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Seite 1 von 4 Und da stehen wir nun. Das alte Jahr ist als das schlechteste Jahr in die
Geschichte des Aktienmarktes eingegangen.
Doch jetzt ist es vorbei. Wir wollen den Kopf zum Gebet neigen:
Lieber Gott, bitte bring uns nicht noch ein solches Jahr wie das Jahr
2008.
Was das Jahr 2009 für uns bereit hält, soll Thema dieser Überlegungen zum
Ende des alten Jahres sein. Es ist nicht so, dass ich es wüsste. Die Leser
dieser Seiten schelten mich sogar dafür, wenn ich Anmerkungen zur Politik, zur
Mode oder zu anderen Themen machen. Schuster bleib bei deinen Leisten", sagen
sie dann.
Das Problem ist, dass ich nichts weiß. Abgesehen von dem, was ich direkt sehe
oder höre, sind das immer nur Hypothesen, Schlussfolgerungen und Mutmaßungen.
Manchmal bin ich sogar den Dingen gegenüber misstrauisch, die direkt vor meiner
Nase passieren. Habe ich wirklich gesehen, was ich dachte zu sehen?", fragte ich
mich dann selbst.
Und was die Märkte anbelangt, da weiß niemand nichts. Selbst die größten
Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts lagen meist falsch. Aber sogar
da bin ich mir nicht sicher. Bei der Wirtschaft falsch zu liegen, ist eine Sache
von Meinungen. Es ist keine Wissenschaft. Man kann Wirtschaftstheorien nicht
testen. Weil man keine kontrollierten Experimenten durchführen kann. Die
Bedingungen sind jedesmal andere... und es gibt immer noch mehr hinter der
Geschichte. Man kann also nie wirklich beweisen, ob sie richtig oder falsch
sind. Man kann nur darüber streiten.
Und was die meisten Analysten angeht, so haben sich praktisch alle
Projektionen, Prognosen, Modelle und Formeln schlechter als wertlos erwiesen.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mich im März auf die Suche nach
einem Geldmanager gemacht habe. Die Profis haben mir schicke Diagramme gegeben,
die mir ihre Prognosen zeigten, wie viel ich mit unterschiedlichen Anlageklassen
würde erwirtschaften können... zusammen mit Zahlen, die zeigten, wie
wahrscheinlich ich mit dem Geld rechnen durfte. Man kann dann z.B. erwarten,
dass man mit den Schwellenmärkten in den nächsten zehn Jahren jährlich 8,2%
erwirtschaftet... mit einer Wahrscheinlichkeit von 68% - 82%, dass diese
Prognose auch korrekt ist. Und so konnte ich eine Anlagestrategie auswählen, die
meinen Bedürfnissen entsprach.
Diese Zahlen waren beeindruckend detailliert. Aber es waren einfach nur
Zahlen. In diesem Falle stellte sich heraus, dass die Analysten keine Ahnung
hatten. In ihren Projektionen... und auch in ihren Träumen... tauchte nirgends
die Möglichkeit auf, dass man bis zum Ende des Jahres die Hälfte seines Geldes
an den Schwellenmärkten verlieren könnte.
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