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Internethausse und Megabaisse (1996-2002) - Teil 1 PDF Drucken E-Mail
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Internethausse und Megabaisse (1996-2002) - Teil 1
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In der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre sorgten unglaubliche Kurssteigerungen vor allem in Europa und Amerika für eine "Jahrhundert-Hausse". Doch so schnell sich die Blase ausdehnte, so schnell zerplatze sie auch wieder. Aufgrund der vielen Informationen und Ereignisse wird dieser Artikel in mehreren Teilen behandelt. Teil 1 befasst sich mit dem Aufstieg der Börse von der Emission der T-Aktie bis zur UMTS-Versteigerung im Sommer 2000. Teil 2 führt die Geschichte von der ersten Insolvenz am Neuen Markt weiter bis zu dem Vertrauensbruch der Anleger gegenüber Analystenurteile im Sommer 2001. Teil 3 ist den schrecklichen Ereignissen des 11.Septembers 2001 und den Folgen für die Börsen gewidmet und im vierten Teil wird die Geschichte über die Bilanzskandale und Megainsolvenzen fortgesetzt bis zum September 2002. Die Krise soll dabei vor allem aus deutscher Sicht betrachtet werden, in anderen Ländern Europas oder der USA war die Entwicklung aber ähnlich.

Im Laufe von 1982/83 waren die Kurse an den Börsen in eine Hausse übergegangen. Unterbrochen durch mehrere Seit- und Abwärtsphasen (z.B. Oktober 1987, Gorbatschow-Putsch oder Kuwait-Krieg) schaffte es der DAX (bzw. der Index der Börsen-Zeitung als Vorläufer) zwischen 1982/83 (Index bei rund 500) bis 1995 (bei rund 2000) sich um rund 300 Prozent zu vervierfachen. Dennoch war das Interesse in der breiten Bevölkerung an Aktien und Börse zu diesem Zeitpunkt noch relativ gering. Dies änderte sich erst durch den Börsengang der Deutschen Telekom im November 1996. Mit massiver Öffentlichkeitsarbeit schaffte es die Telekom viele bisherige Nicht-Aktionäre für die Börse zu interessieren. Viele Anleger werden sich noch gut an Manfred Krug erinnern, der damals in vielen Zeitschriften und unzähligen Fernsehpots die Vorzüge als Aktionär der T-Aktie anpries. Aufgrund der hohen Nachfrage musste Anfang November 1996 sogar das Platzierungsvolumen um 100 Millionen auf 600 Millionen T-Aktien aufgestockt werden. Nie zuvor hatten so viele Investoren in Deutschland gleichzeitig einer Erstnotiz entgegen gefiebert, wodurch die T-Aktie zurecht in den Medien als "Volksaktie" bezeichnet wurde. Mit einem Zeichnungsgewinn von über 16 Prozent erfüllte die T-Aktie, die zuvor in sie gesetzten Erwartungen zur vollsten Zufriedenheit der Anleger. Bereits im Vorfeld der Emission hatte das zunehmende Interesse einen Aufschwung im DAX verursacht. Am Erstnotiztag der T-Aktie (18.11.96) notierte der DAX bereits bei 2763,84 Punkten. Durch den Erfolg mit der T-Aktie ermutigt, versuchten viele Anleger ihr Glück nun auch mit anderen Aktien, was dazu führte, dass der DAX wenige Wochen später, am 17. Januar 1997 erstmals die 3000 Punkte überschritt.

Zu dieser Zeit wurde die letzten Planungen für ein neues Börsensegment vollzogen. Nach dem Vorbild der amerikanischen Wachtsums- und Technologiebörse NASDAQ wollte auch die Deutsche Börse ein Segment aufbauen, in dem junge erfolgversprechende Unternehmen zusammengefasst werden sollten. Die gestiegende Aufmerksamkeit in der Bevölkerung ebnete nun den Weg zur Vollendung dieser Pläne und am 10. März 1997 startete die Deutsche Börse mit den Unternehmen Bertrandt und MobilCom den Neuen Markt. Das damals noch junge Telekom-Unternehmen MobilCom, das dem Ex-Monopolisten Deutsche Telekom Marktanteile abluchsen wollte, schaffte an jenem Tag bei seinem IPO einen Zeichnungsgewinn von fast 50 Prozent. Durch diesen erneuten Erfolg an der Börse weiter ermutigt, investierten immer mehr Anleger, die nie zuvor Wertpapiere gekauft hatten in Aktien und freuten sich über steigende Gewinne. Zudem entschlossen sich weitere Jungunternehmen durch den Erfolg der MobilCom-Emission ebenfalls an die Börse zu gehen. Doch vorerst ging es vor allem um die Standardwerte des DAX. Nur vier Monate später überschritt der DAX am 8. Juli 1997 erstmals die 4000er Marke und erreichte am 30. Juli 1997 einen Höchststand bei 4458,66.

In der zweiten Jahreshälfte setzte der Deutsche Leitindex dann durch die Asienkrise kräftig zurück, beendete das Jahr aber mit 4224 Punkten relativ unbeschadet. Und auch der Neue Markt konnte sich durch die erzielten Erfolge über regen Zulauf bei Unternehmen und Anlegern freuen. Zum Jahresende 1997 waren neben Bertrand und MobilCom bereits 15 weitere Gesellschaften im Wachstumssegment Neuer Markt gelistet. Dabei hatten alle Neuemissionen eine Zeichnungsgewinn verbuchen können, der bei einigen Unternehmen wie BETA Systems, SCM Microsystems oder SER Systeme sogar mehr als 100 Prozent betrug. Andere Firmen wie BB Biotech, EM.TV oder Qiagen glänzten weniger durch Zeichnungsgewinne als vielmehr durch rasante Kurszuwächse in den Monaten nach der Emission.

1998 ging es zunächst weiter nach oben. Immer öfter präsentierten Vorstandsvorsitzende wie Thomas Haffa (EM.TV), Gerhard Schmid (MobilCom) oder Peter Kabel (Kabel New Media) öffentlichkeitswirksam in Interviews und Fernsehauftritten rosige Zukunftsaussichten und sorgten so für ständig weiter steigende Kurse. Gleichzeitig erschienen auch immer mehr "Börsen-Gurus" auf der Bildfläche, die mit ihren optimistischen Aussichten ebenfalls zum weiteren Anstieg beitrugen. Persönlichkeiten wie Bernd Förtsch, Kurt Ochner oder Egbert Prior sorgten mit ihren Fernsehauftritten für Rekordeinschaltquoten in Sendungen wie der 3Sat-Börse. Regelmäßig schossen nach den Auftritten die Umsätze bei den empfohlenen Aktien in die Höhe. Fundamentale Geschäftszahlen und reale Erfolgsaussichten waren für die Zuseher dabei relativ unwichtig. Insbesondere Börsenneulinge hingen an den Lippen der Vorstände und Gurus und kauften "blind" alles was ihnen empfohlen wurde - Hauptsache die Unternehmensstory stimmte.

Die Asienkrise hatte den Anstieg nur kurzfristig unterbrechen können, allerdings verlangsamte sich das Wachstum ab Oktober 1998. Dennoch strömten immer mehr Unternehmen an die Börse. Insbesondere der Neue Markt erlebte einen wahren IPO-Boom. 1998 waren 46 und 1999 sogar 140 Börsengänge zu verzeichnen. Damit konnte die Deutsche Börse ein Blue-Chip-Segment am Neuen Markt einführen, das die 50 größten Unternehmen zusammenfassen sollte. Gleichzeitig wurde der Neue Markt zum 01. Juli 1999 in Nemax All-Share und das Blue-Chip-Segment in Nemax 50 umgetauft. Kurz zuvor hatte die Deutsche Börse im April 1999 noch das Small-Cap-Segment SMAX aus der Taufe gehoben, das kleinere und mittlerer Traditionsunternehmen zusammenfasste.


 
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