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Wie sich die Zeiten ändern |
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Sonntag, 18. Mai 2008 |
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Seite 1 von 2 Jeden Tag neue Erfolgsmeldungen: Die Finanzkrise wird zu Grabe getragen, die Börsen steigen wieder. Es macht sich so etwas wie Optimismus breit. Doch auch Plastikblumen machen aus grauen Steingärten keine Oase. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit bleiben doch gewisse Unterschiede, vor allem an den Finanzmärkten.
Früher hatten man vor Notenbankern noch Respekt. Sie waren die Herren des Geldes und der Zinsen. Heute sind es die Gejagten. Früher schufen Politiker Vertrauen, heute verspielen sie es. Vor Jahren war es richtig, Geld für magere Zeiten zur Seite zu legen, heute ist Sparen längst keine Tugend mehr. Sparen wich dem Konsum zum Teufel komm raus. Wozu auch sparen, wenn die Teuerung als unbarmherziger Sensenmann heimlich um die Lohntüten schleicht. Ein Job als Automechaniker ist heute längst keine Garantie mehr dafür, vom Lohn auch leben zu können. Vor ein paar Jahren wurden Fehlentwicklungen noch bereinigt. Heute aber stellt man sicher, dass die Abrechnung für die Schlendriane um Monate oder Jahre verschoben wird. Unterdessen rutscht die US-Realwirtschaft in eine Rezession. Inoffiziell ist sie längst dort angekommen. Der Konsument ist statistisch gesehen pleite. Das Land auch.
Die Zähmung des „Monsters“
Bundespräsident Horst Köhler hat die Banken hart kritisiert. „Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte“. Die Finanzmärkte hätten sich „zu einem Monster entwickelt, das in die Schranken gewiesen werden muss“, sagte er dem Magazin Stern. Dabei wundere ich mich, dass der frühere IWF-Direktor erst jetzt solche Töne anschlägt. Schon zu seiner Amtszeit hätte es doch solcher Warnungen bedurft und vor allem auch Taten gegen diesen aufkeimenden Unfug. Inzwischen ist das „Monster“ gar nicht mehr zu bändigen. Wollen die Banken überleben, müssen sie wachsen und damit das Monster. Das ergibt sich aus der Funktion und Wirkungsweise des Geldes. An den Finanzmärkten folgte in den letzten Jahren ein Monster dem nächsten. Nach der Internetblase kam die Häuserblase. Auch das Anleihe-Monster ist weltweiten 75 Billionen US-Dollar Größe auch nicht gerade ein Zwerg. Dazu gesellt sich das 600 Billionen US-Dollar große Derivatemonster. Um diese alle zu bändigen, füttert man sie mit dem, was sie erst so groß hat werden lassen - mit neuem Geld und niedrigen Zinsen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Banker und Konstrukteure dieser Anlageklassen das Thema und die Produkte überhaupt verstehen. Es ging um Rendite und es wird zukünftig um mehr Rendite gehen. Wer auf Einsicht und Abkehr hofft, glaubt auch an Grimms Märchen. Und dass dies alles keinen Bezug mehr zur Realwirtschaft hat, versteht sich von selbst und ist erschreckend genug.
Natürlich hat sich die Finanzwelt mächtig blamiert. Viele ihrer Manager haben durch ihre exorbitant hohen Gehälter und Abfindungen ihre Schäfchen in Trockene gebracht. Glauben Sie, es interessiert sie, worüber Herr Köhler so treffend schimpft? Ein „klar vernehmbares Mea Culpa“, auf das Herr Köhler nun wartet hätte die Wirkung eines umfallenden Reissackes in China. Die Frage wird bleiben, ob es überhaupt ein noch größeres Monster geben kann, als das, welches die Finanzwelt an den Abgrund schickt. Ich befürchte schon. Es heißt Inflation. Wer keine Statistiken versteht, diese Zahl spürt man. Dieses Inflationsmonster ist gerade dabei, sich zu seiner wahren Größe zu entwickeln.
Doch ohne Zutun unserer Notenbanker würde sich die Welt jetzt in ganz anderen Bahnen bewegen. Selbst am Wochenende und tief in der Nacht leisten die Geldmaschinen Überstunden. Normale Finanzmärkte sind das nicht. Der amerikanische Finanzminister sieht jetzt das baldige Ende der Finanzkrise und das Licht am Ende des Tunnels. Vielleicht sind es auch nur die Scheinwerfer des entgegenkommenden Schnellzuges. Bislang ist jedenfalls punktgenau das Gegenteil von dem eingetroffen, was Paulson prophezeite. Armer Hank.
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