspitzen diskutiert. Aber die eigentliche Frage, "Wollen wir für uneinbringliche Schuldscheine arbeiten?" Die ist untergegangen. Geschrieben von: Marcus Fabian, am 18-03-2012 18:24 Target 2 ist eigentlich gedacht als reines kurzfristiges Verrechnungskonto (Scharnierkonto) das innert kurzer Zeit immer ausgeglichen auf Null stehen sollte. Es ist sicher richtig, dassn das Konto zu Gunsten Deutschland läuft, wenn Deutschland Handelsüberschüsse gegenüber Südeuropa generiert. Aber das war ja immer schon so und bis vor einigen Jahren wurde dieses Verrechnungskonto ja auch immer ausgeglichen. Insofern, Hansruedi, ist es falsch anzumerken, dies sei kein Risiko für Deutschland. Sorry! Ist es eben doch, wenn da eine halbe Milliarde einfach nicht bezahlt wird! Geschrieben von: HRR, am 18-03-2012 18:30 @Marcus Fabian Ich sage nicht, dass Target 2 kein Risiko sei, ich sage nur, dass es nicht die Ursache des Problems ist. Die Ursache ist der Export- resp. Leistungsbilanzüberschuss. Dieser muss sich irgendwo zeigen. Früher - unbemerkt von der Oeffentlichkeit - im Interbankenmarkt, seit 2008 im Target 2 System. Wenn Deutschland dieses Risiko ausschalten will, dann nützt es nichts, wenn man am System schraubt. Deutschland muss die Handelsströme wieder ins Lot bringen, weil dort das Problem geschaffen wurde. Geschrieben von: ufo, am 30-08-2012 18:22 "Die Target 2-Verbindlichkeiten sind das logische Resultat eines Exportweltmeisters..." Ich ergänze: "eines Export-(Vize-)Weltmeisters, der seine Währung nicht aufwerten kann." Aber auch dies kann nicht alleinig der Grund sein, denn die deutschen Target-Salden sind in der Euro-Zeit und insbesondere in den letzten drei Jahren überproportional gestiegen. Soll heißen: stärker als die deutsche Exporttätigkeit. Artikel kommentieren
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