| Oskar, geh du voran |
| Donnerstag, 25. Juni 2009 | |
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Jahrelang war Deutschland stolz auf seinen Nimbus als
Exportweltmeister. Doch die Krise hat jetzt seine Schattenseiten
aufgezeigt. Wer seine Wirtschaft so stark vom Ausland abhängig macht,
kann in der Not nicht auf die Binnenwirtschaft zählen. Doch Besserung
ist nicht in Sicht. Wegen der Staatsverschuldung wird jetzt in der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine Anhebung der Mehrwertsteuer nach der
Bundestagswahl diskutiert. Die Meinungsmacher in Deutschland haben die hohen Exportüberschüsse immer als das Resultat einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik gesehen. Wer viel exportiert, muss einfach gut sein, so die landläufige Meinung. Doch aufgrund der gleichen Zahlen hätte man auch zu einem anderen Schluss kommen können. Wer mehr exportiert statt importiert, leidet an einer Schwäche der Inlandnachfrage. Bis heute ist aber diese Sichtweise in Deutschland eine, die man erfolglos sucht. Im Gegenteil, die CDU möchte nun Massnahmen treffen, die das Ungleichgewicht noch weiter verstärken. ![]() Wie „Bild"-Zeitung unter Berufung auf Parteikreise meldet, ist eine Erhöhung des ermäßigten Steuersatzes von derzeit 7 Prozent auf 19 Prozent im Gespräch. Dieser Satz gilt derzeit unter anderem für Lebensmittel und Schnittblumen. Nach Berechnungen aus der Fraktion könnte diese Anhebung rund 14 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen für die Staatskasse bringen. Und nötig hat es die Staatskasse, keine Frage. Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett einen Haushaltsentwurf für 2010 verabschiedet, der mit einer Neuverschuldung von 86 Milliarden Euro mehr als das Doppelte des bisherigen Schuldenrekords von 1996 erreicht. Doch allein schon der Gedanke, die von Finanzinstituten verursachte Staatsverschuldung auf dem Buckel des Ottonormalverbrauchers zu sanieren, ist ein starkes Stück. Er ist nicht nur moralisch fragwürdig, er macht auch wirtschaftlich keinen Sinn. Deutschland muss die Binnennachfrage stärken, damit es nicht so stark in Abhängigkeit des Auslands gerät. Und das wäre ziemlich einfach zu haben, wie die Schweiz beweist. Nicht nur ist die MwSt in der Schweiz viel tiefer, die Eidgenossen kennen auch schon lange Mindestlöhne. Der Wirtschaft hat es nicht geschadet. Sie läuft um einiges besser als in Deutschland, dank der vergleichsweise stabilen Binnennachfrage. Komischerweise sind also die Forderungen von Lafontaine alles andere als links - zumindest aus Schweizer Sicht. Die Forderungen sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Zudem haben Mindestlöhne den Vorteil, dass man die Abgaben auf den Löhnen reduzieren kann, da es je höher die Löhne sind, umso weniger nötig ist, die erwerbstätige Bevölkerung noch nebenher mit Sozialleistungen zu unterstützen. Der Titel des Exportweltmeisters war also nichts anderes als ein staatlich subventioniertes Programm zugunsten der exportorientierten Konzerne. Gelitten haben darunter breite Teile der Bevölkerung, welche wegen den tiefen Löhnen und hohen Abgaben als Nachfrager von Gütern geschwächt werden. Doch diese Erkenntnis ist weder bei der deutschen Bevölkerung noch bei den Medien angekommen. So schreibt zum Beispiel die FAZ, die Linke habe auf ihrem Parteitag in Berlin ihre antikapitalistische Stossrichtung bekräftigt. Kernpunkte seien unter anderem ein flächendeckender, gesetzlicher Mindestlohn von 10 Euro und eine Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes auf 500 Euro. Zur Verstärkung dieser Argumentation wurde noch der Vorsitzende des Sachverständigenrats, der Mannheimer Oekonom Wolfgang Franz aufgeboten. Er meinte zur Mindestlohnforderung, dies gefährde mehrere Hunderttausend Arbeitsplätze. „Dann können wir die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gering qualifizierter Arbeitnehmer vergessen“, warnte Franz gegenüber dieser Zeitung. Angesichts der wachsenden Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt in der Krise passe die Forderung „wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge“. Nun, wer solche Sachverständige hat, der darf sich über Krisen nicht wundern. Nach Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftungbewegt sich der Mindestlohn innerhalb Europas zwischen 30 und 50 Prozent des Durchschnittslohns. Als arm gilt, wer weniger als 50 Prozent des Durchschnittslohnes verdient. Überträgt man diese Definition der internationalen Armutsforschung auf den Mindestlohn, müsste dieser in Deutschland tatsächlich bei den von Lafontaine geforderten zehn Euro liegen. (Quelle) Weiter überrascht wurde ich auch bei meinen Recherchen, dass Deutschland im Gegensatz zur Schweiz keine Vermögenssteuern kennt. Langsam habe ich das Gefühl, dass das Kapitel Steueroase Schweiz - Steuerhölle Deutschland neu geschrieben werden muss. Für die Deutschen ist ihre Heimat nur eine Hölle, wenn es um die Einkommen und indirekten Abgaben geht. Kein Wunder also, versuchen vorallem Selbstständig erwerbenede einen Teil der Einkommen am Staat vorbei ins Ausland zu schmuggeln. Es wäre aber viel einfacher, die Steuern auf Einkommen und die indirekten Steuern zu vermindern und gleichzeitig eine Vermögenssteuer einzuführen. Damit würde die Binnennachfrage gestärkt, die sozialen Staatsumverteilungen könnten reduziert werden und die Steuerflucht würde auf eine effektive Art bekämpft. Doch diese Einsicht ist offenbar erst bei Lafontaine angekommen. Keine Frage, als Deutscher würde ich ihn sofort wählen - Sympathien hin oder her. Keine Soldaten in Afganistan, Austritt aus der Nato, Mindestlöhne und Vermögenssteuern. Solche Parolen gelten in der Alpenrepublik für selbstverständlich und die Schweiz hat in Deutschland nicht den Ruf eines Antikapitalisten. Union prüft Anhebung der Niedrig-Mehrwertsteuer Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 3138Geschrieben von: Nanuk, am 25-06-2009 12:07 Geschrieben von: echnaton, am 25-06-2009 13:48 Geschrieben von: kosh, am 25-06-2009 14:37 Im Gegenteil, die CDU möchte nun Massnahmen treffen, die das Ungleichgewicht noch weiter verstärken. Anders formuliert, ein äusserst positiver Ansatz, denn er erzeugt positives Feedback. Und was positiv ist, ist auch positiv für die Wirtschaft. Quote: Wer mehr exportiert statt importiert, leidet an einer Schwäche der Inlandnachfrage. Was Wunder, wenn die Exportweltmeister ihre Überschüsse via Brüssel notgedrungen wieder exportieren, weil sie daheim aus Mangel an Nachfrage nicht gebraucht werden. Auch darin sind sie Meister, Zahlmeister. Quote: Er ist nicht nur moralisch fragwürdig, er macht auch wirtschaftlich keinen Sinn. Das nächste Wunder, selbst das Hohelied der Sozialempfänger stimmt in höchsten Tönen meisterlich. Quote: Nun, wer solche Sachverständige hat, der darf sich über Krisen nicht wundern. Desweiteren darf sich nicht wundern, wer Politiker wählt, die auf solche Sachverständige hören. Ups, bin ich versehentlich den Wählern auf die Füsse getreten? Quote: Keine Soldaten in Afganistan, Austritt aus der Nato, Mindestlöhne und Vermögenssteuern. Ist der Lafo erst Kanzler, braucht er sich um sein Geschwätz von gestern auch nicht mehr zu kümmern. Nach seinem Einführungskursus in die Geheimnisse des Besatzungswesens wird er schlagartig keine andere Wahl mehr haben wollen. Sollte er tatsächlich ein Gewissen in dieser Hinsicht walten lassen, darf er sich zu einer Springschirmfallweiterbildung anmelden, auf Kosten des Hauses. Grüsse kosh Geschrieben von: HRR, am 25-06-2009 14:50 Geschrieben von: mh Geschrieben von: Joerg Geschrieben von: HRR, am 25-06-2009 15:48 Geschrieben von: kosh, am 25-06-2009 16:09 Die deutsche Antwort auf die Exzesse der Bush-Krieger war Verweigerung. Gerhard Schröder ließ Amerika ohne die Deutschen in den Irak-Krieg ziehen und organisierte eine europäische Widerstandsfront, die von Moskau bis Paris reichte. De facto wären Lafo genauso die Hände gebunden, die Frage beschränkt sich darauf, ob er seine Ketten als Feature der Gefangenschaft oder der Freiheit verkauft. Nato-Kündigung käme einer Kriegserklärung gleich, geht so wenig wie Autobahn. Raus aus Afghanistan geht auch nicht, Konsolidierung auf inzwischen bedenklichem Niveau vielleicht, Schröder hat sich viellleicht nur aus Wahltaktik um die Einmärsche gedrückt - auch ein blindes Huhn - aber das wollten die Wähler nicht würdigen. Und Mindestlöhne, was soll ich dazu sagen ausser Akt 7 der Fahnenflucht nach Asien, wo man die relativen Lohnvorteilsgewinne dankbar kassieren wird. In einem Punkt liessen sie ihn evt. Akzente setzen, bei der Vermögenssteuer, allerdings nur in der Weise, als er den Coup populistisch ausschlachten darf, während er zusehen muss, wie die Vermögenden weiter von dannen ziehen, die schon bisher das Weite gesucht haben. Wenn sich endlich die Kreisbahn schlösse, würde der nächste Steinbeisser gebeten, an Schweizers Waden zu fletschen. Nächster Auftritt Geisse-Ruedi, Häuptling der Alpachen Was die SPD oder die Linken abgeht, deutet sich doch bei der Westerdelle an. Der gemeine Pisa-Geschädigte kann gar nicht anders, darum heisst das Stück auch "Der Wähler und sein Henker". Grüsse kosh Geschrieben von: egghat Geschrieben von: HRR, am 25-06-2009 21:51 Geschrieben von: egghat Geschrieben von: HRR, am 26-06-2009 12:18 Geschrieben von: egghat Geschrieben von: physiker, am 29-06-2009 17:19 Artikel kommentierenAkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze |