Bericht 3.Quartal zum US-Derivate-Casino
Freitag, 2. Januar 2009
Die neuesten Daten des US-Rechnungshofes vom Derivate-Casino der US-Banken fürs 3. Quartal 2008 zeigen mit 175,8 Billionen Dollar, ein um -6,3 Mrd. Dollar bzw. um -3% zum Vorquartal geschrumpftes ausstehendes nominales Volumen an!

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Das ausstehende Volumen der Derivate der US-Banken im 3. Quartal 2008 mit „noch“ 175,8 Billionen Dollar. Der leichte Rückgang des Volumens geht auf die Übernahmen im US-Bankensektor zurück, durch welche sich derivative Verträge aufheben. 

Das Volumen der ausstehenden Kreditderivate der US-Banken stieg im 3. Quartal 2008 um +4%. Es betrug 16,1 Billionen Dollar und spiegelt nach wie vor das Absichern von Risikopositionen und ungehemmte Spekulationswut wieder!

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Die US-Banken generierten aus dem Derivate-Casino im 3. Quartal, aus aufgelösten und glattgestellten Positionen einen Erlös von +6 Mrd. US-Dollar.



Die Erlöse aus dem Derivate-Handel betrugen 2006 +18,8 Mrd. Dollar und brachen in 2007 um -70,25% auf +5,5 Mrd. Dollar ein! In den ersten 9 Monaten 2008 sind bis jetzt Erlöse von 8,32 Mrd. Dollar aufgelaufen, dies weist darauf hin, dass die Akteure den Derivate-Markt vorläufig stabilisieren konnten und er nun wieder seiner eigentlichen Funktion, aus Geld Geld zu machen, in der virtuellen entkoppelten Parallelwelt nachkommt!

3. Quartal 2008 +6,0 Mrd.
2. Quartal 2008 +1,6 Mrd.
1. Quartal 2008 +0,72 Mrd.
4. Quartal 2007 -9,97 Mrd.
3.Quartal 2007 +2,3 Mrd.
2. Quartal 2007 +6,2 Mrd.
1. Quartal 2007 +7,0 Mrd.

Bemerkenswert, erstmals seit dem 2. Quartal 2007 wurden auch aus Kreditderivaten wieder positive Erlöse in Höhe von 2,544 Mrd. Dollar erzielt, nach -2,715 Mrd. Dollar im Vorquartal! Der Rechnungshof merkt dazu an: obwohl Banken weiter auf großen Positionen von Kreditderivaten wie ABS-CDO’s sitzen, für die es praktisch keinen liquiden Markt gibt, waren jedoch die Abschreibungen auf diese im 3. Quartal moderat!

Die Bewertungen der Derivate nach Fair Value in den Bilanzen der Banken werden für dieses "Wunder" verantwortlich sein.

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Der Anteil von Zinsderivaten liegt bei knapp 78%, gefolgt von den Währungsderivaten mit 10,5%, dann kommen schon die risikovollen Kreditderivate mit 9,2%, davon 99% in Form von Credit Default Swaps (CDS).

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Die Aufteilung des Volumens, Aktienderivate mit 1,6% und Rohstoffderivate mit einem Anteil von 0,6% nehmen ein geringen Anteil im Derivate-Casino ein!



Erschreckend ist weiterhin die Konzentration der Derivate auf wenige Player mit unglaublich hohen Positionen. 170,363 Billionen Dollar der 175,8 Billionen Dollar an ausstehenden Derivate-Volumen halten die 5 Big Player, JP Morgan Chase, Bank of America, Citigroup, Wachovia und die HSBC-USA. Diese fünf großen Geschäftsbanken stemmen 96,9% des Derivate-Volumens und 87% des Netto-Kreditrisikos. Das Total Credit Exposure to Risk Based Capital (Kreditrisiko zu Eigen- und Ergänzungskapital Tier 1 und Tier 2) liegt bei den Top 5 im Durchschnitt bei 317,4%! Bei der Derivate-Monsterbank JP Morgan Chase liegt das Verhältnis sogar bei unglaublichen 400,2%!

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Zum Vergrößern hier klicken! Die Aufteilung der Derivate auf die Top 25 US-Banken. Das Volumen der Derivate von JP Morgan Chase beträgt 87,68 Billionen Dollar, davon 9,18 Billionen Dollar an Kreditderivaten. Zweiter im Zockerparadies ist die Bank of America mit einem Gesamtvolumen von 38,68 Billionen Dollar, davon 2,48 Billionen Dollar Kreditderivate. Die Citigroup folgt mit 35,64 Billionen Dollar Derivate-Volumen davon 2,94 Billionen Dollar Kreditderivate..

Auf den ersten Blick scheint sich die Masse der Derivate-Positionen gegeneinander aufzurechnen, gemessen an dem gigantischen Volumen! Die Erträge sind nur moderat und die offenen Positionen werden in den Bilanzen der Banken nach Fair Value bewertet, wie ist offen! Das Total Credit Exposure (Summe aus PFE und NCCE) gibt der Rechnungshof mit gewaltigen 1,319 Billionen Dollar an. Das Potential Future Exposure (PFE-zukünfige Kreditrisiken) wird mit 883,9 Mrd. Dollar angegeben. Das Netted Current Credit Exposure (NCCE), nach dem gegenseitigen Aufrechnen der Verbindlichkeiten ist um +7% zum Vorquartal und um beachtliche +73% zum Vorjahresquartal auf 435,43 Mrd. Dollar gestiegen.

Das Counterparty Risk (Gegenparteirisiko) steigt, wenn nur wenige große Player sich als Market Maker den volumenschweren Kreditderivate-Markt teilen. Wenn eine der Top 5 Banken als Gegenpartei durch Zahlungsunfähigkeit bzw. Insolvenz ausfallen sollte, wird der Dominoeffekt über die Derivate einsetzen und die Welt in eine bisher in ihrem Ausmaß unbekannte Krise stürzen. Besonders ungesund ist die Anhäufung des Kreditderivate-Volumens in Höhe von 9,18 Billionen Dollar nur bei von JP Morgan Chase! Das Netting bei JPM, nach dem Aufrechnen aller derivativen bilateralen Verbindlichkeiten beträgt gewaltige 163,9 Mrd. Dollar!

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Das Volumen der Derivate der TOP 3 US-Banken nach den Daten vom Comptroller of the Currency (OCC’s) im Verhältnis zum nominalen BIP der USA und dem nominalen Welt-BIP, der Summe aller erwirtschafteten Waren, Güter und Dienstleistungen.

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Wie das spekulative Monster zuschlagen kann, zeigt das Kreditderivate-Desaster des ehemals größten Versicherungskonzerns der Welt, der American International Group (AIG). Die AIG musste aus ihrem 492,8 Mrd. Dollar Kreditderivate-Portfolio gewaltige 31,1 Mrd. Dollar abschreiben. Um u.a. auch den Verpflichtungen aus den derivativen Verträgen weiter nachkommen zu können, hat die AIG insgesamt 152 Mrd. Dollar aus dem US-Rettungspaket und von der US-Notenbank in Anspruch nehmen müssen. 



Der Derivate-Markt ist eines von mehreren Ponzi Schemes die unser Finanzsystem kennzeichnen. Mit Hilfe der Derivate wurden Risiken jeglicher Art vermeintlich abgesichert, real aber bis zur Unkenntlichkeit verschoben. Im Verlauf des Booms der Finanzmärkte etablierte sich ein irrationaler Überschwang quer durch viele Anlageklassen, der in einer rein spekulativen Ponzi-Finanzierung mündete, die Vermögenswerte stiegen und damit nahm auch die vermeintliche Bonität der potentieller Schuldner zu. Die realistische Wahrnehmung von Risiken nahm im Gegenzug rasant ab. Finanzinstitute intensivieren ihre Kreditvergabe, zur Absicherung wurden u.a. aberwitzige Schneeball-Volumen an Kreditderivaten getätigt. Vor den Kreditrisiken welche dann in einer Kreditkrise mündeten, hat der Derivate-Wahn nicht geschützt, im Gegenteil gerade die Kreditderivate sind selbst ein Risiko, da sie das potentielle Ausfallrisiko einer Gegenpartei in sich tragen!

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Quelle Daten und Grafiken: PDF Q3 Derivatebericht Occ.treas.gov, Presentation AIG Seite 13

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