| Stochern im Aktiennebel |
| Montag, 1. Dezember 2008 | |
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Das stärkste Signal Aktien zu kaufen hatte Teun Draaisma vor vier
Wochen entdeckt. Die "full-house"-Indikatoren hätten fast einen
perfekten Track Record (Leistungsnachweis), schrieb der Morgan
Stanley-Analyst und sorgte damit in Finanzkreisen für Hoffnung in den
allzu trüben Börsentagen. Inzwischen hat Draaisma die Karten neu
gemischt und versucht sein Glück mit einer neuen Strategie. Neues Spiel, neues Glück. In historisch aussergewöhnlichen Zeiten werden auch die Kristallkugeln von den Börsenpropheten etwas öfters neu poliert und jedesmal blickt ihnen ein neues Szenario entgegegen. Das ist nicht nur für die bezahlten Marktschreier im Solde der Geldhäuser wie Draaisma frustrierend, auch deren Gefolgschaft hätte es gerne etwas beständiger in den schon sonst nervenaufreibenden Zeiten. Doch geschont wird niemand. Die Finanzmärkte verweigern sich den Wünschen der Investoren und schlagen munter Purzelbäume. Geduld sei nun eine gefragte Tugend, schreibt Draaisma und Cash die beste Anlage in Bärenmärkten. Aktien gewichtet er auf neutral von zuvor übergewichten - nicht etwa, weil er Aktien für teuer hält, sondern weil die Aktienmärkte zu Uebertreibungen neigen. Nachdem sie zuvor überbewertet gewesen seien, geht er neu davon aus, dass das Pendel nach unten überschiesst. Einen Bullen-Markt erwartet er erst ab der zweiten Hälfte des nächsten Jahres und nicht früher. Turbulent sind die Märkte aber nicht nur für die Aktienanalysten, auch solide Unternehmensdampfer spüren in den stürmischen Zeiten den erhöhten Wellengang. Nach Ansicht eines Londoner Bankers müsse der am Basler Rheinknie beheimatete Pharmakonzern Roche für die Vollübernahme von Genentech vermutlich auf den Anleihenmarkt zurückgreifen, schreibt Reuters. Der auf 45 Milliarden Dollar geschätzte Betrag sei für den Markt derzeit schlicht zu gross. Kreditwürdig wäre Roche an sich schon, das sei nicht das Problem, hiess es weiter. Das Problem liege in den Bankbilanzen. Derzeit sind die grossen internationalen Banken mit der Verkürzung ihrer Bilanzen beschäftigt und zögern mit der Vergabe von Krediten. Vor dem Jahresende würde eine Anleihe aber auch schwer zu platzieren sein. Vor allem könnte das teuer werden. Gezögert haben die Banken auch bei Stewo, einem Hersteller von Weihnachts-Geschenkpapier. Der in der Zentralschweiz gelegene Konzern muss ausgerechnet in der Adventszeit seinen Betrieb einstellen. Die NZZ schreibt dazu: Die Kreditsituation des Unternehmens hatte sich seit einigen Monaten verschärft und mündete schliesslich in der Kündigung sämtlicher Darlehen, wie die Stewo schreibt. Als Lösungsalternative sei vom Verwaltungsrat der Verkauf des Unternehmens angestrebt worden. Die Verhandlungen hätten zwar zu einem unterschriftsreifen Vertrag geführt. Dieser habe in letzter Minute aber nicht unterzeichnet werden können, weil die involvierten Banken eine Finanzierung verweigert hätten. Und so gehen die Meldungen munter weiter, egal wo man auch hinschaut. Die Gnadenzeit ist auch mit dem ersten Adventstag nicht angebrochen. Der Docht ist einfach zu feucht und der Schwefelgeruch, der sich beim erfolglosen Entflammen der Kerze breit macht, wird immer bedrohlicher. Ich habe keine Ahnung, wie diese Geschichte ausgehen wird, nur bin ich damit nicht alleine, Draaisma lässt grüssen. Geschenkpapier-Herstellerin Stewo muss Betrieb einstellen Roche kann Genentech nicht nur mit Kredit finanzieren Full house buy signal turns red |