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Zwanzig Prozent auf alles |
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Montag, 6. Oktober 2008 |
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Seite 1 von 2 (...ausser auf Tiernahrung)
Von den Beruhigungspillen, die ich seit Tagen verabreicht bekommen
habe, schaue ich noch ganz benommen durch die Gegend und erspähe
komische Kurse von DAX, Dow & Co. Irgendwie war die Dosis
vielleicht zu hoch, doch ich sehe fallende Kurse. Früher hieß es nach
einem solchen Rutsch schnell, dass die Schnäppchenjäger unterwegs sind.
Davon war heute kaum die Rede.
Die Börse ist heute sowieso nicht mehr vergleichbar mit früher. Im
achten Jahr des dritten Milleniums geht es nicht um Über - oder
Unterbewertung von Aktien, sondern um das Zurückzahlen von Kredit und
letztlich auch das Überleben von großen Playern. Thyssen, Daimler,
Commerzbank, K+S und Siemens wurden heute prozentual doppelstellig
zerrissen. Und dabei haben die doch nicht mal eine Gewinnwarnung
geschickt. Es war wie bei Praktiker - 20% auf fast alles. Hier sprach
der Preis.
Ziemlich spät, aber immerhin - der Staat gibt eine
Garantie für alle privaten Bankeinlagen. Über eine Billion Euro machen
die immerhin aus. Damit wäre der Einlagensicherungsfonds doch
eigentlich hinfällig und manch Pressevertreterin dieser Organisation
müsste nicht mehr so umwerfend hilflose Interviews geben, die eher
einen Bank Run auslösen, als die Gemüter zu beruhigen. Das spart Geld
und wohl auch Geduld beim Ausfüllen der Formulare. Das ist aber nicht
die Frage. Es geht letztlich darum, dass Lisa Müller nicht auf die Bank
rennt und das Geld abholt, weil sie weiß, der Meyer von gegenüber bürgt
mit seinen Steuergeldern dafür. Und für den Meyer ist es auch
beruhigender, wenn die Lisa nicht rennt, dann muss er nämlich auch
nicht rennen. Lisa zahlt auch (vielleicht) Steuern. Für den Fall einer
Bankpleite tun wir das doch gerne. Dass aber der Steuerzahler, Lisa und
ich auch noch die Garantie für windige Bankmanager übernehmen, das
schlägt dem Fass den Boden aus. Es ist einfach ungerecht, dass ich
Herrn Funke & Co. den Hintern retten soll, wenn er brennt. Und das
tut er offenbar. Lichertloh.
Es ist zudem ungerecht, dass Otto
Normal mit seinen Steuern den Kopf hinhalten muss, wenn eine aus
Steuergründen nach Irland geflohene Depfa nun nach dem deutschen
Steuerzahler schreit. Erkläre das mal einer meiner Oma! Das schafft
kein Vertrauen, es frustriert. Es zeigt auch, wie blind die Regierenden
Dinge zugelassen haben in der Hoffnung, sie funktionieren auch noch in
Ewigkeiten. Doch woher sollten sie es besser wissen? Wenn ich sie in
Interviews sehe, sind die meisten doch recht hilflos und nicht die
Finanzprofis, die ich erwartet habe. Das hat sich doch auch wunderbar
ausnutzen lassen. Wozu gab es schließlich Lobbygruppen, die den
Entscheidern nicht nur Rosenwasser in die Augen spritzen, sondern auch
noch kostenlose Augenklappen lieferten?
Nun ist das Kind in den
Brunnen gefallen. Die Rückabwicklung läuft. Der DAX ist nach
derzeitigen Bewertungen nicht teuer, im Gegenteil. Ist er das? Ich weiß
es nicht, aber ich vermute es. Zumindest ist er fast 3000 Punkte
niedriger als vor einem Jahr. Teuer wäre es nur, wenn der Kreditmarkt
nicht wieder auf die Beine kommt. Kommt er das? Ich weiß es nicht. Doch
nicht nur die HRE muss ich refinanzieren, der Rest der Wirtschaft auch.
Wer kräht schon nach einem Mittelständler, der schon bald über die
Kreditklinge springt. Leider.
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