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Mittwoch, 14. Mai 2008
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Alles wie erwartet
Seite 2

Der Krieg zwischen Inflation und Deflation hat viel Lärm und viele Opfer hervorgebracht... aber noch keinen entscheidenden Sieg.

Ich habe vermutet, dass die Zentralbank eher daran interessiert sein würde, eine deflationäre Rezession zu bekämpfen, als einen inflationären Boom. Amerikas Zentralbanker halten ihre Mission für dreiteilig – sie müssen den Wert des Dollars schützen, sie müssen die Banken retten... und sie müssen zuletzt auch sicher stellen, dass alle Politiker wieder gewählt werden und dass alle Senatoren der Zentralbank wieder ernannt werden.

Der letzte Teil der Mission führt dazu, dass sie den ersten Teil aus den Augen verlieren. Um den Karriereaussichten von Politikern und ihren Berufenen in der Zentralbank zu dienen, muss alles versucht werden, die Wirtschaft weiter nach vorn zu treiben – notfalls bis zur eigenen Zerstörung.

Im gegenwärtigen Kontext bedeutet dass, dass man die dringend benötigten Korrekturen aufhalten muss.

Verbraucher, die Regierung und die Unternehmen stecken tief in den Schulden.

Aber niemand wird die Ausgaben zurückfahren, solange er nicht muss. Eine Korrektur würde dazu zwingen, deswegen wird sie unter allen Bedingungen verhindert. Und das geht am stärksten und unmittelbarsten auf Kosten dessen, was eigentlich oberste Priorität der Zentralbank sein sollte – des amerikanischen Dollar.

Ich bin davon ausgegangen, dass die Inflation die Rohstoff-, Öl-, Gold- und Verbraucherpreise eher stärker nach oben treiben würde... als es der Wirtschaft und den Aktienpreisen nützen würde. Auch das scheint zuzutreffen.

Rohstoffe, Öl und Gold sind in den Himmel geschossen. Die Wirtschaft wächst gleichzeitig langsamer als die Bevölkerungszahlen. Und die Aktien erholten sich und zogen sich zurück – und stehen heute ungefähr da, wo sie auch vor zehn Jahren schon standen.

Aber wie sieht es mit der Sorte von Inflation aus, wegen der sich die Leute Sorgen machen? Wie sieht es mit der Verbraucherpreisinflation aus? Wie kommt es, dass die Verbraucherpreise nicht stärker gestiegen sind?

Geben Sie dem Ganzen noch etwas Zeit, liebe Leser.

In der vergangenen Woche entschieden die Bank of England und die Europäische Zentralbank, dass es wichtiger sei, die Inflation zu bekämpfen als zu versuchen, die Wirtschaftsaktivität anzukurbeln. Beide hielten ihren Leitzinssatz dort, wo er war – bei 5% in England und bei 4% in Europa – bzw. beim Zweieinhalbfachen und Zweifachen des amerikanischen Leitzinssatzes.

Natürlich hat jede der sieben Zinssenkungen in Amerika den amerikanischen Dollar weniger attraktiv werden lassen. Wer will schon einen Konto in Dollar halten, das 2% bringt, wenn er sein Geld in Euros anlegen und das Doppelte verdienen kann.

Die Spekulanten sahen diesen Trend kommen und sie verkauften den Dollar auf bis zu 1,60 Dollar pro Euro aus – und schickten Gold auf über 1.000 Dollar. Dann sahen sie etwas, das so aussah wie das Ende für diesen Trend.

Die Zentralbank hat nur noch 200 Basispunkte vor sich. Und sie hat gewarnt, dass es in der nächsten Zeit vermutlich keine weiteren Zinssenkungen geben wird. Der Dollar wurde wieder stärker. Gegenwärtig liegt er bei 1,55 Dollar pro Euro. Auch Gold hat sich zurückgezogen... und stand Ende vergangener Woche bei 882 Dollar.

Derweil warnt Claude Trichet, der Vorsitzende der EZB, dass uns eine „eher in die Länge gezogene Phase hoher Inflation bevorsteht.“ Die Bank of England sagt, dass sie der Inflation den Riegel vorschieben will. Die Daily Mail brachte eine ihre Schock-Geschichten, in der es hieß, die Inflation habe die Kosten für das Lebensnotwendige in Großbritannien so sehr angehoben, dass ein durchschnittlicher Haushalt heute weniger Geld zur freien Verfügung hat, als vor 17 Jahren.

Das heißt, dass die typische britisches Familie heute ärmer ist, als 1991.



 
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