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Die Elsaß-Krise im Jahr 1828 |
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Nach dem Zusammenbruch der britischen
Wirtschaft im Jahr 1825, waren die Auswirkungen auf dem gesamten
Kontinent zu spüren. Überall mussten Unternehmen ihre Handelstätigkeit
einschränken. Den Gesellschaften, die in engen Geschäftsbeziehungen zum
britischen Empire standen, drohte der Konkurs. Unternehmen, die nicht
unmittelbar durch die Krise betroffen waren, bekamen wenig später den
Nachfragerückgang zu spüren. Als Beispiel für die überall angespannte
Lage kann die besonders gravierende Situation in der elsässischen
Textilindustrie angeführt werden.
Die Industrie der
Textilhändler blickte zu jener Zeit bereits auf eine 200-jährige
Geschichte zurück. Ab 1618 legten hugenottische Einwanderer in den
Dörfern und Städten des Landes mit ihren Kenntnissen über die
Tuchherstellung den Grundstock für die Mitte des 19. Jahrhunderts
floriende Textilindustrie. Erst die Entwicklung in Großbritannien
stürzte die Elsässer in eine ernste Krise.
Aufgrund der
Absatzeinbussen waren die Lagerbestände vieler Unternehmer bei ständig
sinkenden Einnahmen bedrohlich angewachsen. Viele Firmen verfügten nur
über geringe Barreserven, konnten sich aber durch die Ausgabe neuer
Wechsel zunächst über Wasser halten. Historiker schätzen, dass zu jener
Zeit Wechsel mit einem Gesamtvolumen von 9 bis 10 Millionen Francs -
nach anderen Quellen sogar bis zu 16 Millionen Francs - von
elsässischen Textilunternehmen im Umlauf waren. Doch während sich die
Banken und Unternehmen in Sicherheit wiegten, waren die Ursachen für
die Schieflage nicht bekämpft worden. Immer noch lagerten bedeutende
Mengen Textilien ohne einen Abnehmer in den Lagerhäusern.
Im
Dezember 1827 kam es schließlich zur Katastrophe. Innerhalb kürzester
Zeit mussten gleich drei Textilunternehmen in Mühlhausen Insolvenz
anmelden. Die Pariser Banken, die durch die britische Krise wenige
Jahre zuvor sensibilisiert waren, reagierten umgehend und wiesen
Anfragen auf Erneuerung fälliger elsässischer Wertpapiere fortan
zurück. Als wenig später auch die Banque de France (französische
Nationalbank) die Annahme jeglicher Wechsel verweigerte, die in
Mühlhausen, Basel oder anderen elsässischen Orten indossiert worden
waren, kam es zur Panik.
Am 19. Januar 1828 gingen noch einmal
zwei Mühlhausener Unternehmen in Konkurs. Als am 22. Januar Gerüchte
über den baldigen Bankrott weiterer Textilunternehmen aus dem Elsaß
aufkamen, erhoben sich in den Pariser Bankenkreisen Stimmen nach einer
baldigen Lösung der angespannten Situation, da Auswirkungen auf andere
Industriezweige nicht ausgeschlossen werden konnten. Aus diesem Grund
wurde ein Unterhändler ins Elsaß geschickt, der mit den betroffenen
Unternehmen verhandeln sollte. Doch sein Angebot, 1 Million Franc als
Kredit auf Warenlieferungen auszugeben, war nur ein Tropfen auf den
heißen Stein.
Unabhängig davon machten sich zwei bekannte
Unternehmer aus dem Elsaß, Nicholas Koechlin und Jan Dollfuss - auf den
Weg nach Paris. Koechelin und Dollfuss stießen mit ihren Forderungen in
Paris zunächst auf taube Ohren. Erst in letzter Minute einigten sie
sich mit einem Konsortium aus 26 Pariser Banken unter der Führung von
J.C. Davilllier auf einen Kredit von 5 Millionen Francs. Die Lage im
Elsaß verschlimmerte sich derweilen zusehend. Zwischen dem 26. Januar
und dem 15. Februar 1828 mussten weitere neun Firmen ihre Tore
schließen. Andere stießen in blanker Not Waren und sogar komplette
Geschäftseinrichtungen weit unter ihrem eigentlichen Wert ab, um
wenigstens kurzfristig etwas Luft zu bekommen.
Mit dem mühsam
erkämpften Kredit war es Koechelin und Dollfuss möglich die eigenen
Firmen vor dem Konkurs zu bewahren. Gleichzeitig gaben sie 1 Million
Francs des Kredits an Kollegen weiter, die ihnen entsprechende
Sicherheiten bieten konnten. Mit dieser Geste stellten sie das
Vertrauen der Banken und der Bevölkerung wieder her. Als wenig später
aus Basel ein weiterer Kredit über 1,3 Millionen Francs aufgetrieben
worden war, besserte sich die Lage nochmals. Dennoch mussten noch
einige Unternehmen, die weder an das Geld von Koechelin und Dollfuss
noch an das aus Basel herangekommen waren, wenig später Konkurs
anmelden. Der Großteil der elsässischen Industrie schaffte aber den
Turn around.
Die Krise 1828 hatte zwar nur eine geringe
internationale Bedeutung, zeigt aber sehr gut die angespannte Lage in
Europa zu jener Zeit. Immer noch beherrschte das Wechselsystem das Bild
der Industrie. In den folgenden Jahrzehnten wurde allerdings die Börse
als Auslöser der Krisen und Ort von Spekulationen immer wichtiger.
Ähnlich wie die Internetbubble im Jahr 2000 gab es auch im vorigen
Jahrhundert immer wieder Industrien, die in den Mittelpunkt des
Anlegerinteresses rückten. Einen ersten Vorgeschmack lieferte bereits
die canal mania am Ende des 18. Jahrhunderts.. In den dreißiger Jahren
des 19. Jahrhunderts begann endgültig der Siegeszug der Eisenbahn,
gefolgt von einigen großen Spekulationsblasen..
22.10.2001 09:35 © boerse.de
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