Die Geschichte der Börse beschränkt sich nicht
nur auf das 19. und 20. Jahrhundert. Bereits von Griechen und Römern
sind riskante Finanzgeschäfte und -krisen übermittelt. Die ersten
börsenähnliche Veranstaltungen gab es im 12. Jahrhundert in Italien. So
versammelten sich z.B. im Jahre 1111 Wechsler, Kaufleute und Makler zum
gemeinsamen Handel auf der Piazza San Martino in Lucca (Italien). Im
14. Jahrhundert berichtet die Geschichte bereits von einem ausgeprägtem
Börsenwesen in Pisa, Venedig, Florenz oder Genua. Im Jahr 1409 entstand
der erste nordeuropäische Handelsplatz in Brügge. Auf diesen
Handelsplatz soll auch der Name "Börse" zurückgehen, da sich der Ort
des Zusammentreffens der Händler nach der Überlieferung in der Nähe des
Hauses der Patrizierfamilie "van der Beurse" befand. Noch im 15.
Jahrhundert folgten Börsen in London (um 1450), Antwerpen (1460), Lyon
(1462) oder Toulouse (1469). Um das Jahr 1500 enstanden dann in
Augsburg und Nürnberg die ersten deutschen Börsen. Weitere in Köln,
Hamburg und Frankfurt folgten einige Jahrzehnte später.
Auch die
Aktiengesellschaft ist keine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Bereits im
Jahr 1407 wurde die genuesische Staatsbank Casa di San Giorgo als
Aktiengesellschaft erwähnt. Noch älter sind Staatsgläubigervereine, die
dem Staat gegen bestimmte Privilegien Darlehen gaben. Diese
Gesellschaften wurden bereits 1234 erstmalig erwähnt. Aus dem gleichen
Jahrhundert stammen Berichte über ein Silberbergwerk in Siena (Italien)
sowie der Mühlen in Toulouse (Frankreich) mit ähnlicher
Gesellschaftsform. Insbesondere von den Unternehmen, die aufgrund des
hohen Investitionsbedarfs nur schwer durch wenige Betreiber finanziert
werden konnten - wie Banken, Bergwerke, Reedereien oder Mühlen - wurden
in den folgenden Jahrhunderten vermehrt Anteilsscheine herausgegeben.
Zwar unterlag die Abtretung der Anteile in dieser Zeit noch strengen
Vorschriften, dennoch können diese Unternehmen als die Vorgänger der
heutigen AG angesehen werden.
So alt wie die Geschichte der
Börse ist auch die Geschichte der Spekulationen und Finanzkrisen. Zu
den ältesten Spekulationsblasen der Geschichte gehört die holländische
Tulpenzwiebel-Hausse der Jahre 1634 bis 1637. So seltsam es heute
klingen mag, um diese Frühlingsblume rankt sich eine der bekanntesten
Finanzkrisen der Geschichte:
Die Tulpe stammte ursprünglich aus
der Türkei und wurde angeblich von Carlos Clusius, dem Präfekt des
botanischen Gartens "Hortus Botanicus" in Leiden, im Jahr 1593 in die
Niederlande gebracht. Im Frühjahr 1594 blühte im besagten botanischen
Garten die erste Tulpe und markierte damit den Beginn der Tulpenhausse
in den Niederlanden. Doch zunächst wurde die Blume aus der Gattung der
Liliengewächse trotz ihrer exotischen Herkunft als eher langweiliger
Schmuck für den Garten angesehen. Erst, als holländische Züchter Anfang
des 17. Jahrhunderts begannen, die verschiedenen Arten von Tulpen zu
kreuzen und so aus einfarbig roten, weißen oder gelben Blumen bunte
Feuerwerke zauberten, wurde die Tulpe zum Kultobjekt. Schon bald
genossen die Züchter ein hohes Ansehen und es entstand ein regelrechter
Wettbewerb um besonders schöne und ausgefallene Züchtungen.
Da
es nie sehr große Mengen einer bestimmten Zwiebelart gab, schossen die
Preise in die Höhe. Kostete eine Zwiebel am Anfang der Hausse noch
einen Gulden, so musste wenig später bereits 1.000 Gulden und mehr
gezahlt werden. Jeder in Holland wollte sich seinen Teil an der
Tulpenhausse sichern. Schon bald gab es ein Tulpen-Gesetz zum Schutz
der Händler (allein die Beschädigung von Tulpenzwiebeln wurde mit
Gefängnis bestraft), Tulpen-Notare, Tulpenzwiebel-Versteigerungen, usw.
An den holländischen Börsen wurden Zwiebeln seltener Züchtungen schon
bald parallel zu Aktien gehandelt. Die Spekulanten suchten sich dabei
in teilweise handgemalten Katalogen die gewünschte Tulpensorte aus und
erwarben Kontrakte, die zum Kauf einer gewissen Menge Zwiebeln zu einem
bestimmten Preis nach Ablauf von drei, sechs oder neun Monaten
berechtigten. Mit diesen Optionsgeschäften konnte der Kapitaleinsatz
innerhalb weniger Wochen verzehnt- oder auch verfünfzigfacht werden.
In
den Jahren 1636/37 hatte das Tulpenfieber seinen Höhepunkt erreicht..
Noch bevor die Zwiebel ihre Blüte zeigte, wechselte sie bereits
mehrmals den Besitzer. Egal ob Adeliger, Bauer oder Dienstmädchen -
jeder handelte mit Tulpenzwiebeln. Teilweise wurden Haus und Hof
verkauft, um Geld für weitere Investitionen in die gewinnbringenden
Tulpengeschäfte zur Verfügung zu haben. Kostete eine Tulpenzwiebel der
seltenen Sorte "Semper Augustus" im Jahr 1624 noch 1.200
Niederländische Gulden (NLG), so musste im Jahr 1625 schon 3.000 NLG
dafür bezahlt werden. 1636 zahlte ein Käufer für eine Zwiebel dieser
Art 4.600 Gulden, einen neuen Wagen und zwei graue Stuten mit Zaumzeug
und Geschirr. Eine Zwiebel der sehr seltenen Sorte "Vizekönig"
wechselte für 24 Wagenladungen Korn, acht Mastschweine, vier Kühe, vier
Fässer Bier, 1.000 Pfund Butter sowie einige Tonnen Käse den Besitzer.
Im Jahr 1637 tauschte schließlich ein Brauereibesitzer 3 seltene
Ziebeln gegen seine Brauerei in Utrecht ein - ein Gegenwert von rund
30.000 NLG (!). (Zum Vergleich: Ein Amsterdamer Grachtenhaus kostete zu
dieser Zeit ca. 10.000 NLG).
Doch damit war der Höhepunkt der Tulpenhausse
erreicht. Die ersten Ängstlichen verkauften und lösten damit eine
Lawine aus. Die Tulpen-Blase platzte und die Kurse stürzten ins
Bodenlose. Nicht wenige Kaufleute mussten aufgrund ihrer nun wertlosen
Tulpenkontrakte Konkurs anmelden. Die Wirtschaft kam in ganz Holland
auf Jahre zum Erliegen. Zu den Opfern gehörte auch Rembrandt
Harmenszoon van Rijn (1606 - 1669), "der" Rembrandt, dessen Gemälde
heute auf Auktionen Unsummen einbringen. Nicht nur, dass seine
Tulpen-Kontrakte wertlos waren, auch seine Malerwerkstatt bekam in den
Folgejahren kaum Aufträge, da die Niederländer das Geld für wichtigere
Dinge als Gemälde brauchten. Schließlich musste Rembrandt Konkurs
anmelden. 1657 wurde sein Haus versteigert. Rembrandt selber starb
verarmt im Jahr 1669.
Wer frühzeitig den Trend erkannt hatte,
konnte ein Vermögen machen. Gewinne über 1.000 Prozent waren keine
Seltenheit. Doch wer nicht rechtzeitig den Zug verlassen hatte, musste
Kursverluste von rund 90 Prozent und mehr verkraften. Trotzdem lernten
die Menschen nichts aus dieser Spekulationsblase. Zwar waren zumindest
die Holländer die kommenden Jahrzehnte vom Spekulationsfieber geheilt,
doch schon Anfang des 18. Jahrhunderts folgten die nächsten großen
Börsen-Skandale in England und Frankreich.
07.05.2001 08:43 © boerse.de
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Erhalten von: Pales Blog » » Börsencrash 2008 und was es mit Äpfeln und Tulpen zu tun hat… , am 10-10-2008 10:04 (PB) [...] So ist der Mensch, vielleicht seit der Geschichte mit dem Apfel. Nach dem Apfel kam jedenfalls alsbald die Tulpe [...] Erhalten von: Blick Log » Warnung vor Dumping beim Verkauf toxischer Wertpapiere? , am 11-03-2009 01:52 (PB) [...] aber wie gesagt nichts mit der Bonität der Ursprungsforderung zu tun. Das klingt so, wie bei der 1637 geplatzten Tulpenblase. Die Tulpen waren ja noch Platzen der Blase nicht weniger hübsch. Und die Asset Backed [...] |