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Seite 1 von 2 Viele Jahrhunderte war Silber das gängige
Zahlungsmittel für alltägliche Transaktionen. Während Kupfermünzen zu
schwer waren, war Gold zu selten, um es in großem Umfang als Münzen
ausgeben zu können. Dementsprechend herrschte in den meisten Ländern
ein Bimetallstandard bzw. ein reiner Silberstandard vor. Bei einem
Silberstandard waren die sich im Umlauf befindlichen Banknoten zu 100%
durch Silber abgesichert. Dadurch konnte das Papiergeld jederzeit zum
gleichen Umtauschkurs in Silber zurück getauscht werden. Die Länder mit
Bimetallstatus hatten zudem ein festes Tauschverhältnis zwischen Silber
zu Gold. Als eines der wenigen Länder der Welt leistete sich das
wohlhabende Großbritannien seit der Wiedereinführung des Peel's Act im
Jahr 1819 einen Goldstandard.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts
lösten Goldfunde in Kalifornien (1848) und in Australien (1851) eine
Verzehnfachung der weltweiten Goldfördermenge aus. Ein massiver
Goldpreisverfall war die Folge. Durch die nun steigenden Goldvorräte
ermutigt, entschlossen sich viele Länder ab 1870 den bisherigen Silber-
bzw. Bimetallstandard durch einen reinen Goldstandard zu ersetzten. Im
Jahr 1878 gab es neben England auch in Deutschland, Belgien, Holland,
Frankreich, der Schweiz und den Skandinavischen Ländern einen
Goldstandard. Auch die USA hatten im Jahr 1873 einen Goldstandard
eingeführt, jedoch führte hier die politische Entwicklung zu einer
kurzzeitigen Rückkehr der Silberwährung, wodurch es 1893 zu einer
schweren Wirtschaftkrise in den USA kam.
Um die Hintergründe für
die Rückkehr zum Silberstandard zu verstehen, ist ein Blick in die
Gesellschaft der USA zu jener Zeit nötig. Nach dem Bürgerkrieg hatten
sich in den Vereinigten Staaten stark ausgeprägte Reformbewegungen
gebildet, die vor allem gegen die sinkenden Preise (von 1870 bis 1890
war der Preisindex in den USA kontinuierlich gesunken) und Ausnutzung
der Farmer und Arbeiter protestierten. Infolge des Einziehens der
nationalen Banknoten (sog. Greenbacks) und der Eingliederung der
Südstaaten, war die Geldmenge durch die Republikaner stark reduziert
worden. Von dieser Deflationspolitik waren die amerikanischen Farmer am
meisten betroffen, da die Deflation sinkende Erzeugerpreise und damit
fallende Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Kreditzinsen bedeutete.
Die Forderung nach einer Ausweitung der Währung brachte deshalb viel
Zuspruch dieser Bevölkerungsschicht - nicht zuletzt weil viele
irrtümlicherweise glaubten, dass die Erweiterung der Papiergeldmenge
ihnen einen höheren Wohlstand sichern würde, da ja mehr Geld vorhanden
wäre und damit auch ihre Löhne und Einnahmen steigen würden.
Im
Jahr 1875 rief die neugeformte National Greenback Partei zu einer
Geldmengenerweiterung auf. Ihre Mitglieder waren hauptsächlich Arbeiter
aus den Industriestädten und Farmer. Sie forderten eine inflationäre
Geldpolitik und setzten sich gegen die Konvertibilität der Greenbacks
in Metallgeld ein (dies war 1875 durch den Kongreß beschlossen worden,
der bis 1879 alle Greenbacks aus dem Verkehr ziehen wollte). Um die
geplante Ausweitung der Geldmenge absichern zu können, rückte erneut
ein Silberstandard in den Mittelpunkt der Inflationisten. Doch zunächst
konnte die Partei bei der Wahl 1876 keine nennenswerten Stimmengewinne
für sich verbuchen. Dies änderte sich nach dem Zusammenschluss mit der
National Labor Reform Partei im Jahr 1878. Bei den Kongreßwahlen
erzielte die Greenback Partei nun mehr als eine Million Stimmen. Damit
entstand ein Gegenpol, der umgehend versuchte, das bestehende
Geldsystem umzuwandeln.So beschloß der Kongreß im gleichen Jahr im
Rahmen des Bland Allison Acts die Wiederaufnahme der
Silberdollar-Prägung als gesetzliches Zahlungsmittel. Zunächst war eine
Gesetzesvorlage durch Richard P. Bland eingebracht worden, die nach den
Forderungen der radikalen Inflationisten eine freie und unlimitierte
Prägung von Silbergeld zum Inhalt hatte. Nachdem dies jedoch im eher
konservativem Senat scheiterte, präsentierte Senator William B. Allison
wenig später eine nachgebesserte Version, die den US-Fiskus
verpflichtete, jeden Monat Silberbarren im Wert zwischen 2 bis 4
Millionen Dollar zu Marktpreisen zu kaufen. Das so erworbene Edelmetall
sollte anschließend in Silberdollar geprägt werden und als
allgemeingültiges Zahlungsmittel gelten. Zwar gab Präsident Rutherford
B. Hayes sein Veto gegen dieses Gesetz, wurde jedoch überstimmt.
Um
den nach Meinung der Deflationisten zu erwarteten Schaden möglichst
gering zu halten, veranlasste Hayes, dass immer nur die gesetzlich
vorgeschriebene Mindesmenge von 2 Millionen Dollar gekauft werden
sollte. Fortan wurden damit jeden Monat Silberdollar mit einem
Feingehalt von 371 1/4 Unzen Silber geprägt und in den Umlauf gebracht.
Genau im Feingehalt lag jedoch ein Fehler, der das System schließlich
einige Jahre später zum Einsturz bringen sollte. Lange Zeit war der
Wechselkurs zwischen Silber und Gold bei rund 16:1, d.h. eine Unze Gold
war genausoviel wert wie 16 Unzen Silber. Der ebenfalls noch im Umlauf
befindliche Golddollar wies dementsprechend ein Feingehalt von 23,20
Unzen Gold auf. Bereits zum Zeitpunkt des Gesetztesbeschlusses 1878,
war der Silber-Kurs am Weltmarkt aber aufgrund der Überproduktion in
den Silberminen und den starken Verkäufen der internationalen
Regierungen auf eine Ratio von rund 18 1/4 :1 gefallen. Demnach war das
Silber am Markt weniger wert, als im Gesetz festgeschrieben. Dennoch
verkauften die Minen weiter Silber zu einem Kurs von 16:1 an die
Regierung.
Damit begann das Greshamsche Gesetz zu wirken, das
besagt, das schlechteres Geld stets das bessere Geld aus dem Umlauf
verdrängt. Vorausgesetzt, jemand hat die Wahl, zwei oder mehrere Münzen
mit gleichem Nominalwert auszugeben, so wird die betreffende Person in
der Regel immer die Münze mit dem geringsten Metallwert zur Zahlung
verwenden, die mit dem höheren Metallwert hingegen möglichst horten. In
diesem Fall wurden also Gold-Dollar gehortet und Silberdollar in Umlauf
gebracht. Insbesondere Banken zahlten ihre Schulden an die Zentralbank
in Silber, bekamen aber in der Regel Gold für Verbindlichkeiten der
Zentralbank zurück. Dementsprechend kam es zu einem stetigen Abfluss
der Goldreserven des US-Schatzamtes. Ab 1890 verschlimmerte sich die
Situation abermals. Immer noch fielen die Preise weiter. Als zweite
Inflationisten-Partei gewann deswegen die "Populist Party" zunehmend an
Bedeutung, die aus dem Alliance Movement hervorgegangen war und sich
ebenfalls für einen Silberstandard einsetzte. Nach ihrer Argumentation
wuchs die weltweite Produktion schneller als die Goldvorräte, was den
Preisverfall bei den Erzeugerpreisen verursachte. Auch die Populist
Partei sah deswegen Silber, da in genügender Menge vorhanden, als die
geeignetste inflationäre Währung an. Um den weiteren Preisverfall
endlich zu stoppen, forderten die Anhänger dieser Partei eine
Ausweitung der Geldmenge, insbesondere durch die Ausgabe von weiteren
Silbermünzen.
Um das Ziel durchzusetzten, entschlossen sich die
Inflationisten 1890 zu einem "Kuhhandel" mit den Republikanern. Im
Gegenzug für die Bewilligung des Sherman Silver Purchase Act, in dem
sich die Regierung verpflichtete 4,5 Millionen Unzen Silberbarren im
Monat zu kaufen und als Silbergeld in den Umlauf zu bringen,
versprachen die Inflationisten, das Zollgesetz der Republikanter
(McKinley Tariff) nicht zu kippen.
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