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Der Gorbatschow-Putsch im August 1991 PDF Drucken E-Mail
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Der Gorbatschow-Putsch im August 1991
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Nach Ende des Golfkrieges kehrte die Börse zum Alltag zurück und setzte die in den Achtziger Jahren begonnene Hausse fort. Doch im Chart des Jahres 1991 (insbesondere beim DAX) fällt Mitte August 1991 ein kurzer aber heftiger Einbruch, gefolgt von einem ebenso rasanten Anstieg auf. Die politischen Ereignisse in der UdSSR hatten damals zu einem Mini-Crash geführt.

Die UdSSR war zu dieser Zeit in einem politischen Umbruch. Begonnen hatte alles im Jahr 1985, als Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU und damit zum mächstigsten Mann der Sowjetunion gewählt wurde. In den folgenden Jahren leitete er eine Politik der Entspannung ein, die durch die Begriffe "Perestroika" (Programme zur wirtschaftlichen und sozialen Umgestaltung) und "Glasnost" (Herstellung einer demokratischen Struktur) in die Geschichte eingehen sollte. Abrüstung, Ende des Kalten Krieges, Presse- und Religionsfreiheit, Demokratie und die Einführung der Marktwirtschaft waren entscheidende Erfolge seiner Politik. Doch nicht nur die Sowjetunion war im Umbruch, auch alle Staaten des 1991 aufgelösten Warschauer Paktes und natürlich Deutschland (Wiedervereinigung) waren maßgeblich von der Neuordnung betroffen.

Die Entspannungspolitik hatte auch an der Börse deutliche Spuren hinterlassen. Durch die Wiedervereinigung Deutschlands war das Land 1989 in eine Aufbruchs-Euphorie geraten, die zu massiven Kurszuwächsen am deutschen Aktienmarkt führte. Zwischen Oktober 1989 (1470 Punkte) und Juli 1990 (1960 Punkte) hatte der DAX über 30 Prozent dazugewonnen. Dann belastete zunächst der Golfkrieg die Stimmung und lies den Index wieder auf 1320 Punkte zurückfallen. Mit Beginn der Kampfhandlungen im Januar 1991 starteten sowohl DAX als auch Dow eine kräftig Erholung, die sich nach dem Ende des Krieges noch verstärkte. Der Dow hatte es am 17. April 1991 erstmals geschafft über der psychologisch wichtigen Marke von 3000 zu schließen und auch der DAX konnte seit Jahresanfang um über 20 Prozent auf Kurse über 1700 Punkte zulegen. Doch die erneut aufkeimende Euphorie bekam im August 1991 einen herben Rücksetzer.

So erfolgreich Gorbatschow in der Außenpolitik war, so zerissen war die UdSSR im Inneren. Insbesondere die Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen Lebensmitteln nahm besorgniserregende Formen an. Eine massive Streikwelle in den Kohlerevieren hatte das Land wirtschaftlich geschwächt. Zudem war die Republik innenpolitisch vom Zerfall bedroht. Bereits im März 1990 hatte Litauen seine Unabhängigkeit erklärt und trotz Versuchen Gorbatschows mit einem erneuten Unionsvertrag die Sowjetunion in dezentralisierter Form zu retten, hatten sich bis November 1990 neun weitere Republiken von Rußland losgesagt. Mit Waffengewalt wurden die Republiken daraufhin zur Rückkehr in die UdSSR gezwungen. Auch Rußland selber hatte unterdessen seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärt, allerdings als Rechtsnachfolger der UdSSR.

Während Gorbatschow also einen riskanten Drahtseilakt zwischen konservativen und Reform-Politikern fahren musste, freuten sich andere politische Gruppen über massiven Zulauf aus der Bevölkerung. Während im Volk der Bauernsohn Boris Jelzin immer mehr Ansehen genoß, kämpften auf der anderen Seite die Kommunisten um eine Rückkehr zur "guten alten Zeit". Jelzin war in den ersten direkten freien Volkswahlen am 12. Juni 1991 zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt worden. Damit war er der höchste Staatsmann der größten Teilrepublik der ehemaligen UdSSR, während Gorbatschow als höchster Würdenträger der UdSSR durch die Abspaltungen immer weiter an Macht verlor.

Doch während Jelzins Ansehen wuchs, hatten die Kommunisten durch Gorbatschows Reformen viel ihrer alten Macht verloren. Mit Sorge beobachteten sie deswegen den Zerfall der ehemaligen Weltmacht. Anfang 1991 spitze sich die innenpolitische Situation zu. Alles schien damals im Bereich des Möglich zu liegen - sowohl eine Rückkehr zur Diktatur als auch ein Zerfall in viele kleine Staaten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, arbeitete Gorbatschow im Sommer 1991 an einem neuen Unionsvertrag, der die alte Sowjetunion in eine "Union Souveräner Staaten" transformieren sollte. Dies hätte das Ende der zentralistischen Herrschaft und damit auch der UdSSR bedeutet. Einige führende Politiker und Machtinhaber darunter u.a. Vizepräsident Gennadij Janaev, Ministerpräsident Valentin Pavlov, KGB-Chef Vladimir Krjuèkov oder Innenminister Boris Pugo wollten deswegen die alte Ordnung in der Sowjetunion wieder herstellen. Da Gorbatschow am 20. August 1991 den neuen Unions-Vertrag mit einzelnen Teilrepubliken unterzeichnen wollte, waren die Alt-Kommunisten in Zugzwang. Als Gorbatschow am 4. August mit seiner Familie in Urlaub auf die Krim fuhr, war die Chance zum Putsch gekommen.

Als die Börse am Freitag Abend bei knapp unter 3000 Punkten (Dow) bzw. 1650 Punkten (DAX) aus dem Handel ging, ahnte noch niemand, dass in Rußland die letzten Vorbereitungen für einen Staatsstreich liefen. Die Woche davor war ohne große Ereignisse gewesen und die Börsen hatten im Wochenvergleich deswegen keine große Veränderungen gezeigt. Doch die Ruhe war trügerisch.

Am Sonntag, dem 18. August 1991, um 16:50 Uhr, wurde der Präsident der Sowjetunion mit seiner Familie in seiner Urlaubsdatscha auf der Krim unter Arrest gestellt, nachdem er seine Zustimmung zur Verhängung des Notstandes und die Übertragung seiner Vollmachten an den Vizepräsidenten verweigerte. Am Morgen des 19. August verbreitet die Nachrichtenagenur TASS die Nachricht Gorbatschow wäre aus "gesundheitlichen Gründen" zurückgetreten und Vizepräsident Janaevs übernähme die Funktionen des Präsidenten. Gleichzeitig wurde von den Puitschisten der Notstand ausgerufen.

Diese beunruhigenden Nachrichten schockierten die Börsen. Als erstes waren die Börsen in Asien betroffen. Der Nikkei in Japan brach um fast 6 Prozent auf 21.457 Punkte ein. Noch schlimmer sah es beim zweiten asiatischen Leitindex, dem Hang Seng in HongKong aus, der sogar um 8 Prozent auf einen Schlusstand von 3722 stürzte. Die Schockwelle setzte sich über Europa nach Amerika fort. Insbesondere die deutschen Anleger gerieten dabei in Panik. Nicht nur, dass Gorbatschow in Deutschland aufgrund seiner Verdienste für die Wiedervereinigung ein außerordentlich hohes Ansehen genoß, auch die politische Situation für das gerade erst wiedervereinigte Land war durch die Rückkehr der Kommunisten ungewiß. Dementsprechend gab es in Frankfurt kein Halten: Als die Schlussglocke am 19. August läutete, hatte der deutsche Leitindex fast 10 Prozent auf einen Stand von 1498 eingebüßt. Als letztes war Amerika betroffen. Jedoch waren die Folgen an den US-Börsen weit weniger schlimm als in Deutschland. Der Dow bendete den Tag mit einem Abschlag von 3 Prozent auf einem Stand von 2898. Der Grund für diesen relativ geringeren Absturz lag in der weiteren Entwicklung in Rußland.

Bereits am Mittag des 19. August hatte Jelzin das russische Volk zum Generalstreik aufgerufen. Vor zehntausenden Demonstranten, die sich vor dem Parlament versammelt hatten, kletterte er auf einen Panzer und fordert die Rückkehr Gorbatschows. Gleichzeitig bat er die Soldaten: "Werdet nicht zur blinden Waffe des verbrecherischen Willens von Abenteurern!" Überall formierte sich daraufhin der Widerstand gegen die Putschisten, dem immer mehr Organisationen und Gruppierungen beitraten. Am Abend des 19. August erklärten alle Republiken der ehemaligen Sowjetunion den Putsch für illegal. Am nächsten Tag übernahm Jelzin per Erlaß den Oberbefehl über die in Rußland befindlichen Streitkräfte.


 
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