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Die Krise um die Second Bank of America (1819/1820) PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 8. Mai 2007
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Die Krise um die Second Bank of America (1819/1820)
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Während Europa in den Jahren 1815 und 1816 unter einer Depression zu leiden hatte, konnte die Wirtschaft in Amerika seit dem Ende des englisch-amerikanischen Krieges im Jahr 1814 starke Zuwächse verbuchen. Doch mehrere Faktoren lösten schon wenige Jahre später die erste große Wirtschaftskrise der noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika aus.

Am 4. Juli 1776 hatten sich die 13 im Kontinentalkongreß zusammengeschlossenen Kolonien in Philadelphia mit der Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien losgesagt. Zunächst musste der junge Staat allerdings noch im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg für seine internationale Anerkennung kämpfen. Am 3. August 1783 erkannte schließlich auch der ehemalige Kolonialherr England Amerika als souveränen Staat an. In den folgenden Jahren weitete der junge Staat sein Territorium ständig weiter aus. So erwarben die Vereinigten Staaten im Jahr 1803 von Frankreich, das das Geld dringend für die Feldzüge Napoelons benötigte, Ost-Louisiana und New Orleans für 15 Mio. Dollar. Damit verdoppelte sich praktisch über Nacht die Fläche der United States. Der für den Kauf nötige Millionenkredit wurde dem amerikanischen Staat von den beiden britischen Banken Barings und Hopes gewährt. Die langfristigen Schulden sollten in den Jahren 1818 bis 1821 zurückgezahlt werden.

Am 18.Juni 1812 erklärte der Kongress auf Ersuchen des Präsidenten James Madison Großbritannien den Krieg. Beide Seiten konnten zwar kleinere Siege für sich entscheiden, jedoch blieb eine endgültige Entscheidung aus. Britisch-amerikanische Friedensverhandlungen in Belgien führten schließlich im Dezember 1814 zum Ewigen Frieden von Gent. Dennoch hatte diese oft als zweiter Unabhängigkeitskrieg bezeichnete Auseinandersetzung für die Vereinigten Staaten Vorteile, da sie nun endgültig international als unabhängiger Staat anerkannt wurden. Viele Sorgen, mit denen die junge Republik seit ihrer Gründung 1776 zu kämpfen hatte, lösten sich mit dem Friedensschluss in Luft auf. Das durch die Bedrohung von außen gestärkte Nationalbewußtsein schweißte die Bevölkerung zu einer Einheit zusammen. Zwischen Freiheit und Ordnung herrschte Gleichgewicht und auch die Staatsschuld war nur unbedeutend. Unerschlossene Länder im Westen versprachen Reichtum. Die Aussicht auf Frieden, Wohlstand und sozialen Fortschritt schürte zu jener Zeit eine Aufbruchsstimmung in der Bevölkerung.

Die Entbehrungen der Kriegszeit hatten gezeigt, wie wichtig die Unabhängigkeit der amerikanischen Industrie war. Nach der politischen sollte deswegen nun auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landes folgen. Doch der jungen Industrie drohte das gleiche Schicksal wie vielen europäischen Staaten, wo billige Massenimporte aus England die einheimischen Industrien nahezu zum Erliegen gebracht hatten. Immer mehr englische Waren trafen in den Häfen der Ostküste ein. Dies brachte die einheimische Industrie auf die Barrikaden. Schafzüchter in Vermont und Ohio forderten eine Reduzierung der englischen Wolleinfuhr. Die Sackleinen-Industrie in Kentucky, die einheimischen Hanf für den Bedarf der Baumwollplantagen verarbeitete, verlangte Schutz von der schottischen Konkurrenz. Pittsburgh, zu diesem Zeitpunkt bereits ein Mittelpunkt der amerikanischen Eisengiesserei, wollte Unterstützung, um weitere Marktanteile des bis dato von der britischen und schwedischen Eisenindustrie beherrschten Marktes zu erobern. Die inländischen Forderungen nach einem besseren Schutz der amerikanischen Wirtschaft sowie die negativen Auswirkungen des übermäßigen Exportes britischer Erzeugnisse in Europa veranlasste den Kongreß schließlich im Jahr 1816 eine drastische Erhöhung der Zölle für ausländische Waren zu beschließen. Neben diesem gesetzlichen Schutz der inländischen Industrie, förderte auch der Ausbau der Straßen und Kanäle das Erstarken der amerikanischen Wirtschaft.

Der darauf folgende raketenhafte Aufstieg der US-Wirtschaft, führte auch zur Gründung der bekanntesten Börse der Welt, der New York Stock Exchange. Am 17. Mai 1792 war in New York eine Vereinbarung zwischen 24 Händler getroffen worden, untereinander Handel mit Wertpapieren zu führen. Der Boom ab 1816 machte bald eine strengere Regulierung dieser lockeren ersten Zusammenkünfte nötig und so wurde am 8. März 1817 das New York Stock & Exchange Board gegründet. Im gleichen Jahr zog die NYSE in einen gemieteten Raum in der Wall Street ein.

Doch mit dem rasanten Handelswachstum wurde gleichzeitig der Grundstock für die massive Krise der Jahre 1819/1820 gelegt. Nach dem zweiten Unabhängigkeitskrieg gab es keine amerikanische Zentralbank mehr, da die "Bank of the United Sates" im Jahr 1811 die Konzession verloren hatte. Diese erste Bank war am 25. Februar 1791 mit der Unterzeichnung des Gesetzentwurfes durch Präsident George Washington gegründet worden. Zu den Aufgaben dieser ersten Nationalbank zählten u.a. das Einziehen von Steuern und Abgaben, die Koordination und Vereinfachung der Zahlungen des Bundes, die Einräumung von Krediten sowie die vorsichtige Vergrößerung der im Umlauf befindlichen Geldmenge. Doch obwohl die Bank bis 1811 neben dem Hauptsitz in Philadelphia über acht Zweigstellen verfügte, fand sich im US-Kongreß keine Mehrheit, die die 20-jährige Konzession verlängerte. Somit fehlte nach dem Krieg eine Regulierungsstelle, die den aufkeimenden Boom durch eine geeignete Geldpolitik in geordnete Bahnen lenkte. Statt dessen vergrößerten viele kleinere Staatsbanken die Geldmenge durch die Herausgabe neuer Geldscheine. Problematisch daran war, dass dieses Papiergeld, nach der Aufhebung der Absicherung der Geldscheine mit Münzwährung oder Gold im Jahr 1814, praktisch keine Sicherheit aufwies. Doch noch hielt die boomende Wirtschaft dieses System am Leben.

Aufgrund der massiv gewachsenen Geldmenge und der drohenden Inflation beschloss der Kongreß schließlich im Jahr 1816 eine neue Nationalbank zu schaffen, die sich der Probleme annehmen sollte. Damals erhoffte sich die Regierung durch diese Bank eine baldige Wiederherstellung der Umwandelbarkeit des Papiergeldes sowie das Ende der exzessiven Herausgabe von Papiergeld der anderen Banken. Am 7. Januar 1817 nahm die Second Bank of the United States schießlich den Geschäftsbetrieb auf. Doch anstatt die Situation zu regulieren, verschlimmerte die neue Nationalbank die Lage nur. Daran war insbesondere ein schlechtes und korruptes Management Schuld. So taten es die Zweigniederlassungen der Bank im Süden und Westen den dortigen Staatsbanken gleich und gaben weiter hohe Kredite heraus. Zudem hatten die meisten Miteigentümer der Bank offenbar das eigene Wohl mehr im Auge als das des Landes. Spekulationen mit riskanten Objekten, Betrügereien, Bestechungsgelder und Korruption waren an der Tagesordnung. Schuldscheine wurden als Mittel zur Bezahlung von Aktien akzeptiert, Wertpapiere auf verschiedene Namen registriert, um das Gesetz zu umgehend, das die Konzentration von Wertpapierbesitz einschränkte. Kredite wurden durch Bankanteile gesichert oder sogar gänzlich ohne Sicherheiten genehmigt und die großzügige Überziehung von Konten gestattet.


 
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