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Vom ersten Weltkrieg zur Weltwirtschaftskrise - Teil 2 |
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Seite 1 von 2 Das größte Problem bei der Kriegsführung ist
die Bewältigung des enormen Kapitalbedarfs. Üblicherweise verschulden
sich die kriegsführenden Parteien deswegen während des Krieges und
hoffen die immensen Kosten nach dem Krieg auf die Besiegten abwälzen zu
können. Auch Deutschland setzte siegessicher auf eine Schuldenübernahme
durch die Feinde und hatte bereits zu Kriegsbeginn am 4. August 1914
den bis dato gültigen Goldstandard aufgehoben. Das bedeutete, dass die
Landeswährung nicht mehr durch Gold- oder Devisenreserven abgesichert
und Papiergeld ohne Deckung ausgegeben werden konnte. Auch
Kriegsanleihen und Schatzanweisungen, die die Bevölkerung zeichnete,
hatten keine Sicherheit mehr. Aus diesem Grund stieg die umlaufende
Geldmenge während des Krieges stetig an und erreichte bis 1918 bereits
das Fünffache von 1914. Bis Kriegsende hatten staatlich festgesetzte
Preise für Lebensmittel, Rohstoffe oder andere Erzeugnisse allerdings
eine Inflation vermieden. Dies änderte sich aber mit der Rückkehr der
freien Marktwirtschaft schlagartig.
Durch den verlorenen Krieg
schlitterte Deutschland in eine prekäre Situation. Neben den
Kriegsschulden in Höhe von 154 Milliarden Mark, drohten immense
Reparationsforderungen der Alliierten und nicht absehbare
Kriegsfolgelasten, wie z.B. die Versorgung der Invaliden und
Hinterbliebenen, die Bezahlung des Wiederaufbaus sowie die
Wiedereingliederung der heimkehrenden Soldaten in die Wirtschaft. Als
erste Reaktion beschloß die Regierung im Jahr 1919 eine
Reichsfinanzreform, die wesentlich höhere Steuereinnahmen vorsah. Um
den Staatsbankrott zu vermeiden, wurden zudem weitere Darlehen von der
Reichsbank angefordert, die ihrerseits durch Neuausgabe von Banknoten
finanziert wurde. Damit trieb die Regierung den Prozeß der
Geldentwertung immer weiter voran und ebnete so den Weg, der wenige
Jahre später zur Katastrophe führen sollte.
Die frühen 20er
Jahre waren bereits durch hohe Inflationen und Instabilität gezeichnet.
Die Lebenshaltungskosten in Deutschland betrugen 1921 bereits das
Zwanzigfache im Vergleich zur Vorkriegszeit und die politische Lage war
angespannt. Seit der Ausrufung der Weimarer Republik am 9. November
1918 und des Thronverzichts Kaiser Wilhelm II. litt das Land ständig
unter neuen Protestwellen und Streiks. Zudem sorgte der Versailler
Vertrag vom 28.Juni 1919 für Zündstoff. Der Friedensvertrag des Ersten
Weltkrieges war nur aufgrund des großen Drucks der Alliierten
unterzeichnet worden. Wesentliche Inhalte waren große
Gebietsabtretungen und eine noch nicht genau festgelegte Summe als
Reparationszahlung. Deutschland verlor dadurch ein Siebtel seines
Gebietes (u.a. Oberschlesien, Posen, ein Großteil Westpreußens, das
Memelland, Elsass-Lothringen und Eupen-Malmedy sowie alle Kolonien) und
ein Zehntel seiner Bevölkerung. Wirtschaftlich wog dabei besonders
stark der Verlust von einem Drittel seiner Kohlenvorkommen und drei
Viertel seiner Erzvorkommen. Auch politisch war die Lage sehr
angespannt. Ständig versuchten rechts- oder linksextremistische
Gruppierungen die gerade erlangte Demokratie zu zerstören. Zeitweise
mündeten die Aufstände (z.B. Kapp-Putsch oder Rote Ruhrarmee) in
bürgerkriegsähnlichen Zuständen.
Die ständig steigende
Kostenflut belastete den Finanzhaushalt immer stärker, so dass der
Staat gezwungen war weiter kontinuierlich die Geldmenge zu erhöhen um
wenigstens einen Teil der Rechnungen bezahlen zu können. Doch noch
stand Deutschland am Anfang der Hyperinflation. Im Januar 1921 hatten
sich die Alliierten darauf geeinigt, dass Deutschland 226 Milliarden
Goldmark in 42 Jahresraten von zwei bis sechs Milliarden Mark sowie 12
Prozent des Wertes der deutschen Ausfuhr als Reparationszahlungen an
die Sieger abführen sollte. Diese unvollstellbaren Beträge orientierten
sich weniger an der realen Leistungsfähigkeit der bereits arg in
Mitleidenschaft gezogenen deutschen Wirtschaft als vielmehr an den
Interessen der einzelnen Siegermächte. Nachdem sich Deutschland
aufgrund der unzumutbaren Forderungen zunächst weigerte die Zahlungen
aufzunehmen, besetzten alliierte Truppen am 8. März 1921 weite Teile
des Ruhrgebiets und errichteten zwischen dem besetzten Gebiet und dem
übrigen Reichsgebiet eine Zollgrenze, die den Warenaustausch und damit
die Versorgung der Menschen erneut verschärfte. Nachdem die Proteste in
Deutschland aber weiter andauerten reduzierte die Reparationskommission
schließlich den geforderten Gesamtbetrag auf 132 Milliarden Goldmark.
Jährlich sollte Deutschland nun zwei Milliarden Goldmark, sowie 26
Prozent des Wertes seiner Exporte abgeben. Zwar sah Deutschland auch
diese neuen Forderungen als irrational an, hoffte aber, durch
außerordentliche Anstrengungen beim Versuch die Summe
zusammenzubekommen, den Alliierten die Unerfüllbarkeit beweisen zu
können und nahm deswegen die geänderten Bedingungen an.
Die
ohnehin schon stark gebeutelte Wirtschaft wurde dadurch weiter
strapaziert. Obwohl ein Großteil der Bürger bereits bis zur Erschöpfung
arbeitete, lebten viele am Existenzminimum, da die Inflation die
Ersparnisse immer schneller auffraß und die Produkte und Lebensmittel
immer teuerer wurden. Zudem führte eine Kapitalflucht aus Deutschland
zu einer weiteren Abwertung der Mark - im Januar 1922 kostete ein
Dollar schon 191,80 Mark. Und immer noch druckten die Bundesdruckereien
neues, ungedecktes Papiergeld. Bis zum Jahr 1921 wurden dabei trotz
Inflation nur Banknoten mit bisherigen Nennwerten bis zu 1000 Mark
gedruckt, erst 1922 erschienen dann die ersten 5000 und 10000
Markscheine. Und dennoch war das Ende dieser Entwicklung nicht in Sicht.
Nachdem
Deutschland trotz aller Anstrengungen nur einen Teil der geforderen
ersten Rate der Reparationszahlungen aufbrachte und damit den im
Versailler Vertrag festgelegten Zahlungen nicht im vollen Umfang
nachkam, besetzten Franzosen und Belgier am 9. Januar 1923 das
Ruhrgebiet und die linksrheinischen Gebiete. Als Reaktion auf die
Besetzung rief die Reichsregierung am 19. Januar 1923 zum passiven
Widerstand gegen die Besatzer auf und versprach gleichzeitig nötige
finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt war
der Wechselkurs bereits auf 17.972 Mark je Dollar angewachsen. Die
Unterstützung der Streikenden verbunden mit den Produktions- und
Steuerausfällen belastete die bereits stark angeschlagene Währung nun
zusätzlich. Die Mark hatte letztendlich jedes Vertrauen verloren und
sackte ohne Halt ins Bodenlose.
Die politische und
wirtschaftliche Situation in Deutschland drohte vollkommen aus dem
Ruder zu laufen. So war es bald unmöglich, den täglichen Einkauf mit
einer normale Geldbörse durchzuführen. So kostete ein halbes Pfund
Butter im Juni 1923 rund 7000 Mark. Für ein Bund Möhren wurden 5500
Mark bezahlt und ein Pfund Bohnenkaffee war mit 31000 Mark schon kaum
mehr bezahlbar. Banknoten wurden wie Zeitungen auf Rotationsmaschinen
mit großen Papierrollen gedruckt. Neben der Reichsdruckerei, die allein
rund 7500 Personen beschäftigte, waren zusätzlich noch 133 Druckereien
mit der Produktion von Banknoten beschäftigt.
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