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Donnerstag, 14. August 2008
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Mehr Schatten als Licht
Seite 2
Alles Geld der Welt, oder das, was man heute als Geld bezeichnet, hat es sehr eilig, eiliger noch als vor wenigen Monaten. Es fragt sich ständig, wohin es strömen kann, am liebsten in einen Hafen mit etwas Rendite oder Preiszuwachs und etwas Schutz vor dem Sturm der Kreditkrise. Dabei hat es nur die Wahl zwischen Liegeplätzen, an denen es mehr oder weniger stark nach altem Fisch riecht. Und an den Hafenbecken stehen viele Leute aus Politik und Wirtschaft und kippen irgendwelche Parfümflaschen aus. Der perfekte Gestank, die perfekte Verwirrung.

Im Euroland scheinen die Billionen wohl schlecht zu ankern, denn es riecht nach Rezession. Warum ausgerechnet der Dollar jetzt steigt, versteht auch niemand. Amerika hat schon seine Rezession. Und das ist nicht das einzige Problem im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Die zu 70 Prozent von der Kauflust und Kaufkraft der Verbraucher ausgerichtete Nation ist finanziell ausgelaugt.

Steuerschecks haben in den letzten Wochen zwar noch Schlimmeres verhindert, doch was bewegt schon ein Steuerscheck über 600 USD bei einem Bürger der durchschnittlich mit Tausenden in der Kreide steht und dessen meist finanzierter Besitz im Finanzfegefeuer brennt? Doch die Frage wird sein, ob das Ausland die US-Verschuldung auch künftig noch finanzieren wird. China, Russland, Japan und reiche Ölländern haben als größte Gläubiger der USA nicht nur einen strategischen Vorteil, sie beginnen diesen inzwischen auch auszuspielen. Sie bräuchten bloß den Geldhahn etwas abdrehen oder nur damit zu drohen, und schon zeigt sich, wie abhängig die USA inzwischen geworden sind und damit auch verletzlich. Das Wohl oder Wehe bestimmen nun andere. Eine missliche Lage.

Doch ach, die Probleme sind sogar noch größer, auch wenn es nach wie vor reichlich gute Worte gibt wie Parfüms beim Discounter. Der süße Geruch schwerer Düfte durchzieht die Sätze wichtiger Leute und auch die wirtschaftlichen Rahmendaten. Finanzminister Henry Paulson sprüht gerne aus verschiedenen Flakons, der Präsident hält andere bunte Flaschen bereit. Was nicht passt, wird passend gemacht. Inzwischen korrigiert man später alles noch einmal, wie unlängst geschehen bei den BIP-Daten. Für ein paar Tage mag der Dollar steigen. Aber was kommt danach? Das Geld wird wieder auf Reise gehen wollen, aber mit welchem Ziel?

Die Zeiten des Wachstums sind nun auch in Europa vorbei. Ja, die deutsche Wirtschaft ist im 2. Quartal um 0,5% geschrumpft, ebenso die französische, wenn auch etwas geringer. In anderen Ländern ist die Lage noch angespannter. Beängstigend ist die Geschwindigkeit, mit der die Ökonomien schrumpfen. Die EZB, die Regierungen und vor allem die Bürger sehen sich steigenden Preisen und sinkender Wirtschaftsleistung ausgesetzt. Auch in Japan fiel die Betriebstemperatur im abgelaufenen Quartal unter den Gefrierpunkt. Der Weg für staatliche Konjunkturprogramme wäre nun eigentlich weltweit frei. Die nächste olympische Disziplin könnte ein Abwertungswettkampf der Währungen sein.



 
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