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Sonntag, 18. Mai 2008
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Wie sich die Zeiten ändern
Seite 2


Geschichte wiederholt sich nicht – aber sie reimt sich

Eine alte Weisheit sagt, dass man Fehler nur mit noch größeren Fehlern verdecken kann und einen Betrug mit nur einem noch größeren. Geschichte ist zwar unterschiedlich auslegbar, doch unbestechlich. Das alte Rom zeigte schon, dass es durch die Verschlechterung seines Geldes ähnliche Probleme wie wir heute. Inmitten des Chaos standen nur die Schafe auf den Wiesen am Tiber und fraßen ganz glücklich gemütlich ihr Grünzeug. Rom hatte die beste Zeit längst hinter sich. Nach dem Größenwahn folge der Abstieg in die Normalität. Warum sollte die Geschichte eine andere Lektion mit uns vorhaben? Als Rom auf seinen Zenit stand, war der Weg vorgezeichnet - bergab. Doch die Schafe machten sich darüber recht wenige Gedanken, denn das Gras blieb grün.

Der Kaiser ist nackt

Ich vermute, dass Amerika den Zenit längst überschritten hat. Andere Länder werden dem heute morschen Empire den Rang ablaufen. Bis dahin werden auch Dinge geschehen, bei denen sich die Götter vor Lachen auf die Schenkel klopfen und die wir später unter der Rubrik „kurios“ im Internet finden. Der Kaiser entblättert sich mehr und mehr. Schon in den Zeitungen liest man, dass sein löchriges Gewand Blicke auf unappetitliche Dinge preisgibt. Die offiziellen und mit nichts in der Realität standhaltenden Statistiken sind solche Löcher im Kleid des Kaisers. Dazu gesellen sich 10,8 Mio. Hungernde im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Seit 2006 sind es offiziell Menschen mit „sehr geringer Nahrungssicherheit“ und damit ein weiteres Loch im kaiserlichen Kittel.

Ich frage mich unterdessen, was mit diesem vielen neu geschaffenen Geld passiert. Nach der Rettung von Bear Stearns war klar, dass man sich für die Variante des Gelddruckens entschieden hat. Wie immer. Das ganze Geld ist gar kein Geld, sondern Kredit, dessen Leistung erst noch erbracht werden muss. Zins und Zinseszins sorgen für seine Vermehrung, niedrige Zinsen versuchen den Vorgang des Exponentialwachstums abzubremsen. Auch das alte Rom hatte dieses Problem. Der Trick der Geldvermehrung bestand damals in der Verschlechterung der Münze. Dem Gold und Silber wurden unedle Metalle beigemischt. Das Ergebnis ist bekannt. Nichts anderes passiert heute.

Ach ja. Die Schafe am Tiber. Auf ihren grünen Wiesen haben sie sich über diese Dinge keine Gedanken gemacht. Manchmal meine ich, wir werden von denen, die es wissen oder ahnen auch für solche gehalten.


Frank Meyer ist Moderator bei n-tv
blog.frank-meyer.tv

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RSS Kommentare Kommentare (2)

Geschrieben von: Nanuk, am 19-05-2008 08:03
Das Monster existiert schon seit dem es Homo Sapiens auf dem Planeten gibt.Er ist das Problem sie ich wir alle sind Monster getrieben von der Gier nach Leben.

"Aber, im Ganzen genommen, liegt, wie längst gesagt ist, die Welt im Argen: die Wilden fressen einander und die Zahmen betrügen einander, und Das nennet man den Lauf der Welt"
Arthur Schopenhauer

Wiedersprochen haben Arthur Schopenhauer viele aber rechtbehalten hat bis zum heutigen Tag er. :sigh

Geschrieben von: Nanuk, am 19-05-2008 08:19
Wer es nicht glaubt.

Diese Gier ist genau der Impuls, der
den Menschen auf den Weg der wirtschaftlichen Ver-
besserung führt. Es ist keine Tugend, mit dem zufrieden
zu sein, was man hat oder leicht erwerben kann und
apathisch von irgendwelchen Versuchen, seine eigenen
materiellen Verhältnisse zu verbessern, abzusehen. Eine
solche Einstellung entspricht eher dem Verhalten von
Tieren als dem Betragen von vernünftigen Menschen. Es
ist eine der charakteristischen Eigenschaften des Men-
schen, unentwegt bemüht zu sein, seine Wohlfahrt durch
zielbewußte Tätigkeit zu fördern.

Ludwig von Mieses "Die Wurzeln des Antikapitalismuss"


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