Sowjet-Spion und der Aluminium-Zyklus
Freitag, 9. Oktober 2009
Es ist noch zu gefährlich, über all das im Detail zu sprechen, sagt der ehemalige Sowjet-Spion Witali Schlykow, der als Agent vor Jahrzehnten in der Schweiz eingebuchtet wurde und danach wie Phoenix aus der Asche zum stellvertretenden Verteidigungsminister aufgestiegen war. Doch ein bisschen was erzählt er schon. Grund genug für mich, einen langfristigen Aluminiumchart aus der Nähe zu betrachten.

Aus dem Bund-Aritkel Ich war der Sowjet-Spion

Witali Schlykow hütet noch andere Geheimnisse. Er kommt auf die Rohstoffe zurück, die am Ende der SowjetÄra angehäuft wurden. «Weder Jelzin noch Gaidar (sein Premier) wussten etwas davon. Diese Lager haben sich einfach in Luft aufgelöst.» Die UdSSR war nicht arm, sie war laut Schlykow wie eine Grossmutter, die ihr Geld unter der Matratze verwahrt. Und gewisse Individuen hätten sich einfach bedient.

«Ich habe erkannt, dass ich einem kriminellen Staat diente – und habe demissioniert. Die Rohstoffbestände wurden insgeheim verschachert, oft über die Schweiz. Sie können das überprüfen: Anfang der 90er-Jahre sind die Preise an der Londoner Metallbörse zusammengebrochen unter dem plötzlichen Zufluss von Metallen. Der Weltmarktpreis für Aluminium fiel um 40 Prozent.» Das sei die Antwort auf die Frage, warum die Generäle sich nie gegen die politischen Reformen aufgelehnt hätten. Witali Schlykow schaut auf seine Tasse, dann in die Hotellobby. «Es ist noch zu gefährlich, über all das im Detail zu sprechen.»


Auf dem folgenden Chart ist auch gut zu erkennen, wie der Preis kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion in die Höhe schoss, um kurz danach wieder einzubrechen. Das ist Stoff für Verschwörungstheorien. Fakten sucht man hingegen vergebens. Bekannt ist nur, dass nach dem Zusammenbruch die heute bekannten Oligarchen wie Viktor Vekselberg, Michail Fridman, Oleg Deripaska, Roman Abramowitsch und einige andere auf den Plan traten. Doch was genau dazwischen geschah, darüber will uns Schlykow leider noch nicht mehr erzählen. Wäre wirklich interessant gewesen...


Image
Chart via Markt-Daten.de

Nach einigem Herumstöbern über die Zeit in der Sowjetunion Ende der 80er anfangs der 90er Jahre bin ich auf ein interessantes Buch gestossen
Vom Raubritter zum politischen Unternehmer? - Selbstverständnis und Selbstdarstellung der russischen Oligarchen in den 1990er Jahren

Die ersten 25 Seiten können kostenlos HIER gelesen werden. Etwas salopp zusammengefasst gründet der Reichtum der Oligarchen auf die nicht neue Erkenntnis: Wenn du reich werden willst, dann gründe eine Bank.
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RSS Kommentare Kommentare (2)

Geschrieben von: egghat website, am 12-10-2009 21:00
Ich hatte bisher immer geglaubt, dass die Russen (also der Kreml) die Rohstoffe auf den Markt geworfen hat. Die waren schließlich Pleite. Die Russen haben auf jeden Fall den Markt geflutet und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Nur ob das wirklich die Oligarchen auf eigene Faust gemacht haben?

Geschrieben von: nigecus, am 19-10-2009 07:28
Echt interessant. Die russischen Oligarchen sind aber auf ewig zur Kooperation mit dem Kreml verdammt, sonst...

Die russischen Lagerbestände sind immer etwas unbekannt. Ist wie beim Palladium vor ein paar Jahren. Ist ganz schön intransparent.


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