Amerikaner schnallen den Gürtel enger
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Wenn in einer Wirtschaft, die zu 70 Prozent vom Konsumenten abhängt, der Konsument seine Kredite zurückfährt, dann muss es dieser Wirtschaft schlecht gehen. Alles andere ist Propaganda. Und genau das passiert in den USA. Monat für Monat. Daran hat selbst die amerikanische Variante der Abwrackprämie nichts ändern können.

Ausstehende Konsumkredite - also Kreditkarten, Leasing, etc - sind im August um weitere zwölf Miliarden $ gefallen. Das Total aller ausstehenden Konsumkredite erreicht damit eine Summe von 2'460 Milliarden $. Das entspricht einem Rückgang von 119 Milliarden gegenüber dem Höchststand im Juli 2008.

Damit verhält sich der Konsument exakt so wie ich es erwartet hatte, er kann nicht anders. Wer bis zur Halskrause verschuldet ist muss sparen, wenn die Arbeitslosighkeit steigt, die Immobilienpreise sinken und die Kreditkartenfirmen die Verschuldungsmöglichkeiten reduzieren.

Doch genau damit schiesst sich die amerikanische Wirtschaft selbst ins Knie. Gross geworden dank gigantischen Konsumschulden, kann sie jetzt der Kehrseite nicht entrinnen. Das ist einfache Mathematik, egal was Experten erzählen. 

Die grünen Sprossen in der Wirtschaft können wir also gleich wieder auf dem Kompost entsorgen. Allerdings dürften sie dort, wo sie auch hingehören, schon bald wieder mächtig spriessen: in der Natur. Seit dem Platzen der Blase sollen sich die Umweltemissionen in den USA um 6 Prozent reduziert haben. Na bitte schön, da sind sie doch, die positiven Nachrichten.

Die Daten zu den Konsumkrediten gibt es bei der FED. Querschuss hat daraus noch ein paar Charts gebastelt für alle, die den Rückgang visualisieren möchten.

Trackback-URL  (Trackback)

Tag it:
Delicious
Furl it!
Spurl
NewsVine
Reddit
YahooMyWeb
Technorati
Mister.Wong

Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1956

RSS Kommentare Kommentare (1)

Geschrieben von: kosh, am 08-10-2009 13:10
Geithners Witz schnitzt frische Witze

aus http://www.zeit.de/2009/42/Interv-Geitner
Quote:


»Amerika wird sparen«
... Es geht hier nicht darum, ...



... dass wie Du schreibst, ...

Quote:
... ausstehende Konsumkredite - also Kreditkarten, Leasing, etc ... im August um weitere zwölf Miliarden $ gefallen ...



... sind, sondern wie der US-Finanzkasper Geithner klarstellt, ...

Quote:
... um den Umgang mit einer neuen ökonomischen Realität. Wenn die USA mehr sparen, verändert das die Gegebenheiten für die ganze Welt. Wir können keinen Zwang ausüben.



Hierin gehen die Meinungen klar auseinander:

aus http://ronpaul.blog.de/2009/10/06/bomben-schmiergeld-7112800 /
Quote:
Unsere Außenpolitik beschränkt sich auf das Bestechen und Bombardieren anderer Länder, ohne viel Demut oder Respekt für menschlichen Leben, alles für das vorgegebene Ziel: Förderung der Demokratie. Wenn aber ein Land in demokratischen Wahlen einen Regierungschef wählt, der nicht ausreichend pro-amerikanisch ist, weigert sich unsere Regierung ihn anzuerkennen, verhängt Sanktionen und unterstützt unter Umständen auch verdeckte Bestrebungen, ihn zu entfernen. Es ist offensichtlich doch nicht Demokratie, an der wir ein Interesse haben. Wahrscheinlicher ist es, dass unsere Regierung daran interessiert ist, anderen Regierungen ihren Willen aufzuzwingen.



Beweise braucht man angesichts der offensichtlich zur Schau getragenen Schwäche des Imperiums auch nicht mehr zu suchen, sie werden inzwischen fast täglich auf dem Präsentierteller vorgeführt. Wer von Pisa noch nicht vollständig beschädigt wurde, der dürfte sie auch als solche erkennen:

Quote:
Erst letzte Woche bewilligte das Kongresshaus ein Hilfspaket für Pakistan aus den genannten Gründen: der Verbesserung unserer Außendarstellung und der Förderung von Demokratie. Erneut trug ich dieses Argument auf dem Parkett des Kongresshauses vor, das offenbar niemand zu hören scheint: Was, wenn dies auf amerikanischem Boden passieren würde?



Nun, die Antwort kann ich mir sparen. Wie man sich das vorzustellen hat, wurde von Hollywood in Farbe und bunt auf millionen Kilometern Zelluloid gespeichert. Assistenz-Spindoktor Geithner von der PRopagandaklinik bleibt dabei, das Gegenteil der Traumfabrik zu besingen:

Quote:
Wir können den Europäern die Entscheidung nicht abnehmen. Sie müssen sich selbst überlegen, wie sie sich anpassen.



Nun ist dummerweise dieser Tage genau dazu ein spezifisches Dokument aufgetaucht, welches Geithner relativiert oder widerlegt, je nachdem ob man Zuckerbrot und Peitsche als freie Entscheidungsfindung empfindet:

aus http://www.economist.com/blogs/charlemagne/2009/09/sometimes _america_wants_a_divi.cfm
Quote:
PHILIP Gordon, the Obama administration’s point man on Europe ...

“We want to see a strong and united Europe, speaking with one voice. In the best of all possible worlds, that one voice will be saying what we want to hear….If it is not saying what we want to hear, then we would rather that voice was less united. For the foreseeable future we will have to have relations with the EU and with nations. You go to the place that can deliver... [For example] on trade, we deal with the EU, as the EU is the decider.”

Later, he was asked if he felt Europe needed to think more strategically. Absolutely, he replied:
“We want to see Europe thinking more strategically, because we think if they do think more strategically, they’ll think more like Americans.”



Gordon gibt damit implizit zu, dass der Spaltpilz quer durch die Staaten und Fraktionen Europas, so wie wir ihn schon bisher erleben durften, von den USA gewünscht ist. Kaum anzunehmen, dass sie ihn nicht aktiv gefördert haben. Ins gleiche Horn stösst der Vertrag von Lissabon, eine Alternative zu einem einzigen EU-Präsidenten wurde niemals auch nur ansatzweise in der Öffentlichkeit angepriesen. Konsequent auf dieser Linie wird Kriegsgurgel und US-Pudel Blair als erster Ansprechpartner Washingtons portiert. Frei nach Gordon entspricht dieses Lobbying genau den Wünschen jedwelcher US-Administration, um künftig die Entscheidungswege zu vereinfachen, abzukürzen, sprich die lästigen demokratischen Instanzen rechts zu überholen. Nun ist die EU bislang nicht bekannt dafür, sich einen starken Zentralismus auf die Fahnen geschrieben zu haben, ergo würde ein schwacher EU-Präsident wiederum zur Düngung des Spaltpilzes durch die USA führen.

Darum fährt kaum anders zu erwarten Geithner fort, den Brainwash gemäss PRopagandalehrbuch zu wiederholen, ganz egal wie viele Nachrichten dagegen sprechen, pro Tag!

Quote:
Wir können Länder nicht dazu zwingen, Dinge zu tun, die nicht in ihrem Interesse sind. Wir können aber versuchen, sie dazu zu bringen, sich rechtzeitig mit den Folgen auseinanderzusetzen, die ihre jeweilige individuelle Politik für die Welt insgesamt hat. Das führt vielleicht dazu, dass sie früher die richtigen Entscheidungen treffen. Denn diese Krise hat gezeigt, dass sich kein Land vor den Auswirkungen kollektiver Fehlentwicklungen schützen kann.



Richtig, sie hat aber auch gezeigt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die USA ganz von allein einknicken. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche, keiner der BRIC-Staaten hat ein Interesse daran, dass die USA damit fortfahren können, als korrumpierender Weltpolizist Kollateralschäden zu verteilen.

Quote:
Die beste Garantie für Stabilität ist, dass die Regierungen tun, was nötig ist, um Vertrauen zu schaffen.



Auch das ist richtig. China wird v.a. Vertrauen in China schaffen, Russland in Russland etc. etc., aber keiner wird sich übernehmen, Vertrauen zu und noch weniger in den USA zu schaffen. Wenn doch, würde diese Wendung der Geschichte deren Schreibung auf den Kopf stellen. Eine Zeitenwende ungeahnten Ausmasses stünde vor der Tür, nähmen die USA überraschend nur den kleinen Finger und nicht die ganze Hand. Die Wahrscheinlichkeit dafür liebäugelt wie seit je mit einer glatten Null.

Quote:
Für die USA bedeutet das: Die Stellung des Dollar in der Welt geht mit einer besonderen Verantwortung einher. Zu dieser Verantwortung gehört, sehr sorgfältig darauf zu achten, dass das Vertrauen in amerikanische Finanzanlagen erhalten bleibt.
... Die Menschen müssen sich voll und ganz darauf verlassen können, dass die unabhängige Federal Reserve Bank ...



Nur schon der Zusatz "unabhängig" im Zshg. mit der FED wurde auch in diesem Blog unlängst prominent in Frage gestellt -> http://www.boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_381792
Zum schrumpfenden Leistungsbilanzdefizit meint er:

Quote:
Sie sollten das als Beweis dafür sehen, dass in den USA wichtige Anpassungen geschehen!



Auch das ist richtig, aber nicht freiwillig, sondern weil die US-Konsumenten ganz dicht vor der Wand stehen. Mit Einsicht oder guter Regierungsführung hat das gar nichts zu tun. Die Konkurrenz braucht nur auf Zeit zu spielen, denn die USA können gar nicht anders, und das je länger desto weniger, weil der Staat als Ganzes noch dichter vor der Wand steht. Nordamerika wird schon nicht untergehen, zur Debatte steht die Demokratiesimulation USA. Ein Passagierjet kann wohl mit 3 Triebwerken fliegen, aber wenn ein zweites ausfällt, nimmt der Einfluss der Physik auf die Optionen dramatisch zu.

Quote:
Mit diesem Problem hat die ganze Welt zu kämpfen, nicht nur Amerika.



Wiederum richtig, aber in dieser Engstirnigkeit "die Welt" zu beschwören ist nichts als die Nebelpetarden eines verzweifelten Finanzministers.

Quote:
Erinnern Sie sich: Im vergangenen Jahr befand sich die Welt im freien Fall.



Eindringlich, fast schon ätzend penetrant verkündet Geithner, wie unter der Führung der USA "die Welt" vor ihrem Untergang gerettet wurde, indem die USA bislang nur die Notenpressen bewegt haben.

Quote:
ZEIT: Sie sprachen über die Notwendigkeit der globalen Kooperation. Kann die Welt darauf vertrauen, dass den USA an einer Zusammenarbeit in internationalen Organisationen wirklich gelegen ist? Einige Ihrer Vorgänger haben hier ein gewisses Desinteresse offenbart.
Geithner: ... Im Bereich der internationalen Finanzbeziehungen gibt es drei Prinzipien, die das Verhältnis der USA zum Rest der Welt definieren sollten.


Auch das ist richtig, "sollten" :-)
DIE Luftballons unter den Luftballons sind deren drei. Details überlasse ich dem Leser. Den stärksten Eindruck soll der PRopagandist am Schluss erwecken, nun denn:

Quote:
Wir wollen jetzt die G20 in Gang bekommen und die Reform des IWF umsetzen.



Kurzer Abstecher in die Mitte des Interviews:

Quote:
ZEIT:... Pittsburgh ... . Dort haben sich die G-20-Staaten verpflichtet, ihre Wirtschaftspolitik besser abzustimmen. Auch das wurde schon einmal ausprobiert, damals unter der Leitung des IWF.
Geithner: Es ist richtig, dass das nicht der erste Versuch ist. Aber ...



Ja aber -> "G20 in Gang bekommen und die Reform des IWF umsetzen", aber :-)
Weiter im Text:

Quote:
Jenseits davon gibt es aber noch keine Beschlüsse über die Architektur der internationalen Gremien.



Klipp und klar, nichts, aber auch rein gar nichts ist beschlossen. Der Geithner präsentiert uns eine Traube bunter Luftballons und erwartet, dass man ihn nicht auslache wie jene chinesischen Studenten -> http://ftalphaville.ft.com/blog/2009/06/02/56495/quote-du-jo ur-chinese-snickers/

Der tödliche Witz zum Schluss:

Quote:
Wir sollten uns im Übrigen nicht zu sehr auf die Form konzentrieren, zum Beispiel auf die Frage, ob es eine gemeinsame Abschlusserklärung gibt. Wichtig ist der Inhalt.



Unter dieser Ägide haben sich wohl auch die Eigenkapital-Intelligenzbraten getroffen -> http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/babylonische-v erwirrung-um-das-eigenkapital/
Egal ob mündlich oder schriftlich, ob Vertrag oder cooler Handshake bei einer Partie Kaviar, ob öffentlich und transparent oder hinter verschlossenen Türen, es zählt allein der Inhalt. Gerade weil Geithner so fahrlässig daherschwätzt ist zu erwarten, dass die USA unter den ersten sein werden, den Inhalt nach Lust und Laune zu torpedieren.

Um den Kreis zu schliessen, der grosse Schritt zurück an den Anfang des Artikels.

Quote:
Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner will, dass die Weltwirtschaft radikal neu geordnet wird ...



Dass er das will, glaub ich ihm sofort, für eine Weltregierung unter dem Regime des Imperiums war das Zeitfenster nach dem Mauerfall günstig. Die Chancen haben sich inzwischen massiv verschlechtert.

Die Amis auf Kurs

Grüsse
kosh


Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren

AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze