Verliert der US Dollar seinen Status als Leitwährung?
Donnerstag, 18. Juni 2009
Vergangenen März rüttelte Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan an der Vorherrschaft der amerikanischen Valuta. Jetzt doppelt der russische Präsident Dmitri Medwedjew beim Treffen der BRIC-Staaten in Jekatarinenburg nach und fordert die Schaffung neuer Reservewährungen. Keine Frage, der Zeitpunkt ist günstig für die zwei östlichen Mächte, die amerikanische Leitwährung zur Diskussion zu stellen. Doch ist das realistisch?

Seit mehr als einem halben Jahrhundert gilt der US-Dollar als die wichtigste Währung weltweit. Erreicht wurde dieses Vorherrschaft während des zweiten Weltkrieges als die USA zur unangefochtenen Weltmacht aufstiegen. Zementiert wurde diese Sonderstellung an der Währungskonferenz von Bretton Woods im Jahr 1944. Dort wurde eine neue Geldordnung beschlossen, bei welcher der Dollar definitiv das britische Pfund als Weltwährung ablöste.

Einer der wichtigsten Beschlüsse war die Einführung eines festen Wechselkurssystems, mit dem sich die teilnehmenden Staaten - wenn auch teilweise unter großem Widerstreben (z.B. Großbritannien) - verpflichteten, ihre Wechselkurse an den US-Dollar als Leitwährung zu knüpfen. Gleichzeitig galt die US-Währung fortan mit einer fixen Dollar-Gold-Relation (35 US-$ je Unze Gold) als Weltreservewährung. Doch Russland weigerte sich, dem System beizutreten, was einer der Gründe für die Spaltung Europas war.

Nicht vergessen werden dürfen in diesem Zusammenhang auch die Atombombenabwürfe der Amerikaner auf Hiroshima und Nagasaki vom 6. und 9. August 1945. Begründet wurden die Abwürfe, das Ende des zweiten Weltkrieges zu beschleunigen und damit vielen US-Soldaten das Leben zu retten. Doch aus russischer Sicht liest sich die Geschichte etwas anders. Im April 1945 kündigte der sowjetische Diktator Josef Stalin den 1941 geschlossenen Neutralitätspakt mit Japan auf. Spätestens drei Monate nach dem Kriegsende in Europa wollte Stalin in den Pazifikkrieg gegen Japan eingreifen. Dazu ist es wegen der Bombenabwürfe nie gekommen.

Die Sowjetunion ging damals "nur" als zweiter Sieger von der Weltbühne. Für die Amerikaner war das eine ideale Voraussetzung, um der eigenen Währung die nötige Rückendeckung zu verleihen, denn die Währungsfrage ist nicht zuletzt eine Machtfrage. Der US-Dollar konnte seinen Siegeszug starten, trotz erheblichen Kratzern, weil Richard Nixon 1971wegen den hohen Kosten des Vietnam-Krieges die Möglichkeit aufhob, den Dollar in Gold umzutauschen.

Kommt jetzt also die Chance für den russischen Bären im Schlepptau mit China - der Werkstatt der globalisierten Welt - dem amerikanischen Dollar die Vorherrschaft streitig zu machen? Keine Frage, die Chancen scheinen nicht schlecht zu sein, wenn die in Jekatarinenburg tagenden BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) zusammen spannen.

Seit Anfang Mai fiel der Dollar-Index um knapp elf Prozent. Dieser Index gibt den Kursverlauf gegenüber den Währungen der sechs wichtigsten Handelspartner der USA wieder. Marktteilnehmer sorgen sie sich um die steigende US-Staatsverschuldung. Washington hat für 2009 ein Haushaltsdefizit von rund 1850 Mrd. $ (1300 Mrd. Euro) eingeplant. Insgesamt wird sie 2500 Mrd. $ am Kapitalmarkt aufnehmen.

Berkeley-Professor Eichengreen glaubt jedoch nicht an eine rasche Veränderung. Die Geschichte lehre eher das Gegenteil. Der letzte große Wechsel fand vor mehr als fünfzig Jahren statt, als der Dollar das britische Pfund ablöste. Es sei zudem auch nicht selbstverständlich, dass es immer nur eine einzige Reservewährung gebe, führte Eichengreen aus. In den 20-er- und 30-er-Jahren hätten neben dem Dollar auch noch die Reichsmark und der französische Franc den Reservestatus innegehabt.

Doch auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Lage äusserst heikel. Russland und speziell China gehören zu den grössten Gläubigern amerikanischer Staatsanleihen. Sie können somit an einem Wertzerfall des US Dollars nicht interessiert sein. Zudem ist die USA immer noch der wichtigste Handelspartner der Chinesen. Eine schwache US Währung würde automatisch die Bedingungen für die Exportnation Nummer eins erschweren mit erheblichen innenpolitischen Folgen.

Auch die jetzt wieder vom russischen Präsidenten ins Spiel gebrachten Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds werden kritisch beurteilt. Der Gouverneur der französischen Notenbank, Christian Noyer, der Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank ist, ist nicht überzeugt: "Ich glaube nicht, dass man eine Währung als Reservewährung durch politischen Willen oder administrative Beschlüsse festschreiben kann. Das entscheiden die Kräfte des Markts."

Doch wohin der Markt geht, hängt vorallem von den wirtschaftlichen und machtpolitischen Möglichkeiten ab. Die USA sind angeschlagen, doch ihren Handelspartner geht es auch nicht viel besser. Die kritischen Töne aus Jekatarinenburg werden deshalb kaum zu grossen Veränderungen führen. Die Absicht hingegen, sich von der Dollar-Dominanz zu befreien, werden sie sicher weiter verfolgen. Die im Titel dieses Artikels gestellte Frage kann man also getrost mit Ja beantworten. Doch über Nacht wird das nicht geschehen. Machen Sie sich auf einen Fortsetzungsroman mit vielen überraschenden Wendungen gefasst.
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RSS Kommentare Kommentare (1)

Geschrieben von: Melanie Gatzke, am 26-06-2009 10:45
Zitat:
Kommt jetzt also die Chance für den russischen Bären im Schlepptau mit China - der Werkstatt der globalisierten Welt - dem amerikanischen Dollar die Vorherrschaft streitig zu machen? Keine Frage, die Chancen scheinen nicht schlecht zu sein, -
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Warum nicht, warum soll man nicht auch Öl z. B . in anderen Währungen abrechnen?
Das würde ein Gleichgewicht herstellen zwischen dem Währungen, das Monopol für den Dollar beseitigen.
Wir sind doch auch sonst bemüht, in allem ein "Gleichgewicht der Kräfte" - militärisch und wirtschaftlich zu schaffen.
Warum nicht auch das Dollarmonopol abschaffen, durch eine andere Verechnungseinheit.
Vielleicht bin ich naiv, aber ich würde das begrüßen.
Wir sehen doch derzeit, wo die absolute Dominanz des Dollars hinführt, Geldschwemme ohne Beispiel, Druckerpressen laufen heiß und die ganze Welt muß das Papier nehmen, durch Zahlung mit Dollar für Öl.
Warum sollen Iraner, Araber, Iraker u. alle anderen nicht auch Euro akzeptieren.
Doch , was wird passieren wenn...? Die USA werden das nicht kampflos hinnehmen. Sie werden den Konsum auf Kosten der Welt nie aufgeben.
Im Irak wurde es demonstriert.


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