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Die Silber-Panik (1893) PDF Drucken E-Mail
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Die Silber-Panik (1893)
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Immerhin konnte der Sherman Silver Purchase Act den Preisverfall kurzzeitig stoppen. Der Silberpreis, der seit Jahren stetig gefallen war, konnte sogar kurzfristig zu ungeahnten Höchstständen bei 1.50 Cent je Unze zurückkehren. Jedoch war die Ruhe trügerisch, da sich der Abfluss des Goldes dadurch verstärkt hatte und die Goldreserven des Landes sich weiter spürbar verringerten. Erste Stimmen befürchteten bereits, dass das Schatzministerium bald nicht mehr in der Lage sein würde, Dollar gegen Gold umzutauschen. Diese Befürchtung bekamen durch die Wahl S. Grover Clevelands zum Präsidenten 1892 neuen Aufwind, da vermutet wurde, dass er dem stark inflationistisch geprägten Flügel seiner Partei Zugeständnisse machen würden. Zunächst zogen vor allem Ausländer ihre Investitionen schrittweise zurück, da sie eine baldige Abwertung des Dollars erwarteten. Aber auch Inländer versuchten durch Investitionen in ausländische Objekte in Kanada, Europa oder Lateinamerika ihr Vermögen zu sichern.

1893 war die Geldmenge gegenüber dem Jahr 1891 um 68 Mio. Dollar angewachsen. Trotzdem zeigte die Wirtschaft bis Anfang 1893 keine Anzeichen einer Gefahr. Im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit fiel von 5 Prozent im Jahr 1890 auf 3,7 % Ende 1892. Zudem sorgten Ernteausfälle in Europa verbunden mit guten Erträgen in den USA für einen Boom der Landwirtschaft. Doch Anfang 1893 zeigten sich erste Warnsignale einer überhitzten Konjunktur. Ende Januar 1893 sanken plötzlich die Preise von Stapelwaren, Weizen oder Eisen. Ende Januar ließen Preisrückfälle in fast allen Branchen bereits eine grundlegende zyklische Kontraktion der Wirtschaft vorherahnen. Auch der Aktienmarkt, der zuvor nur die Richtung nach oben kannte, kam zum Stillstand.

Am 20. Februar 1893 verschärfte der Konkurs der Philadelphia and Reading Railroad die Situation. Die Eisenbahngesellschaft, die noch im Vormonat ihre gewöhnliche Dividendenzahlung leistete, brach unter einem Schuldenberg von 18,5 Millionen Dollar, dem lediglich Bargeld und Forderungen im Wert von 100.000 Dollar entgegenstanden, zusammen. Der Konkurs der Eisenbahn, die von namhaften Wall Street Finanzhäusern finanziell unterstützt worden war, lies Zweifel an der finanziellen Situation anderer Bahnen und Finanzhäuser aufkommen, dennoch hielt das Kartenhaus.

Am 4. März 1893 erreichten die Goldreserven der USA mit 100.982.410 US-Dollar ein neues historisches Tief. Einige Kaufleute verweigerten mittlerweile die Annahme von Silbergeld, auch wenn dies einen Verstoß gegen das Gesetz bedeutete. Jedoch dauerte es noch bis zum 22. April, bis der endgültige Fall der Goldreserven unter die 100 Millionen-Marke zeigte, dass die Staatskasse mit der verbleibenden Goldreserve nicht unendlich fortfahren konnte unbegrenzt Banknoten bzw. Silbergeld gegen Gold zu tauschen. Zumal es mit dem Silberkurs am Weltmarkt stetig weiter bergab ging.

Bei Investoren und Anlegern ging nun die Angst vor einer baldigen Abwertung des Dollars um, die am 3. Mai schließlich in massiven Verkäufen am Aktienmarkt ihren Höhepunkt fanden. Nach einer zeitgenössischen Aussage, hatte die New Yorker Börse seit 1884 keinen derartigen Einbruch mehr in den Kursen gesehen. Die Preise fielen ins Bodenlose - in einem Augenblick angezeigte Kurse waren in den nächsten Sekunde wertlos. Die Panik verstärkte sich am nächsten Tag noch, als der ehemalige Börsenliebling National Cordage Trust unter Konkursverwaltung gestellt wurden. Die Aktie, die kurz vor der Panik noch für 70 $ den Besitzer wechselte, sank bis zum Abend auf 19 Dollar. Eine ganze Reihe weitere Unternehmen brachen noch in der selben Woche zusammen, doch der "Industrial Black Friday" (5. Mai 1893) war erst der Anfang der Krise.

Wenige Wochen nach dem Aktienmarkt traf es den Silbermarkt. Bis Juni 1893 hatte sich der Silberpreis bereits auf 83 Cent pro Unze verringert. Als im selben Monat die Regierung in Indien, einem der wenigen Länder, die noch einen Silberstandard hatten, bekanntgab, dass sie die Prägung von Silber beenden würde, brachen auch hier die Kurse ein. In nur vier Tagen fiel der Silber-Preis in New York um 25 Prozent von 83 auf 62 Cent pro Unze.

Der Silber-Crash brachte nun die Silberminenindustrie zu Fall. Der Abbau von Silber wurde in vielen Minen gestoppt - eine Vielzahl wurden wenig später aufgegeben. Als die finanzielle Panik im Juli 1893 ausbrach, mussten allein in Denver innerhalb von drei Tagen zwölf Banken ihre Türen schließen. Überall gingen Geschäfte in Konkurs und tausende Arbeiter standen auf einmal vor der Arbeitslosigkeit. Gab es zwischen Januar und Juli 1893 lediglich 3401 Konkurse, mit einer Schuldensumme von insgesamt 169 Mio. Dollar, von denen der Großteil zwischen Mai und Juli gemeldet wurde, so stieg die Zahl in Folge der Panik in der zweiten Jahreshälfte dramatisch an. Insgesamt waren über 15.000 Unternehmen und 642 Banken in Folge des Crashs in Konkurs gegangen und zwanzig Prozent aller Arbeiter (2-3 Millionen) hatten ihren Job verloren. Fast 30 Prozent des nationalen Eisenbahnnetzes waren insolvent. Am schlimmsten war dabei der Süden und Westen der USA betroffen, da dort der trügerische Aufschwung am intensivsten gewesen war.

Durch den Silbercrash kam nun auch die Silberwährung der USA noch stärker unter Druck. Nach dem Crash im Juni hatte ein Silberdollar einen realen Wert von 53 Cent, wurde aber weiter gegen einen Golddollar getauscht, der einen wesentlich höheren Wert hatte. Die Goldreserven der USA waren auf 68 Mio. Dollar gefallen und es drohte der Staatsbankrott. Um die Folgen der Krise abzumildern, hatte Präsident Grover Cleveland Ende Juni den Congress zu eine außerordentlichen Sitzung zusammengerufen, mit dem Ziel den Sherman Silver Purchase Act aufzuheben. Dennoch dauerte es noch bis zum 1. November 1893, ehe das Gesetz endgültig zu Fall gebracht wurde. Jedoch war der volkswirtschaftliche Schaden der USA enorm. Bis zum Jahresende war die Arbeitslosigkeit auf 9,6 Prozent angewachsen. Auch die folgenden drei Jahren waren durch Depression und Unsicherheit geprägt. Bei den Präsidentschaftswahlen von 1896 sprach sich der Kandidat der Populists, William Jennings Bryan immer noch für die Silberwährung aus, verlor jedoch die Wahl. Erst unter der Regentschaft des neuen Präsidenten, William McKinley, beruhigten sich die Finanzmärkte schließlich und die Kapitalflucht konnte gestoppt werden.

Image02.04.2002 13:00
© boerse.de


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