| Zeit zu sparen |
| Donnerstag, 14. August 2008 | |
|
Der nächste große Trend, liebe Leser!
Er kommt, denn Verbraucher, und ganz besonders die Baby-Boomer, stehen kurz davor ihre Sichtweise auf die Dinge zu verändern. Und wenn Bernanke und Co feststellen, was vor sich geht, dann werden sie den neuen Trend genauso begrüßen, wie die Einwohner von Atlanta Sherman begrüßt haben. Der Krieg ist die Hölle", sagte der General der Yankees, ehe er die Stadt in Schutt und Asche legte. Genauso ist es mit den Korrekturen. Die Verkaufszahlen des Einzelhandels stagnieren", hört man auf den Straßen, laut Bloomberg. Ich habe das natürlich schon gewusst. Restaurants servieren weniger Mahlzeiten, die Malls verlieren ihre Kunden, die amerikanischen Autohersteller verzweifeln an der Aufgabe, die Fahrzeuge von ihren Höfen zu bekommen. Die Großen Drei fürchten den Konkurs", heißt es in einer Schlagzeile von CNNMoney. Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Korrektur zu spielen, wie ich zuletzt erwähnte (oder vergessen habe zu erwähnen?) Man kann Schnäppchen suchen, während die Anleger versuchen, ihre verlierenden Posten zu verkaufen. Oder man macht Ferien. Liest Krieg und Frieden... auf Russisch. Ich nutze die zweite Möglichkeit. Ich mag es, wenn ich nichts tue. Es gibt mir Zeit, um nachzudenken. Viele Investoren meinen jedoch, dass sie es mit den besten Möglichkeiten ihres Lebens zu tun haben. Viele sehen beispielsweise Fannie und Freddie und sie erinnern sich an die Zeiten, als die Aktien noch für mehr als 60 Dollar getradet wurden. Was ist das heute für ein Schnäppchen", sagen sie zu sich. Oder blicken Sie zur Wall Street. J P Morgan, Lehman Brothers, Bear Stears... sie alle verkaufen mit großen Preisnachlässen. Und vergessen Sie nicht die Heimwerker. Die Bauunternehmer waren die ersten, die Schläge einstecken mussten. Ihre Aktien wurden ausverkauft, die Anleger haben binnen weniger Monate Milliarden verloren. Aber werfen sie jetzt mal einen Blick auf diese Bauunternehmer - Hey, vielleicht kehren sie ja zurück. Kein Mut, kein Ruhm", Los, holt es euch." Gestern hat eines der größten Bauunternehmen, DR Horton einen Verlust von 400 Millionen Dollar im dritten Quartal bekannt gegeben. Wenn es auch möglich ist, dass wir im Immobiliensektor bereits das Schlimmste hinter uns haben, dann ist es doch auch möglich, dass der Immobilienbereich niemals mehr zurückkehren wird - zumindest nicht, solange wir leben. Und auch die Wall Street nicht. Und die Schnäppchen könnten, mit anderen Worten, zu Fallen für die Ahnungslosen werden. Wie ist das möglich? Ich werde es erklären.
Was in den zehn Jahren zwischen 1997 und 2007 passierte, war ein Irrweg, ein unnatürlicher Wahnsinn, der durch das seltene Zusammentreffen verschiedener Absurditäten hervorgerufen wurde. Das dollarbasierte Finanzsystem... der Zusammenbruch der Dotcoms... der 11. September... die exportwahnsinnigen asiatischen Ökonomien... Alan Greenspan - sie alle wirkten zusammen, und es kam zu dem großen Anlauf auf die Immobilienpreise und die Verbraucherschulden. Diese beiden Umstände arbeiteten wie Butch Cassidy und das Sundance Kid zusammen. Der eine hielt die Schusswaffe an den Kopf des Bankverwalters, der andere räumte die Schatzkammer leer. Die Verbraucher waren in der Lage, gewaltige Geldsummen zu leihen, denn ihre wichtigste Sicherheit - ihre Häuser - stiegen im Wert. Und mit diesen zusätzlichen Krediten waren sie in der Lage, mehr Häuser zu kaufen. Aber diese beiden Desperados erfuhren ihr Ende, heißt es, wie Che Guevara, der von den Bundespolizisten aus Bolivien niedergestreckt wurde. Und wenn sie einmal tot sind, dann sind sie auf ewig tot. Und genauso vermute ich, dass die Blase bei Immobilien und bei der Kreditvergabe vorbei ist. Wenn nicht für immer, so doch für eine lange Zeit. Kredit- oder Zinszyklen tendieren dazu, lange zu dauern - ungefähr so lang wie die Karriere eines Investors. Hochgradige Erträge haben 1920 den Gipfel erreicht und sind dann bis nach dem Zweiten Weltkrieg gefallen. Und dann sind sie wieder gestiegen, die nächsten 35 Jahre lang. Seit 1981 sind sie wieder gefallen.... Mindestens 22 Jahre lang... vielleicht noch länger. Die eine Generation ist überzeugt davon, dass die Zinssätze ewig steigen, die nächste ist sich sicher, dass sie auf ewig fallen werden. Die eine denkt, es wird immer leichter, der andere denkt, dass sie nie wieder in der Lage sein wird, einen weiteren Dime zu leihen - und es auch nicht will. Eine Generation vergisst, was die Generation vor ihr gerade erst gelernt hat. Und das ist ein Kreditzyklus. Aber was hat der amerikanische Verbraucher während des letzten Kreditzyklus gelernt? Was lernt er heute? Eine der sichersten Möglichkeiten, in den vergangenen 10 Jahren Geld zu verdienen, bestand darin, sich ein Haus zu kaufen. Ganz besonders die Baby-Boomer sahen in einem Haus das Gleiche wie eine Rücklage für den Ruhestand. Die Häuser würden immer im Preis steigen, das wussten alle. Und wenn man genug Häuser hatte, dann brauchte man auch kein Geld mehr auf der Bank. Eine verbreitete Planungsweise für den Ruhestand war, dass man ein zweites Haus am Strand kaufte, wenn man zwischen 40 und Ende 50 war. Und wenn man dann bereit war, in den Ruhestand zu gehen, dann konnte man das Haupthaus verkaufen. Aber an dieser Stelle kommt der nächste Große Trend ins Spiel. Die Baby-Boomer mussten plötzlich feststellen, dass ihre Häuser doch nicht das Gleiche sind wie Ersparnisse. Und sie mussten sich plötzlich mit der Vorstellung auseinander setzen, dass sie ihren Ruhestand in einer Welt der einbrechenden Immobilienpreise würden finanzieren müssen... und das bei steigenden Kosten.
Was sollen sie nur tun? Zuerst werden sie gezwungen sein, wieder mit dem Sparen anzufangen. Das wird ihnen nicht gefallen. Aber sie werden keine Wahl haben. Sie brauchen das Geld für den Ruhestand. Und die einzige Möglichkeit, es zu bekommen, besteht darin, ihre Ausgaben zu reduzieren und mehr zu sparen. Ich weiß, was Sie jetzt denken, liebe Leser. Sie denken: Das wurde aber auch Zeit." Genauso denke ich auch. Die Amerikaner brauchen ganz dringend Rücklagen... Kapital... Ressourcen. Aber ich denke auch noch etwas anderes - dass die amerikanische Wirtschaft der vergangenen 20 Jahre auf den überzogenen Verbraucherausgaben basierte. Die Sparrate fiel von ungefähr 9% des Bruttoinlandsproduktes auf Null. Heute wird, falls sie in die andere Richtung geht - und das muss sie meiner Ansicht nach - ein Rückgang der Verbraucherausgaben die schlimmste Rezession seit den Dreißigern hervorrufen. Ich sage das nicht nur, um zu provozieren. Ich kann zwei und zwei zusammenzählen. Ziehen Sie 9% von einer Ökonomie ab, die um vielleicht 2% wächst. Machen Sie das ungefähr 10 Jahre lang (Die Boomer müssen schließlich nicht nur ein Jahr lang sparen... sie müssen jedes Jahr sparen.) Sicher, es ist nicht ganz so einfach. Wenn Geld gespart wird, dann verschwindet es nicht einfach. Ein Teil davon wird in die Wirtschaft re-investiert, und das bringt mehr Arbeitsplätze und mehr Produktion... und Wachstum. Aber es braucht Zeit, ehe man eine Verbraucherwirtschaft in eine ausgeglichenere Wirtschaft verwandelt hat. Und es braucht Zeit die Schulden abzuzahlen... und die Fehlentscheidungen abzuschreiben. In der Zwischenzeit hat man eine Wirtschaft, die über eine lange Zeit rückwärts läuft. Und die auf ihrem Weg vielleicht auch über etwas stolpert. Ach... bin ich froh, dass ich heute nicht die Zeit habe, solche Fragen zu beantworten. Ich komme später darauf zurück. |